Nachricht

Unterweisungen: Sicherheit von A bis Z

Laden Sie sich Ihre Checkliste für Unterweisungen herunter!

In letzter Zeit sprechen Arbeitsschützer, Personaler und alle anderen, die in der Arbeitswelt etwas zu sagen haben, immer häufiger von einer neuen „Unternehmenskultur“, die notwendig ist, um Mitarbeiter zu halten. Bevor Sie aber „Goodies“ verteilen, sollten Sie auf ein Basic achten, das oft in Vergessenheit gerät, für eine sichere Unternehmenskultur aber immens wichtig ist: die Unterweisung!

In einer Unterweisung erläutern Sie den Beschäftigten mögliche Gefährdungen und wie sie diesen sicher begegnen. Die Unterweisung ist nach §12 Arbeitsschutzgesetz verpflichtend und dient der Sicherheit, dem Gesundheitsschutz und der Unfallprävention.

Im Arbeitsschutzgesetz steht, dass die Unterweisung

  • während der Arbeitszeit erfolgen und
  • arbeitsplatz- oder aufgabenbereichsbezogen sein muss.

Auch wann Unterweisungen stattfinden müssen, ist hier ganz klar geregelt: Jeweils vor Aufnahme der Tätigkeit bei

  • der Einstellung: Gerade bei Neulingen (und das gilt auch für Zeitarbeiter oder Ferienjobber!) ist die Erstunterweisung besonders wichtig, geht doch durchschnittlich jeder 2. Arbeitsunfall auf das Konto von Beschäftigten, die ihre Tätigkeit noch kein halbes Jahr ausüben! Die Erstunterweisung muss allgemeine Themen der Sicherheit im Betrieb (etwa Erste Hilfe, Brandschutz …) erfassen, damit sich „der Neue“ im Notfall zurechtfinden kann. Es muss aber auch einen speziell auf den Arbeitsplatz bezogenen Part geben.
  • bei Veränderungen im Aufgabenbereich, wie zum Beispiel Arbeitsplatzwechsel, neuen Verfahren, neuen Maschinen, neuen Arbeitsstoffen, nach längerer Abwesenheit etwa im Rahmen eines betrieblichen Eingliederungsmanagements - BEM.
  • mindestens aber ein Mal jährlich: Hier handelt es sich um die sogenannte Wiederholungsunterweisung.
  • Nach Arbeitsunfällen oder Beinaheunfällen kann ebenfalls eine Wiederholungsunterweisung sinnvoll sein.
  • Eine Einzelpersonenunterweisung kann eingesetzt werden, wenn das Fehlverhalten einer einzelnen Person auffällt.

Wichtig ist bei einer Unterweisung, dass der, der unterweist, nicht einfach ein Programm "runterspult" und die Unterweisung damit als erledigt ansieht. Laut der DGUV Vorschrift 1 muss die Unterweisung verständlich sein. Sind also Beschäftigte im Betrieb, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind, empfiehlt sich eine Übersetzung. Die DGUV-Vorschrift 1 und die Betriebssicherheitsverordnung fordern außerdem eine Dokumentation. Hierfür bieten Berufsgenossenschaften Muster an, so zum Beispiel die BG BAU.


Übrigens: Jugendliche unter 18 Jahren müssen laut dem "Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend"  (Jugendarbeitsschutzgesetz - JArbSchG) mindestens alle 6 Monate unterwiesen werden. Hier muss der Arbeitgeber Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) ausdrücklich in die Planung und Umsetzung miteinbeziehen. 


So finden Sie Unterweisungsthemen

Wer unterweist, muss die allgemeinen Gefahren im Betrieb genauso gut kennen wie die arbeitsplatzspezifischen. Grundlage ist hier natürlich die Gefährdungsbeurteilung. Wird die Gefährdungsbeurteilung also geändert oder erweitert, sollte spätestens dann auch über eine erneute Unterweisung nachgedacht werden.

