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Berufskraftfahrer: Rahmenbedingungen im Job werden immer besser

Arbeitsmarkt-Report 2016 von der DEKRA analysiert Stellenangebote

Das Berufsbild des Berufskraftfahrers hat sich in den vergangenen 7 Jahren extrem gewandelt: Statt dem einsamen Trucker für die Fernstrecke suchen Unternehmen jetzt regionale Fahrer für den Auslieferverkehr mit gewissen Soft Skills. Die DEKRA Akademie zeichnet mit ihrem Arbeitsmarkt-Report 2016 ein Bild vom aktuellen Stellenmarkt in Deutschland.

Elektriker, Kundenbetreuer und Pflegekräfte sind besonders gefragt. Die Nachfrage nach Berufskraftfahrern ist zwar gesunken, die Analyse des Berufs ist dennoch interessant. Laut DEKRA sind es der Fahrermangel und die veränderten Ansprüche an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die die Rahmenbedingungen im Fahrerberuf verbessert haben. Sowohl bei den Arbeitszeiten als auch beim Gehalt und bei Zusatzleistungen hat sich etwas getan: Jeden fünften Bewerber erwartet eine "leistungsorientierte Bezahlung" – eine Formulierung, die für diese Berufsgruppe vor drei Jahren noch kaum existierte. Interessant sind auch die Leistungen, die Arbeitgeber über das Gehalt hinaus bieten: Urlaubs- und Weihnachtsgeld finden sich ganz oben auf der Liste (15,7 % bzw. 14,9 %). Diese und weitere Extras fanden sich in keiner der zurückliegenden Analysen.

Aber die Arbeitgeber verlangen auch mehr als früher: Der Berufskraftfahrer von heute hat viel Kundenkontakt und sollte verlässlich und teamfähig sein. Das geht zumindest aus den 350 Stellenanzeigen für Berufskraftfahrer hervor, die die DEKRA untersucht hat.


Regionale Touren statt einsame Riesenfahrten

Nur jeder fünfte Fahrer soll Touren im nationalen Fernverkehr fahren; 59,1 % der Unternehmen, die eine Stelle als Fahrer ausgeschrieben hatten, suchten welche für den Regionalverkehr. Interessant: 2009 hatten nur 41,4 % der Stellenangebote einen regionalen Fokus. Der internationale Fernverkehr spielt eine untergeordnete Rolle. Die gestiegene Regionalität erklärt die DEKRA mit dem steigenden Güteraufkommen im Nahverkehr. Logistikunternehmen setzten inländische Fahrer bevorzugt im Lokalverkehr ein, internationale Touren vergäben sie oft an internationale Standorte oder an Subunternehmen aus Ländern, in denen kein Fahrermangel herrscht.


Verantwortungsvoll mit Ladung, routiniert im Kundenkontakt

Folgende Erwartungen haben die Arbeitgeber an ihre Fahrer: Am wichtigsten ist Know-how im Bereich der Ladungssicherung – schließlich birgt schlecht gesicherte Ladung viele Risiken. Nicht nur die Unfallgefahr steigt, wenn Ladung nicht richtig gesichert ist. Auch die Güter können Schaden nehmen oder das Image der Firma leidet. Außerdem herrschen im Nahverkehr andere Arbeitsbedingungen als im Fernverkehr, weswegen Erfahrungen im Auslieferverkehr mit Kundenkontakt heute doppelt so oft gefragt sind wie vor 3 Jahren. Waren und Güter müssen pünktlich und unversehrt, oft in Absprache mit Kunden, am Zielort ankommen. Eine dritte wichtige Eigenschaft ist für Arbeitgeber, wenn Beschäftigte logistische Prozesse verstehen, deswegen "mitdenken" und vorausschauend handeln können.

Insgesamt wurden in den untersuchten Stellenanzeigen dreimal so häufig Fachkenntnisse und Erfahrungen genannt wie bei der Untersuchung von vor drei Jahren.


Hard Skills: ADR-Schein und Berufserfahrung von Vorteil

Erstmals werden auch die Hard Skills in Stellenanzeigen nennenswert oft ausdrücklich erwähnt. Dazu gehört die Fahrerausbildung, die gesetzlich klar geregelt ist: Berufskraftfahrer müssen eine duale Ausbildung oder die beschleunigte Grundqualifikation nachweisen, wenn sie im gewerblichen Güter- und Personenverkehr tätig sein möchten. Bei der Stellensuche sind darüber hinaus in 21,4 % der Ausschreibungen die sogenannte ADR-Bescheinigung, also die Berechtigung Gefahrgut zu transportieren, und in 9,7 % der Nachweis des Gabelstaplerscheins hilfreich. Nur in etwa 25 % der Anforderungsprofile kommen Sprachkenntnisse als Voraussetzung vor: Arbeitgeber legen in erster Linie Wert darauf, dass Bewerber gut deutsch sprechen. Berufserfahrung wird dagegen höher gewichtet: Bei fast zwei Drittel der angebotenen Stellen wird sie vorausgesetzt.


Körperliche Belastungen sinken – psychische steigen

Eine Verschiebung findet bei der Art der Belastung statt: Während die physischen dank technischer Hilfsmittel abnehmen, steigen die psychischen Anforderungen. Fast jedes zehnte Jobangebot verlangt "stressresistente" Bewerber. Daran dürfte vor allem der hohe Zeitdruck schuld sein.

"Der Nachwuchsmangel bei Fahrern bleibt eine der großen Herausforderungen der Branche", erklärt Dr. Peter Littig, Bildungspolitischer Berater der Geschäftsführung bei der DEKRA Akademie. "Monetäre Anreize und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen allein werden diesen nicht beheben können. Zusätzlich müssen beispielsweise Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es auch kleineren Unternehmen vereinfachen, Berufskraftfahrer auszubilden oder zu qualifizieren."


Im Arbeitsmarkt-Report finden Sie neben der Analyse des Kraftfahrer-Berufs

  • eine vertiefende Analyse von Pflegeberufen
  • einen Exkurs zum Thema "Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen"
  • Expertenkommentare zu Arbeitsmarkt-Trendthemen

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