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Gesundheitsmanagement: Beschäftigte wären bereit zu zahlen

Befragung zeigt Gesundheitsschutz-Mängel besonders in KMU

65% aller Unternehmen in Deutschland investieren in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, betreiben also Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) oder haben gar ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Betrieb etabliert. Im Umkehrschluss heißt das aber: 35% der Unternehmen tun nichts dafür, dass die Beschäftigten gesund und leistungsfähig bleiben. Jeder dritte Betrieb hat also noch kein einziges Angebot zur Gesundheitsförderung eingerichtet, dabei ist das gar nicht so schwer.

Wie die Umfrage „Betriebliches Gesundheitsmanagement 2016“ im Auftrag der pronova BKK unter 1.660 Arbeitnehmern ergeben hat, sind die häufigsten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in Betrieben folgende:

  • allgemeine Gesundheitsprüfungen durch den Betriebsarzt (29%)
  • gesunde Kost in der Kantine (27%)
  • Augenuntersuchungen (22%)
  • spezieller Betriebssport (18%)
  • Implementierung eines Gesundheitsbeauftragten (16%)
  • Beratungsangebote zur Bewältigung von Stress oder psychischen Problemen (13%)
  • Burnout-Prävention (8%)


Beim sogenannten „aktiven Gesundheitsmanagement“ sind Großunternehmen nach wie vor wesentlich besser aufgestellt als kleine und mittlere Betriebe (KMU). Dabei bringt die Prävention und Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen auf lange Sicht finanziell mehr, als die erste notwendige Investition kostet. Das heißt: Prävention lohnt sich finanziell. Die Angaben zum Return on Prevention – also zu der Summe, die Sie pro eingesetztem Euro zurückbekommen, sind zwar unterschiedlich, aber immer positiv. So hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) beispielsweise ausgerechnet, dass man für jeden in Prävention investierten Euro 2,20 Euro zurückbekommt.

Doch gerade KMU scheuen sich, erst einmal Geld in die Hand zu nehmen - nur 27% der Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern haben gesundheitsfördernde Maßnahmen etabliert. Bei Firmen mit 500 bis 1000 Mitarbeitern hat dagegen etwa die Hälfte gesundheitsfördernde Maßnahmen im Programm. Dr. Gerd Herold, Arbeitsmediziner bei der pronova BKK: „Vor allem die mittelständigen Unternehmen können aus unseren Ergebnissen lernen. Durch Gesundheitsaktionen für die Belegschaft profitieren sowohl die Mitarbeiter wie auch die Firma. Gesundheitsfördernde Maßnahmen sind zudem nicht teuer und können steuerlich abgesetzt werden."

Übrigens: Laut Studie sind 95% der Befragten „gesundheitsbewusst" und tun auch in ihrer Freizeit etwas, um leistungsfähig zu bleiben. 60% achten auf ausreichend Schlaf, 54% auf gesunde Ernährung.


Beschäftigte sind zu finanzieller Beteiligung bereit ...

Auch den Beschäftigten scheint ihre Gesundheit etwas wert zu sein: Viele würden sich finanziell an bestimmten Maßnahmen beteiligen: 59% würden mehr zahlen, wenn Essen aus gesünderen und hochwertigeren Zutaten zubereitet würde; 50% würden sich an den Kosten für Entspannungsmassagen zum Stressabbau und zur Linderung von Nacken- und Rückenschmerzen beteiligen; 63% würden ins Fitnessstudio gehen, wenn ihr Unternehmen die Kosten für die Mitgliedschaft anteilig übernähme.

„Angebote zur Gesundheitsförderung müssten nicht vollständig kostenlos sein, was viele Unternehmen befürchten, sondern könnten modular und in Kooperation mit örtlichen Dienstleistern angeboten werden", so Herold. Auch Bedenken, dass die anfängliche Begeisterung der Beschäftigten schnell vorbei sein könnte, zerstreut Herold: „Wenn nur ein Teil der interessierten Mitarbeiter die Angebote nutzt, würden Leistungsfähigkeit und Motivation der Belegschaft deutlich steigen."

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