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Normen und Regeln für die Beleuchtung von Arbeitsstätten

Gastbeitrag von Dipl.-Ing. (FH) Klaus-Peter Richter von GOSSEN

In den letzten Jahren hat sich ein entscheidender Wandel in der Beleuchtungstechnik von der herkömmlichen Glühlampe zur modernen, energieeffizienten LED vollzogen. Diese neue Technologie bringt fertigungsbedingte Varianzen in Bezug auf Farbtemperatur, Farbwiedergabe und Flicker. In diesem Beitrag erhalten Sie eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Normen und Regeln für die Beleuchtung von Arbeitsstätten mit Hinweisen, wo diese neuen Einflussgrößen zu berücksichtigen sind.


Mit Norm-Erfüllung auf dem aktuellen Stand der Technik

Grundlage für die Auslegung der Beleuchtung von Arbeitsstätten sind die DIN-Normen, die eine nationale Version der europäischen DIN-EN-Normen sind. Sie legen quantitative und qualitative Anforderungen an die Güte der Beleuchtungsanlage fest. Normen geben in der Regel den Stand der Technik wieder, haben empfehlenden Charakter und werden als Grundlage für Verträge und Rechtsstreite herangezogen.


DIN EN 12464-1 Licht und Beleuchtung - Beleuchtung von Arbeitsstätten

Teil 1: Arbeitsstätten in Innenräumen

Diese Norm behandelt die Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen in Bezug auf Sehleistung und Sehkomfort für alle üblichen Sehaufgaben, einschließlich der Sehaufgaben am Bildschirm. Sie legt für die meisten Arbeitsplätze und deren zugehörige Flächen die Anforderungen an die Beleuchtung hinsichtlich Quantität und Qualität fest. Um den Planern möglichst viele Freiheiten für innovative Beleuchtungssysteme zu lassen, werden keine spezifischen Lösungen vorgeschrieben. Die Beleuchtung kann mit Tageslicht, künstlichem Licht oder einer Kombination aus beidem erfolgen. Zusätzlich zur Beleuchtungsstärke beschreibt die Norm weitere quantitative und qualitative Gütemerkmale für die Umsetzung eines guten Lichtklimas. Dazu zählen Leuchtdichteverteilung, Blendung, Lichtrichtung, Lichtfarbe und Farbwiedergabe, Flimmern und Tageslicht. Der Abschnitt 5 der Norm legt in seinen Tabellen detailliert die Beleuchtungsanforderungen für Räume (Bereiche), Aufgaben und Tätigkeiten fest. Darin enthalten sind Wartungswert der Beleuchtungsstärke, UGR-Grenzwert für die Blendung, Farbwiedergabe-Index und weitere Anmerkungen für Ausnahmen und Besonderheiten.

Für Büroarbeitsplätze gelten beispielsweise die Vorgaben die Sie in der Grafik sehen (Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern). Es gibt Bereiche mit speziellen Anforderungen an die Farbwiedergabe Ra > 90, die beim Einsatz von LED-Beleuchtung zu beachten sind.


DIN EN 12464-2 Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten

Teil 2: Arbeitsplätze im Freien

Diese Norm behandelt die Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen im Freien in Bezug auf Sehleistung und Sehkomfort für alle
üblichen Sehaufgaben. Sie ist wie die DIN EN 12464-1 aufgebaut und stellt vergleichbare Anforderungen an die Beleuchtung, die sich jedoch insbesondere auf die Sehaufgabe bei Nacht
konzentrieren. Auch hier legt der Abschnitt 5 der Norm in Tabellenform detailliert die Beleuchtungsanforderungen für Bereiche, Aufgaben und Tätigkeiten fest. Darin enthalten sind Wartungswert der Beleuchtungsstärke, Mindestwert der Gleichmäßigkeit der Beleuchtungsstärke U0, Grenzwert der Blendungsbewertung GRL, Farbwiedergabe-Index und weitere Anmerkungen für Ausnahmen und Besonderheiten.


Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV

Die Arbeitsstättenverordnung legt fest, was der Arbeitgeber beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten in Bezug auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu beachten hat. Die Verordnung folgt der Regelungssystematik der europäischen Arbeitsstättenrichtlinie, durch die Schutzziele und allgemein gehaltene Anforderungen, aber keine detaillierten Vorgaben festgesetzt werden. Damit erhält der Betrieb einen Spielraum für individuelle Arbeitsschutzmaßnahmen. Im Anhang „Anforderung an Arbeitsstätten“ sind in Bezug auf die Arbeitsplatzbeleuchtung folgende Anforderungen zu finden:

3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung

  1. Die Arbeitsstätten müssen möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und mit Einrichtungen für eine der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten angemessenen künstlichen Beleuchtung ausgestattet sein.
  2. Die Beleuchtungsanlagen sind so auszuwählen und anzuordnen, dass sich dadurch keine Unfall- oder Gesundheitsgefahren ergeben können.
  3. Arbeitsstätten, in denen die Beschäftigten bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung Unfallgefahren ausgesetzt sind, müssen eine ausreichende Sicherheitsbeleuchtung haben.

Wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen die in §9 der Verordnung aufgeführten Punkte verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit; wer dadurch vorsätzlich das Leben oder die Gesundheit von Beschäftigten gefährdet, macht sich gar strafbar.


Technische Regeln für Arbeitsstätten – ASR

Um Unternehmen und vollziehenden Behörden die Anwendung der ArbStättV in der Praxis zu erleichtern, werden vom "Ausschuss für Arbeitsstätten" erläuternde "Arbeitsstättenregeln" (ASR) erarbeitet und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekanntgegeben. Hält der Arbeitgeber diese Technischen Regeln ein, dann kann er davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen der Verordnung erfüllt sind.

ASR A3.4 Technische Regeln für Arbeitsstätten – Beleuchtung: Die ASR A3.4 detailliert die Anforderungen aus Kapitel 3.4 des Anhangs der Arbeitsstättenverordnung und beruht auf der Berufsgenossenschaftlichen Regel der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung BGR 131-2, Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten - Teil 2: Leitfaden zur Planung und zum Betrieb der Beleuchtung. Die ASR A3.4 weicht in Einzelfällen von der DIN EN 12464 ab, die Planungsgrundlagen für die Beleuchtungsanlagen festlegt, jedoch nicht die Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten berücksichtigt. In der Richtlinie sind für die Beleuchtung mit Tageslicht, künstliche Beleuchtung in Gebäuden und im Freien Anforderungen an Beleuchtungsstärken, Begrenzung von Blendung, Farbwiedergabe, Flimmern oder Pulsation und Schatten festgelegt. Weitere Hinweise für den Betrieb und die Instandhaltung der Beleuchtungsanlage sowie für die orientierende Messung mit klassifizierten Beleuchtungsstärkemessgeräten mindestens der Klasse C sind ebenfalls enthalten.

Im Anhang 1 der ASR A3.4 sind für die verschiedenen Arbeitsräume, Arbeitsplätze und Tätigkeiten die Mindestwerte der Beleuchtungsstärke und des Farbwiedergabe-Index Ra definiert. Adäquate Werte für Arbeitsbereiche, Arbeitsplätze und Tätigkeiten im Freien sind im Anhang 2 zu finden.


Neue Herausforderungen an die Messtechnik

Reichte es bei der herkömmlichen Beleuchtungstechnik aus, die Beleuchtungsstärke und die Leuchtdichte zu überprüfen, müssen heute zusätzlich Spektrum, Farbort, Farbtemperatur, Farbwiedergabe-Indizes und Flicker betrachtet werden. Bedingt durch die Fertigungsprozesse variieren Helligkeit und Farbe von LEDs, weshalb sie in der Produktion und Endanwendung getestet, klassifiziert und charakterisiert werden müssen.

Tageslicht, Glühlampen und Halogenlampen haben eines gemeinsam, und das ist ihre hervorragende Farbwiedergabe mit dem höchsten Farbwiedergabeindex von 100. LEDs und Leuchtstoffröhren können da nicht ganz mithalten und das liegt an ihren Spektren. Bei den Letztgenannten dominieren einzelne Spektralbereiche oder es fehlen Spektralbereiche, was zu einer Beeinflussung beim Farbsehen führt.

Diese neuen Herausforderungen hat die Bauteilindustrie aufgegriffen und sie hat Spektralsensoren so weit miniaturisiert, dass diese MOEMS (Micro Opto Electro Mechanical Systems) die Entwicklung handlicher und vor allem bezahlbarer Spektralphotometer ermöglicht haben.

Die GOSSEN Foto- und Lichtmesstechnik GmbH bietet ein komplettes Programm an Beleuchtungsstärke- und Leuchtdichtemessgeräten sowie ein Spektrometer, die zur Überprüfung der vorgenannten Normen und Vorschriften zum Einsatz kommen. Als Kalibrierlabor erstellt GOSSEN auch Werkskalibrierscheine für Beleuchtungsstärke und Leuchtdichte oder auch DAkkS-Kalibrierscheine für Beleuchtungsstärke. Ausführliche Informationen zur Lichtmesstechnik sind im „Kompendium der Lichtmesstechnik“ zusammengefasst, das kostenfrei angefordert, von www.gossen-photo.de oder über den Link unten heruntergeladen werden kann.

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