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A-Staub und Nanostaub - die besondere Gefahr

Infos für saubere Luft am Arbeitsplatz

Verschmutzte und belastete Luft kann krank machen – 600.000 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung attestierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die von ihr definierte europäische Region, die 53 Länder umfasst, für das Jahr 2010. Luftverschmutzung ist überall. Und nicht selten ist sie an Arbeitsplätzen zu finden. Dem gilt es entgegenzuwirken, schließlich verbringen wir dort den größten Teil des Tages.

Saubere Luft besteht zu 78% aus Stickstoff, zu 21% aus Sauerstoff, enthält 0,03% Kohlendioxid und 0,93% Edelgase. Dass in der Industrie und der Produktion oder auf Baustellen viele Belastungen anfallen, die dieses Gleichgewicht stören, ist klar. Wo geschweißt, gegossen, gesägt, geschliffen  … wird, entstehen Rauche, Gase oder Stäube. In der Landwirtschaft stehen die Atemwegserkrankungen an Platz 1 der berufsbedingten Krankheiten– noch vor Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE). Das „rasche Trinken frischen Bieres“, wie es Olaus Magnus  im 16. Jahrhundert empfahl, ist aber nicht die richtige Arbeitsschutzmaßnahme. Es gibt wesentlich bessere!


Vorschriften und Grenzwerte

Werden bei der Arbeit Gefahrstoffe oder Biostoffe verwendet oder entstehen diese, greifen die Gefahrstoffverordnung beziehungsweise die Biostoffverordnung. Gerade beim Vorhandensein von Stäuben gilt es, die ATEX-Richtlinie zu beachten und explosionsfähige Atmosphäre zu vermeiden. Wenn es um gesundheitsschädigende Wirkungen geht, finden sich Staub-Grenzwerte in der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 900 „Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz – Luftgrenzwerte“. Biologische Grenzwerte finden Sie in der TRGS 903. Die TRGS 905 dient als „Verzeichnis krebserzeugender, keimzellmutagener oder reproduktionstoxischer Stoffe“ und enthält Konzentrationsgrenzwerte. Diese Stoffe werden in der TRGS 900 ausdrücklich ausgeschlossen. In der „Grenzwerteliste“, die das Institut für Arbeitsschutz (IFA) regelmäßig veröffentlicht, finden Sie die wichtigsten Grenzwerte zu chemischen, biologischen und physikalischen Einwirkungen am Arbeitsplatz, auch zur Luftbelastung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlicht regelmäßig die MAK-und-BAT-Werte-Liste mit Grenzwerten für Gase, Dämpfe und Schwebstoffe.


Kleine Partikel, große Gefahren

Speziell für Stäube gilt: Je kleiner die Partikel sind, desto gefährlicher ist der Staub. Kleine Partikel können länger in der Luft schweben und dadurch auch länger eingeatmet werden. Außerdem können sie weiter in den Körper eindringen als größere Partikel.

Besonders groß ist das Übel, das A-Staub, oft auch Feinstaub genannt, mit seinen besonders kleinen Partikeln bis 10 μm mit sich bringt. Dieser alveolengängige Staub dringt bis in die Lungenbläschen, die Alveolen, vor. Von dort kann er nicht mehr ausgeatmet oder ausgehustet werden. Die Selbstreinigungsfähigkeit der Atemwege versagt. Wer solchen feinen Staub einatmet, kann dadurch Asthma, Bronchitis, ja sogar Lungenkrebs bekommen. Wenn man nun bedenkt, dass ein Erwachsener bei jedem Atemzug etwa einen halben Liter Luft einatmet (bei 12 bis 20 Atemzügen pro Minute sind das etwa 12.000 Liter Luft am Tag – wohlgemerkt in Ruhe und ohne körperliche Anstrengung!), hat man eine Vorstellung davon, wie leicht und schnell viele kleine Staubpartikel bis tief in den Organismus eindringen können.


Übrigens: A-Staub, die alveolengängige Fraktion, steht in Abgrenzung zum E-Staub, auch: einatembare Staub-Fraktion. Die Partikel von E-Staub sind größer als die von A-Staub, werden über die Atmung aufgenommen, können aber nicht bis in die Alveolen vordringen.


Die Silikose, die sogenannte Staublunge, ist ebenfalls eine durch solche feinen Schwebstoffe verursachte Krankheit. Asbeststaub kann zu Asbestose führen, Quarz- und Asbeststaub können Lungenkrebs auslösen, manche Holzstäube stehen im Zusammenhang mit Nasenkrebs. Auch das Herzinfarkt-Risiko steigt, wenn Menschen Feinstaub ausgesetzt sind.

Erst im Februar 2014 senkte der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) den Allgemeinen Staubgrenzwert für schwer- oder unlöslichen, nicht krebserzeugenden A-Staub am Arbeitsplatz von 3 mg/m3 auf 1,25 mg/m3 – eine Reduzierung um mehr als die Hälfte, wobei Experten immer wieder die Meinung in den Raum werfen, dass auch dieser Grenzwert noch zu hoch sei.


Übrigens: Am 29. Juli 2016 wurde die neue TRGS 504 „Tätigkeiten mit Exposition gegenüber A- und E-Staub“ veröffentlicht.  Darin finden Sie konkrete Angaben zu Schutzmaßnahmen, sowohl zu allgemeinen (einige davon finden Sie unten aufgelistet) als auch zu tätigkeitsbezogenen, etwa zum Lagern, Transportieren, Fördern oder Handhaben von Schüttgut …


Staub gibt es übrigens auch in Bereichen, die erst mal nicht gefährdet erscheinen mögen. In Büros sind es Emissionen von Druckern, die immer wieder zu Diskussionen führen: Sind diese nun gesundheitsschädlich oder nicht?


Neue Gefahr durch Nanostaub

Ebenfalls kritisch ist die Belastung durch ultrafeine Stäube von einer Größe von weniger als 100 nm zu betrachten. Diese ultrafeinen Partikel, auch U-Staub oder Nanostaub, begegnen Beschäftigten an vielen Arbeitsplätzen. Sie entstehen ungewollt, etwa beim Schweißen, Schleifen oder auch als Emission bei Dieselmotoren. Bei gezielt hergestellten Nanostäuben spricht man von Nanopartikeln. Welche gesundheitlichen Folgen die Exposition gegenüber Nanostäuben hat, ist noch nicht endgültig geklärt. Fakt ist, dass sie über den Atemtrakt, durch Verschlucken und über die Haut aufgenommen werden und sich im Körper verteilen können. Grenzwerte gibt es noch keine, deswegen sind sie im Umgang wie gesundheitsgefährdende Stoffe zu behandeln. 


Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip

Die Schutzmaßnahmen bei Luftbelastungen am Arbeitsplatz sollten nach dem STOP-Prinzip ergriffen werden:

Substitution – Entstehung von Staub verhindern: Materialien sollten ausgetauscht, Arbeitsweisen geändert werden, wenn es bessere gibt, die die Atemluft weniger belasten. Beispiele aus der TRGS 504: befeuchtete Rohstoffe oder bereits fertig gemischte Materialien wie Mörtel oder Spachtelmasse verwenden. Kein trockenes Kehren oder Abblasen von staubbelasteten Arbeitsplätzen ...

Technische Maßnahmen, wenn sich die Entstehung von Staub nicht verhindern lässt: Absaugung an der Emissionsquelle; Werkzeuge mit Absaugung benutzen; bessere Filter verwenden; Luftreiniger einsetzen; Lüftungsanlagen einbauen; Einhausung ...

Organisatorisch: Regelmäßige Reinigung von staubbelasteten Arbeitsplätzen; Verlagerung von Arbeitsplätzen aus belasteten Bereichen heraus; möglichst kurze Arbeitszeit an belasteten Arbeitsplätzen; ständige Beobachtung der Belastung; Schmutzschleusen; räumlich getrennte Lagerung von Bekleidung; regelmäßige Reinigung der Kleidung durch den Arbeitgeber; Unterweisung der Beschäftigten ...

Persönliche Maßnahmen: PSA wie Atemschutz; Arbeitsmedizinische Vorsorge wie Lungenfunktionstests

Wer Atemwegsbeschwerden, Kurzatmigkeit, häufiges Husten und Auswurf an sich beobachtet, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

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