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Asbest in Gebäuden

Wo er sich versteckt, wer wie damit arbeiten ,darf' - mit Checklisten-Download!

Asbest ist noch lange kein Thema "von gestern", obwohl der einstige Wunderbaustoff schon seit 1993 nicht mehr hergestellt und in Verkehr gebracht werden darf. Schätzungsweise 35 Millionen Tonnen Asbest sind in Deutschland immer noch verbaut; 89.000 Beschäftigte kamen 2012 mit Asbestprodukten in Kontakt. Von 1994 bis 2012 starben etwa 25.500 Beschäftigte an den Folgen von Asbest. Die Zahl der Verdachtsfälle auf asbestbedingte Erkrankungen steigt jährlich. Diese erschreckenden Zahlen stammen aus dem deutschen Asbestprofil von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Schuld daran ist die lange Latenz; Asbesterkrankungen lassen sich viel Zeit …

In nahezu allen Wohn- und Gewerbegebäuden sowie öffentlichen und industriell genutzten Liegenschaften, wie Tankstellen, Kasernen oder Krankenhäusern, sind viele schadstoffbelastete Baustoffe im und um das Gebäude "versteckt", darunter auch der gefährliche Stoff Asbest. Der Umgang mit Asbest ist mit Ausnahme von Abbruch,- Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten, den sogenannten ASI-Arbeiten, verboten. Diese Arbeiten müssen entsprechend der gesetzlichen Regelungen von Fachfirmen durchgeführt werden.


Wo kann Asbest versteckt sein?

Asbest wird in Abhängigkeit von seiner Rohdichte klassifiziert in "Asbestzementprodukte", "schwach gebundene Asbestprodukte" und "sonstige Asbestprodukte". Die typischen Wellasbest- und Promabestplatten oder Spritzasbest erkennt man sofort. Folgende "Asbest-Verstecke" gibt es, die besonders das Baunebengewerbe (Maler, Trockenbauer, Boden-, Fliesenleger, Schornsteinfeger …) betreffen:

  • Putze
  • Spachtelmassen
  • Farben (Korrosionsschutz, Dispersion)
  • Gewebe, Schnüre, Dichtungen, Stopfmassen
  • Dachpappen
  • Tonerde-Isolierungen
  • Fliesenkleber
  • Fensterkitte
  • Dünnbettmörtel
  • Steinholzestriche


Wie gefährlich Arbeiten in kontaminierten Bereichen sind, hängt in erster Linie von den Stoffeigenschaften, den Arbeitsverfahren und den Umgebungsbedingungen ab. Allgemeingültige Schutzmaßnahmen gibt es also nicht. Die Gefährdungsbeurteilung und ein Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S-Plan), der bei allen anderen Gebäudeschadstoffen außer Asbest und künstlichen Mineralfasern Pflicht ist, müssen baustellenspezifisch gestaltet werden. Ist als Gebäudeschadstoff tatsächlich "nur" Asbest vorhanden, müssen Sie einen Arbeitsplan nach Anlage 1.4 der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 519 "Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" erstellen.

Fakt ist: Gefährlich ist der Umgang mit Asbest immer, sobald das Material bearbeitet wird.


Beurteilung nur durch fachkundige Personen

Der Bauherr als auch die ausführenden Firmen haben, was Gebäudeschadstoffe angeht, eine Ermittlungspflicht, die in der Gefahrstoffverordnung festgeschrieben ist. Sie müssen also überprüfen, ob Beschäftigte und auch unbeteiligte Dritte bei der Arbeitsausführung Schadstoffen ausgesetzt sein werden. Das erfordert viel Know-how. Nach der TRGS 519 bietet es sich an, dass Sie für die Erkundung und Bewertung schadstoffverdächtiger Gebäude und deren unmittelbarer Umgebung einen Fachgutachter oder einen Sachverständigen für Gebäudeschadstoffe einbeziehen. Dieser sollte frühzeitig ein umfassendes, aktuelles und aussagekräftiges Gebäudeschadstoffkataster sowie ein emissionsarmes Probenahme-, Rückbau- und Entsorgungskonzept entsprechend dem Stand der Technik erstellen. Ein Ergänzungsgutachten ist nötig, wenn ein älteres Gebäudeschadstoffkataster vorliegt, in der Zwischenzeit aber zum Beispiel mit asbesthaltiger Spachtelmasse Ausbesserungen stattgefunden haben oder asbesthaltiger Kleber unter Bodenbelägen oder Fliesen eingesetzt wurde. Ein anlassbezogenes Gutachten wäre zum Beispiel nach einem Gebäudebrand erforderlich.

