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Inklusionsbarometer 2016 zeigt Chancen und Risiken für Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt

So ergeht es Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt

Tippelschritte auf dem Weg zur Inklusion am Arbeitsmarkt: Zwar sank die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung von 181.000 im Jahr 2015 auf aktuell rund 178.800 – ihre Arbeitslosenquote ist mit 13,4 % aber immer noch fast doppelt so hoch wie die Quote von Menschen ohne Behinderung. Da tröstet auch die Tatsache nicht, dass es im Vorjahr 13,9 % waren. Diese und viele weitere Fakten und Zahlen zum Thema Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt finden sich im "Inklusionsbarometer Arbeit" der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes (HRI). Neben Zahlen zum Beispiel von der Bundesagentur für Arbeit floss die Befragung von 500 mittelständischen Unternehmen und 802 Mitarbeitern mit Behinderung in die Ergebnisse ein.

Es sind vor allem bürokratische Hürden, die verhindern, dass Menschen mit Behinderung in Arbeit kommen. Nur 62 % der Chefs kleiner Unternehmen wissen zum Beispiel, dass sie staatliche Förderung bekommen können. Und nur die Hälfte der Betriebe, die darüber Bescheid wissen, nutzt diese Förderung dann auch: "Kleine Unternehmen haben nicht die Zeit, sich auf kompliziertem Weg und über verschiedene Antragstellen eine Finanzspritze zu holen", sagt Aktion-Mensch-Vorstand Armin v. Buttlar. Deswegen fordert er, dass die Förderung aus einer Hand kommen und den Firmen schneller zufließen soll. Weitere Gründe für die hohe Arbeitslosenquote sind laut dem Inklusionsbarometer Vorbehalte auf Seiten der Unternehmen sowie Unsicherheiten auf Seiten der Bewerber mit Behinderung.


NRW rutscht weiter ab

Betrachtet man Regionen, dann verschlechtert sich das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen zum dritten Mal in Folge und rutscht beim Inklusionsklima vom dritten auf den vierten Platz ab. Grund dafür sei vor allem die schlechte Bewertung von Arbeitnehmern mit Behinderung. Auch die Schere zwischen der Arbeitslosigkeit von Menschen mit und ohne Behinderung werde hier immer größer. Mehr als die Hälfte der Menschen mit Behinderung ist in NRW ein Jahr langzeitarbeitslos, in Bayern sind es "nur" 38 %. Die Mitte Deutschlands ist mit Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland vorbildlich; die ostdeutschen Bundesländer sind die Schlusslichter.


101 Tage länger auf Arbeitssuche

Wer ein Handicap hat und arbeitslos ist, braucht vor allem eines: Geduld. Arbeitslose Schwerbehinderte suchen 101 Tage länger als ihre Kollegen ohne Behinderung nach einer neuen Tätigkeit, im Vorjahr waren es "nur" 96 Tage. Sie benötigen im Durchschnitt mit 367 Tagen nun mehr als ein Jahr, um eine neue Stelle zu finden.


Rekord bei den besetzten Pflichtarbeitsplätzen

Ab 20 Mitarbeiter fallen Unternehmen unter die Beschäftigungspflicht. Aktuell sind davon 2.500 Betriebe mehr als noch im Vorjahr betroffen - insgesamt sind derzeit mehr als 152.000 Unternehmen beschäftigungspflichtig. Bei den besetzten Pflichtarbeitsplätzen ist die Rekordzahl von 1,043 Millionen zu vermelden. Dies bedeutet auch, dass die Beschäftigungsquote auf 4,69 (Vorjahr: 4,67) zugelegt hat und damit näher an die gesetzliche Vorgabe von 5 % rückt.

In Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern sind 138.000 Menschen mit Behinderung beschäftigt. Diese positiven Zahlen sorgen dafür, dass das Inklusionsbarometer mit einem Wert von 106,7 (Vorjahr: 101,2) deutlich ins Positive steigt.


Digitalisierung als Chance für Menschen mit Behinderung

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sehen bei der Inklusion vor allem die Digitalisierung als Chance. "Mit Hilfe von Assistenzsystemen und durch Automatisierung können Menschen mit Behinderung stärker vom Aufschwung am Arbeitsmarkt profitieren", sagt Armin v. Buttlar. 68 % der Arbeitnehmer sehen die Übernahme körperlich anstrengender Arbeiten durch Maschinen und die Entstehung neuer Berufsfelder als Gewinn. 70 % der zumeist gut ausgebildeten Menschen mit Behinderung sehen die Veränderung hin zum "Arbeitsplatz 4.0" positiv. Mit 457.000 Beschäftigten arbeiten 46 % in Branchen wie dem Lehr- und Gesundheitssektor, deren Aufgaben nur wenig Austauschpotenzial zulassen. Für Menschen mit einer Lernbehinderung befürchten die Befragten aber Nachteile durch die Digitalisierung. Es fehle an Schulungen, um sie in die digitale Zukunft mitzunehmen.

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