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FAS für Flurförderzeuge

Lassen sich 80% der Unfälle verhindern?

Fahrerassistenzsysteme (FAS) gibt es nicht nur im Straßenverkehr. Auch für Flurförderzeuge im innerbetrieblichen Verkehr gibt es solche technischen Einrichtungen, die für mehr Sicherheit sorgen. Warum das bitter nötig ist, zeigen die Unfallzahlen. So gab es laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) im Jahr 2013 alleine 78.596 meldepflichtige Unfälle im Zusammenhang mit Förder-, Transport- oder Lagereinrichtungen. In 31.064 der Fälle waren hier Gabelstapler & Co. im Spiel. Wie FAS speziell für Flurförderzeuge funktionieren, erklären die Experten von tbm hightech control.


Was ist ein FAS für Flurförderzeuge? Wie funktioniert es?

Ein FAS für Flurförderzeuge ist eine technische Einrichtung, die das Fahrzeug bei Erkennung einer Gefahrsituation (nebst akustisch-visueller Warnung an den Fahrer) wunschgemäß beeinflusst. Je nach Fahrzeug und Schnittstelle mit dem FAS können zum Beispiel Fahrtrichtung, Geschwindigkeit, Lenkeinschlag oder Hubhöhe in dem FAS mit einbezogen werden. Das FAS wirkt dann berührungslos und fahrtrichtungsabhängig mit der Maßgabe, das Fahrzeug vor einer Gefahrstelle (Kurve, Kreuzung Durchfahrt, Gangende, Rampe usw.) möglichst selbsttätig wirkend in einen Soll-Zustand zu versetzen. So kann durch die geeignete Schnittstelle das Fahrzeug generell an definierten Strecken/Bereichen automatisch verlangsamt und bei akuter Unfallgefahr gestoppt werden, wie z.B. bei angehobener Last vor der Tordurchfahrt oder Ladeluken-Anfahrt, wenn der Lkw nicht angedockt ist, oder vor dem Tor, wenn dieses nicht offen ist usw.

Zu unterscheiden ist das FAS vom Fahrerinformationssystem (FIS). Das FIS ist eine nicht genau definierte Warnung an den Fahrer, wie z.B. eine Rundumleuchte oder Sirene. Man weiß, dass irgendwo in der Umgebung eine Annäherung aufkommt, kann aber nicht gezielt reagieren. Diese Einrichtungen verfehlen meist den Zweck und arten aufgrund der Reizüberflutung in eine Belästigung aus, es sei denn, es handelt sich um eine ereignisbedingte Aktivwarnung, wie z. B. bei der GBA-107.


Welche Probleme aus der Praxis haben zur Entwicklung dieses Produktes geführt?

Die Unfallzahlen der DGUV für das Jahr 2013 – veröffentlicht 2015 – sprechen eine deutliche Sprache: Zahlen der Berentung aufgrund eines Unfalles (Knochenbrüche, Amputationen, Sprach- und Bewegungsstörungen usw.) mit 1.115 p.a. und 31 Toten in der Intralogistik. Viele dieser Unfälle lassen sich verhindern. tbm spricht von 80%.


Wie funktioniert ein solches System – wann wird es ausgelöst – was passiert dann …?

Es gibt diverse FAS. Favorisiert werden immer Systeme, die eine präventive Wirkung auf das Geschehen haben. Dazu gehören nicht sogenannte Schocksensoren, die lediglich „verraten“, wer wann und wo einen Crash gebaut hat. Vielmehr werden FAS bevorzugt, die einen derartigen Crash verhindern und dadurch keine Betriebsablaufverzögerung oder Störung aufkommen lassen.

Dank Geschwindigkeitsregulierung durch FAS werden zum Beispiel diverse ASR (Arbeitsschutzrichtlinien=Gesetz) direkt in die Praxis umgesetzt, wie z.B. eine Gangendesicherung in Regalgängen mit Geschwindigkeitsreduzierung am Gangende von 10–12 km/h auf 4 km/h. Gleichzeitig kann eine Kontrolle darüber erfolgen, ob die Last am Flurförderzeug wirklich unter 0,5 m abgesenkt ist. Wenn die Last zu hoch ist, wird das Fahrzeug angehalten, bis die Last abgesenkt wird. Auch die mobile Rückraumüberwachung mit automatischem Stopp ist ein beliebtes FAS. Meist gibt es bei einer Hinderniserkennung ein Signal an die Fahrzeugsteuerung und an den Fahrer, der als Verantwortlicher das Fahrzeug abbremst.