Für jedes Bauvorhaben, bei dem mit Asbest im Rahmen von ASI-Arbeiten umgegangen werden muss, muss die ausführende sachkundige Firma dem Gewerbeaufsichtsamt mindestens 7 Tage vor Tätigkeitsbeginn eine plausible, inhaltlich nachvollziehbare Anzeige zuschicken. Diese soll die Abstimmung verbessern und Kontrollen ermöglichen. Eilanträge sind schriftlich zu beantragen.

Für die Arbeiten sind ausschließlich Beschäftigte zu berücksichtigen, die eine entsprechende aktuelle arbeitsmedizinische Vorsorge erhalten haben, sowie eigene weisungsbefugte aufsichtsführende Sachkundige, die während der ASI-Arbeiten immer auf der Baustelle präsent sein müssen. Entstehen Zweifel, wird nachgefordert.

Nicht sachkundige Firmen müssen für ASI-Arbeiten eine sachkundige Firma beauftragen oder sich bei einem Lehrgangsträger selbst nach TRGS 519 qualifizieren lassen. Die Sachkunde nach TRGS 519 kann nur bei einem von der zuständigen Behörde anerkannten Lehrgangsträger absolviert werden bzw. absolviert worden sein, dessen Lehrgangsinhalte der TRGS 519 entsprechen. Alte Sachkundebescheinigungen, die vor dem 1. Juli 2010 erworben wurden, waren nur noch bis 30. Juni 2016 gültig. Wer bis dahin keinen Auffrischungslehrgang besucht hat, muss wieder einen kompletten Grundlehrgang absolvieren.

Aber auch Firmen, die nicht sachkundig im Sinne der TRGS 519 sind, müssen natürlich eine baustellenbezogene Gefährdungsbeurteilung anfertigen. Werden darin keine Gefahrstoffe ermittelt, muss zumindest festgelegt werden, dass die Arbeiten sofort unterbrochen werden, wenn Arbeitnehmer auf Material stoßen, bei dem sie nicht sicher sein können, ob Asbest enthalten ist. Dann wiederum muss der Bauherr die Asbestfreiheit durch Probenanalysen nachweisen oder eine sachkundige Firma beauftragen. Erst dann dürfen die ASI-Arbeiten ausgeführt werden. Oberstes Gebot ist dabei eine sachgemäße, gefahrstoffseparierende, staubminimierende Arbeitsweise in klar gekennzeichneten und abgeschotteten Arbeitsbereichen mit der entsprechenden Persönlichen Schutzausrüstung (PSA), die erst mit einer gründlichen Grob- und Feinreinigung und ordnungsgemäßen Entsorgung abgeschlossen ist.


Übrigens: Haben Sie an die wichtigen Arbeitsschutz-Maßnahmen gedacht? Laden Sie sich die Checkliste für die Baustellenakte von ASI-Asbest-Baustellen kostenlos herunter!


Beim Abriss größerer Gebäude oder tragender Teile bedarf es im Vorwege einer behördlichen Abbruchgenehmigung. Auf dieser Grundlage wird eine Abbruchanweisung erstellt, die alle geplanten Arbeitsschritte und die notwendigen gerätesicherheitstechnischen Maßnahmen beschreibt. Außerdem sind darin zu finden: die statischen Gegebenheiten vor Ort, Art und Lage verbliebener bzw. unterbrochener Ver- und Entsorgungsleitungen sowie Entsorgungs- und Baustellensicherungsmaßnahmen. Allerdings gilt immer: Nach der (Vor-)Entkernung erst die Gefahrstoffe ausbauen, dann das Gebäude abreißen!


Nachweis von Asbest

Asbest kann eindeutig in Materialproben, Staubproben, Luft- oder Wasserproben durch eine Laboranalyse mittels Licht- oder Rasterelektronenmikroskopie nachgewiesen werden. Standardanalyseverfahren reichen in der Regel nicht aus, um Asbest sicher festzustellen. Viele Produkte enthalten weniger als 1 Masseprozent Asbest, das oft auch noch inhomogen verteilt ist. Ein Nachweis ist dann besonders kompliziert.

Das jeweilige Analyselabor muss also wissen, dass bis zu einer Nachweisgrenze kleiner 1 bis 0,1 Masseprozent untersucht werden soll. Dabei reicht eine einzige Probe oft nicht aus, sondern die oben erwähnte qualifizierte Probenahme an unterschiedlichen Stellen ist notwendig – besonders an Stellen, wo eine Anhäufung von Fasern zu vermuten ist. Bei behördlichen Baustelleninspektionen wird im Zweifel immer der Nachweis einer Asbestfreiheit gefordert. Wer ein akkreditiertes Messinstitut nach VDI 3492 dazu beauftragt, ist rechtlich auf der sicheren Seite.

Wichtig ist, dass das gesamte Bauobjekt beurteilt wird, dass die Proben unabhängig und angemessen ausgewählt und entnommen werden, dass die Entnahme als auch die messtechnische Vorgehensweise qualifiziert stattfinden und durch den Fachgutachter oder Sachverständigen überwacht werden. Das Probenahmeprotokoll muss auf nicht zugängliche oder ausgesparte Bereiche hinweisen.

Wenn schwach gebundene Asbestprodukte im Gebäude vorhanden sind, muss der Bauherr regelmäßig überprüfen, ob er nach der landesbezogenen Asbest- Richtlinie zu einer Sanierung gezwungen ist. Kommt er bei einer Bewertung auf über 80 Punkte, besteht dringender Handlungsbedarf. Eine Sanierung darf bei schwach gebundenem Asbest ausschließlich durch eine nach der Gefahrstoffverordnung dafür zugelassene Firma erfolgen.


Diese Arbeitsverfahren sind verboten!

Abschleifen, Druckreinigen, Abbürsten und Bohren, Überdeckungs-, Überbauungs- und Aufständerungsarbeiten sowie Reinigungs- und Beschichtungsarbeiten an Asbestzementdächern und -Wandverkleidungen sind verboten. Asbesthaltige Gegenstände oder Materialien, die bei Arbeiten anfallen, dürfen nicht mehr verwendet werden, sondern müssen der Abfallbeseitigung oder Abfallverwertung zugeführt werden.


Ein Gebäudeschadstoff kommt selten allein …

Werden neben Asbest noch andere Schadstoffe in einem Gebäude nachgewiesen, macht das den Umgang damit nicht einfacher. Überwiegend findet man KMF („alte“ künstliche Mineralfasern in Stein- oder Glaswolle), PAK (=polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), PCB, Holzschutzmittel in Altholz, Mineralöl (Mineralölkohlenwasserstoffe), Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Cadmium), Formaldehyd, Nitrosamine, biologische Arbeitsstoffe wie Schimmel, Hausschwamm, Taubenkot oder Schädlinge wie Milben, Hausbock, Wespennester und Fäkalkeime.

Bei Brandschäden können zudem noch Dioxine und Furane entstehen. Möglicherweise werden auch Kampfmittelverdachtsflächen gefunden; dies ist auf die Historie des Gebäudes zurückzuführen, etwa weil es irgendwann als chemische Reinigung, Schlachterei, Gerberei oder Ähnliches genutzt wurde oder weil es Überreste von Quecksilber aus alten Leuchtstoffröhren oder Mineralöl aus alten Heizungstanks gibt. Solche Gebäude müssen sondiert werden.

Wenn verschiedene Gefahrstoffe nebeneinander vorkommen, müssen neben den sowieso schon notwendigen Gewerken sachkundige Firmen nach TRGS 519 (Asbest) sowie nach TRGS 524 "Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen" Anlage 2 B bzw. DGUV-Regel 101-004 "Kontaminierte Bereiche" (ehem. BGR 128) Anlage 6 B (Gebäudeschadstoffe) tätig werden. Dann ist ein weisungsbefugter sachkundiger Koordinator im Sinne der Gefahrstoffverordnung für die Überwachung des Gebäuderückbaus schriftlich zu beauftragen und einzusetzen.


