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Müllfahrzeuge dürfen jetzt rückwärts fahren

Neue Branchenregeln 'Abfallsammlung' und 'Abfallbehandlung" erschienen

Müllfahrzeuge dürfen jetzt rückwärts fahren – wenn genug Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Ob und wenn ja wie bei der Abfallabholung gefährliche Rückwärtsfahrten durchgeführt werden dürfen, wurde lange heiß diskutiert – Unfallversicherungsträger, Entsorgungswirtschaft und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) haben sich nun auf einen Konsens geeinigt, der in der neuen Branchenregel "DGUV-Regel 114-601 Branche Abfallwirtschaft - Teil I: Abfallsammlung" zu finden ist, die gerade veröffentlicht wurde. Neben den Regelungen zum Rückwärtsfahren finden sich darin auch Empfehlungen zu Arbeitsmedizin, Arbeitshygiene, PSA ...


Übrigens: Mit der Branchenregel Teil I hat die DGUV auch gleich die "DGUV-Regel 114-602 Branche Abfallwirtschaft - Teil II: Abfallbehandlung" veröffentlicht. Hier geht es um den Bau und Betrieb von Abfallbehandlungsanlagen, um Arbeitsmittel, die Qualifikation von Führungskräften, Atemschutz, Hautschutz und vieles mehr.


Rückwärtsfahren weiter vermeiden

Grundsätzlich sollen Entsorgungsunternehmen die Touren bei der Abfallabholung nach wie vor so planen, dass unfallträchtige Rückwärtsfahrten vermieden werden. In Ausnahmefällen soll das Rückwärtsfahren jedoch möglich sein. Voraussetzung ist aber, dass der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten festlegt.

"Mit der Branchenregel ist es uns gelungen, Lösungen für den Arbeitsschutz bei der Abfallsammlung zu finden, die die Bedürfnisse der Praxis und den aktuellen Stand der Technik berücksichtigen", so Dirk Füting, Leiter des Sachgebiets Abfallwirtschaft der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). "Unter anderem machen wir transparent, wie die Sicherheit beim Rückwärtsfahren gewährleistet werden kann."

Klar formulierte Anforderungen sollen also die Sicherheit der Beschäftigten und natürlich der Bürger sicherstellen. Nun sei es an den Unternehmen, die Beschäftigten bei der Umsetzung zu unterstützen, erklärte Katrin Büttner-Hoppe von ver.di.


Kein Freifahrtschein fürs Rückwärtsfahren!

Die neue Branchenregel legt fest, dass erst alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen sind, bevor der Fahrer des Müllwagens den Rückwärtsgang einlegt. Auch bauliche Veränderungen an den Abfallsammelstellen oder Änderungen der Verkehrsführung sind vorrangig. Wenn aber alle Möglichkeiten zur Minimierung des Rückwärtsfahrens nach intensiver Prüfung ausgeschöpft sind, muss mittels der Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden, wie möglichst gefahrlos in einer bestimmten Situation rückwärts gefahren werden kann. Der Unternehmer muss in der GBU unter anderem festlegen, über welche Kenntnisse Personen verfügen müssen, die den Fahrer beim Rückwärtsfahren einweisen.

"Klar ist aber, dass es auch in Zukunft Situationen geben kann, in denen das Rückwärtsfahren einfach zu gefährlich ist", erklärt Füting. "Wir appellieren daher insbesondere an die Stadtplaner, die Bedürfnisse der Entsorger zu berücksichtigen, wenn sie die Verkehrswege planen."

Rückwärtsfahren ist bei Abfallsammelfahrzeugen deswegen so gefährlich, weil die Fahrer nur unzureichend den Raum hinter ihrem Fahrzeug einsehen können. Immer wieder kam es zu schweren Unfällen von Einweisern, aber auch von unbeteiligten Dritten. Wer ein Fahrerassistenzsystem (FAS) einsetze, könne zukünftig auf Einweiser verzichten, wenn eine Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen werden könne. Ansonsten bleibe Stand der Technik, dass der Fahrer sich einweisen lassen müsse.

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