Auf dem Weg der ständigen Verbesserung der mobilen 3D-Überwachung als Schutzeinrichtung im Sinne der BGV D27 §12 Abs.1 und MaschRL Anh.1 Ziffer 3.2.1 ist bei tbm ein neues Produkt entstanden, RAM-107 - Rear-Area-Monitoring. Die neueste 3D-Kameratechnik im Time-of-Flight-Auswerteverfahren löst hier die nicht ganz zuverlässige Ultraschalltechnik ab. Nicht nur die Einstellmöglichkeit einer geschwindigkeitsabhängigen Rückraumlänge, sondern auch der geschwindigkeitsabhängige Abruf der hinterlegten räumlichen Konfiguration zeichnet das Produkt aus. Dazu kommen die wesentlich vereinfachte Montage (Plug+Play), der standardisierte Anschluss über die Universalschnittstelle und die Einsatzmöglichkeit im Temperaturbereich von -40°C bis +85°C. Der Rückraum wird dem Fahrer über einen Monitor visualisiert. Bei einer angezeigten Gefahr kann der Fahrer nach seinem Ermessen eigenverantwortlich per Betätigung der Überbrückungstaste (nach vorausgegangenem STOPP) die gefahrbringende Bewegung einleiten und verlangsamt weiter rückwärts fahren.

Durch FAS lassen sich Flächen einsparen. Die Sicherheit nimmt wesentlich zu.

Auch gegen herabfallende Lasten kann im Sinne der ASR A2.1 mit FAS vorgegangen werden.

Es gibt auch Indoor-Outdoor-Geschwindigkeitsregler, die die Geschwindigkeit in einer Halle/einem Gebäude automatisch auf ca. 10-12 km/h drosseln, während der Sensor im Outdoorbereich uneingeschränktes Fahren erlaubt. Natürlich müssen bei diesen FAS (basierend auf Radar oder codiertem IR-Licht) die Grundsätze der Physik beachtet werden: Dichter Schneefall, Nebel oder Baumkronen wirken wie eine Hallendecke, wodurch die Geschwindigkeit auf Indoor-Tempo gedrosselt wird. Die Umschaltung mit NoColl am Ausfahrtstor ist dagegen problemlos.

Folgende Situationen können z. B. FAS für Flurförderzeuge regeln:

  • Geschwindigkeit auf bestimmten Verkehrswegen
  • Fahrzeuge selektieren (berechtigt, unberechtigt, zu schwer, zu hoch usw.) z.B. vor einer Brücke oder einem Aufzug
  • automatisch den Aufzug holen und das Verhalten des Fahrzeuges im Fahrzeug steuern, um Beschädigungen zu verhindern
  • den Verkehr in den Kurven mit Vereinzelungen regeln
  • Tordurchfahrten mit Hubhöhenkontrolle, Selektierung und Vereinzelung
  • Identifizierung von Fahrzeugen und deren Aufenthaltsorten
  • Routensteuerungen
  • Zeitweise Routensperre oder Umleitung (z.B. bei der Umsetzung der Luftfrachtverordnung)


Wie einfach oder aufwendig ist es, solch ein System zu installieren?

Die Installation der FAS mit enormer Unfallschutzwirkung kann meist schon vor der Auslieferung werksseitig erfolgen. Das ist wesentlich preiswerter als eine nachträgliche Installation. Das gilt insbesondere dann, wenn diverse Signale, die für die Erfüllung der gebotenen Situation nötig sind, nachträglich generiert werden sollen, falls dieses überhaupt möglich ist. Vielfach werden aber diese FAS nachträglich beim Nutzer montiert, wobei individuell die Belange der jeweiligen Betriebsstätte Berücksichtigung finden. In der Ausschreibung sollte der Hinweis auf eine Universal-Schnittstelle nicht fehlen.

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