Anzeigepflichten und arbeitsmedizinische Prävention

Arbeiten mit asbesthaltigen Materialien müssen, wie erwähnt, mindestens 7 Tage vor Arbeitsaufnahme beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt angezeigt werden. Arbeiten mit Stoffen, die unter die DGUV-R 101-004/TRGS 524 fallen, sind 14 Tage bis vier Wochen vorher der Berufsgenossenschaft und sofern erforderlich, zum Beispiel bei Beschwerden durch Anwohner oder bei Vorkommen mehrerer Gebäudeschadstoffe, dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt zu melden.

Wenn Unterbrechungen auftreten, etwa weil es mehrere Bauabschnitte gibt, müssen organisatorische Vorkehrungen getroffen werden. Eine Absprache mit den zuständigen Fachbehörden und Berufsgenossenschaften ist empfehlenswert.

Beschäftigten, die mit Asbest in Berührung kommen, muss vor Aufnahme der Tätigkeit die vorgeschriebene arbeitsmedizinische Angebots- und Pflichtvorsorge unterbreitet werden. Um auch später noch nachvollziehen zu können, welchen Stoffen Beschäftigte ausgesetzt waren, muss ein lückenloses Expositionsverzeichnis geführt werden, das 40 Jahre aufzubewahren ist. Eine Unterweisung ist ebenfalls ein Muss. Subunternehmer müssen die eigene Sachkunde nachweisen können, die eigene Anzeigepflicht erfüllen, die eigene arbeitsmedizinische Vorsorge gewährleisten und eine baustellenspezifische Gefährdungsbeurteilung erstellen – wohlgemerkt vor der Arbeitsaufnahme!


Tipps für Privatpersonen

Auch Privatpersonen, die das eigene Haus, die Wohnung, die Garage oder die Gartenlaube in Eigenleistung renovieren oder reparieren, müssen die arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften einhalten. Wenn sie dies ganz sicher tun, dann können sie erlaubte Arbeiten an ihrem Eigentum ohne Sachkunde und Anzeige durchführen. Hier gilt ebenfalls: Arbeiten an asbesthaltigen Teilen von Gebäuden sind grundsätzlich verboten. Schleifen, Bohren, Sägen oder andere Tätigkeiten, die Fasern freisetzen können, sind unbedingt zu unterlassen. Dazu gehören etwa auch das Anbringen von Halterungen an Fassadenplatten oder die Befestigung eines Türstoppers auf einem asbesthaltigen Fußbodenbelag.

Auch wenn Sie zum Beispiel ein Asbestzementdach oder eine Fassade reinigen, ist Vorsicht geboten: Hochdruckreinigung oder Bürsten zählen nach dem Gefahrstoffrecht zu den verbotenen Arbeiten.

Decken Sie bei brüchigen, verwitterten asbesthaltigen Bodenplatten die kaputten Stellen lose ab und fordern Sie den Eigentümer oder einen Bevollmächtigten zur umgehenden Beseitigung der Gefahrenquelle auf. Nur vereinzelt können asbesthaltige Platten instandgesetzt werden.

Bei Asbestarbeiten in Eigenleistung ist der Abfall natürlich auch vorschriftsmäßig als asbesthaltiger Abfall zu entsorgen. Private Kleinsammelstellen oder Schadstoffsammelstellen nehmen in der Regel Kleinmengen aus Haushalten und Kleingewerbe bis zu 1 m³ an.

Klar ist: Asbesthaltige Stoffe gehören nicht in den Hausmüll!

Da Laien in der Regel nicht über das notwendige Fachwissen und die erforderliche Schutzausrüstung verfügen, sollte eine Fachfirma beauftragt werden. Abbruch- oder Sanierungsarbeiten mit schwach gebundenem Asbest dürfen auch im Privatbereich nur von zugelassenen Firmen durchgeführt werden.

Auf der sicheren Seite ist also, wer solche Arbeiten durch Fachunternehmen durchführen lässt, die ihre Kompetenz auch formal vorweisen können.

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