Erstunterweisungen sollten, wie erwähnt, alle Infos enthalten, damit sich „die Neuen“ zurechtfinden. Doch auch Mitarbeitern, die schon länger dabei sind, schadet in einer Wiederholungsunterweisung eine Auffrischung folgender Unterweisungsthemen nichts, zum Beispiel zu:

  • Verhalten im Notfall (Brandschutz gemäß Arbeitsstättenrichtlinie A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“, Arbeitsunfall, Erste Hilfe …)
  • Richtige Betriebsabläufe
  • Rechte und Pflichten des Arbeitnehmers
  • Rechte und Pflichten des Arbeitgebers
  • Verbote und Gebote, allgemeine Verhaltensregeln
  • Sicherheitskennzeichnung
  • Ergonomie
  • Nutzung von Verkehrswegen


Arbeitsplatzbezogene Unterweisungsthemen können sein:


Die Verantwortung für die Durchführung und Dokumentation von Unterweisungen hat übrigens der Arbeitgeber. Oft beauftragt er aber (schriftlich!) zuverlässige und fachkundige Personen mit der Durchführung von Unterweisungen, also meist Führungskräfte, Meister oder andere unmittelbare Vorgesetzte, die die Begebenheiten am Arbeitsplatz kennen. Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit sollten hier beratend tätig sein, Unterweisungen aber nicht allein durchführen – mangels Kenntnis der einzelnen Arbeitsplätze. 


So gelingt die Unterweisung

Damit die Unterweisung gelingt und das Gelernte bei den Teilnehmern möglichst gut "hängenbleibt", haben wir einige Tipps für Sie, wie Sie die Unterweisung gestalten sollten:

  • Schweifen Sie nicht aus! Niemand mag stundenlange Vorträge hören. Beschränken Sie sich auf höchstens eine halbe Stunde. Ein durchdachtes Konzept mit einem Lernziel, bei dem Sie auch mögliche Reaktionen und Gesprächsbedarfe bedenken, kann hier helfen.
  • Auch Sicherheitskurzgespräche (SKG) können Teil von Unterweisungen sein.
  • Nutzen Sie unterhaltsame Medien: Wer mit Bildern, Filmen, Karten und anderen spannenden Tools lernt, wird sich mehr behalten.
  • Stellen Sie Praxisbezug her! Wer denkt, eine Gefahr könne an seinem Arbeitsplatz nicht eintreten, weil ihm die Verknüpfung zur Praxis fehlt, wird sein Verhalten nicht anpassen.
  • Binden Sie die Mitarbeiter ein. Nur passiver „Frontalunterricht“ ist out!
  • Nehmen Sie die Mitarbeiter ernst: Es gibt keine dummen Fragen!
  • Vermeiden Sie Störungen und Unterbrechungen!
  • Vielleicht gibt es eine Praxis-Übung, die die Mitarbeiter am Ende der Unterweisung durchführen können, um das Gehörte zu verinnerlichen. Die DGUV-Vorschrift 1 schreibt für PSA der Kategorie III, also für PSA gegen tödliche Gefahren oder zum Schutz vor irreversiblen Schäden, eine "besondere Unterweisung" mit praktischen Übungen sogar vor.
  • Besonders komfortabel und sicher machen Sie es Ihren Mitarbeitern, wenn Sie die Unterweisungs-Infos mit einem übersichtlichen Handbuch, einer Mappe, womöglich sogar mit Checklisten unterfüttern.


Tipp: Das sind ganz schön viele Informationen? Laden Sie sich die "Kurzversion" herunter: Hier geht's zu "Ihrer Checkliste für Unterweisungen"!


Wo kein Kläger, da kein Richter?

Das merkt doch keiner, ob Sie in Ihrem Betrieb regelmäßig Unterweisungen durchführen? Das mag erst mal sein, aber allerspätestens, wenn ein Arbeitsunfall mit Körperverletzung geschieht und es zu Ermittlungen kommt, wird die Frage nach der Unterweisung auftauchen. Wenn diese nicht durchgeführt wurde, kann das zu strafrechtlichen Konsequenzen führen. Schließlich ist der Arbeitgeber der Fürsorgepflicht gegenüber seinem Arbeitnehmer nicht nachgekommen.

Jeder Arbeitgeber, der auf die Gesundheit und Unversehrtheit seiner Mitarbeiter wert legt – zum Wohle der Mitarbeiter und zur Verringerung des Krankenstands im Unternehmen –  sollte diese paar Minuten in die Sicherheit investieren.

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden