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BaustellV – Basiswissen für Sicherheit und Gesundheitsschutz

Von SiGeKos, Vorankündigungen und besonders gefährlichen Arbeiten

Trotz moderner Maschinen, trotz digitaler Technik und trotz Präventionsmaßnahmen – immer noch ist die Arbeit auf Baustellen gefährlicher als die Arbeit an den meisten anderen Arbeitsplätzen. Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) waren bei den rund 2,3 Millionen Beschäftigten im Baugewerbe im Jahr 2015 die am meisten verbreitete Erkrankung, gefolgt von Verletzungen durch Unfälle, Erkrankungen des Atmungssystems, aber auch psychischen Erkrankungen.


Übrigens: Die Unfallhäufigkeit in Bauberufen ist mehr als doppelt so hoch wie in der gesamten gewerblichen Wirtschaft.


Gefährdungen entstehen in Berufen des Baugewerbes etwa durch körperliche Belastungen wie schweres Heben und Tragen, durch Vibrationen bei der Benutzung von Maschinen und Werkzeugen, durch Zwangshaltungen, durch Gefahrstoffe in Materialien und Baustoffen, aber auch dadurch, dass Baustellenarbeiter oft der Witterung ausgesetzt sind. Zeit- und Termindruck tun ihr Übriges. Die BAuA weist auf den psychischen Risikofaktor hin, häufig bedingt durch eingeschränkte Handlungsspielräume und monotone Arbeitsabläufe sowie die Überschreitung der Leistungsfähigkeit. So vielfältig die Gefährdungen für Baubeschäftigte sind, so vielfältig müssen auch die Schutzmaßnahmen sein.


Die gute, alte GBU

Die Gefährdungsbeurteilung ist natürlich auch auf der Baustelle die Basis für sichere Arbeitsplätze. Da sich Baustellen entwickeln und verändern, muss dies in der GBU berücksichtigt werden: Neben einer allgemeinen GBU bedarf es einer baustellenbezogenen GBU.

Dass meist viele Gewerke und damit Beschäftigte vieler Arbeitgeber auf einer Baustelle tätig sind, macht die Arbeit noch gefährlicher. Wenn beispielsweise am Dach gearbeitet wird, entstehen ganz neue Gefährdungen für alle, die darunter zu Gange sind. Jede Firma muss zwar ihre Verkehrssicherungspflichten und ihre Arbeitsschutzpflichten erfüllen. Auf einer Baustelle trifft aber den Bauherrn eine besondere Pflicht, für Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz für alle Beteiligten zu sorgen. Und die beginnt schon bei der Planung.


BaustellV und RAB: Basis für sichere Baustellen

Um Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen zu gewährleisten, müssen Bauherren, Arbeitgeber und Beauftragte neben dem Arbeitsschutzgesetz vor allem die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (Baustellenverordnung) beachten. Diese setzt die EU-Richtlinie 92/57/EWG (Baustellenrichtlinie) in nationales Recht um und wird durch die Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB) konkretisiert. Sie bezieht sich auf drei Phasen des Baus: die Planung, die Umsetzung und die spätere Nutzung des Bauwerks – alles drei bitte sicher und gesundheitsgerecht!

Die BaustellV regelt unter anderem

  • dass ein Baustellenkoordinator, ein sogenannter Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator (SiGeKo), oder gleich mehrere Koordinatoren zu bestellen sind, wenn Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber auf einer Baustelle tätig sind. Der Koordinator soll, wie der Name schon sagt, die sichere Arbeit der verschiedenen Gewerke koordinieren und ist für Sicherheits- und Gesundheitsschutzbelange zuständig. Genaueres zu Aufgaben und Qualifikation des SiGeKo bietet die RAB 30. Er muss schon bei der Planung eingebunden werden, soll die Sicherheit gewährleisten und den reibungslosen Ablauf des Bauvorhabens unterstützen. Begehungen, Besprechungen und Berichte sollten Teil der SiGeKo-Arbeit sein. Der SiGeKo muss einen eventuell notwendigen SiGePlan erstellen oder erstellen lassen und bei Änderungen anpassen bzw. anpassen lassen. In der Regel übernimmt der SiGeKo auch die Vorankündigung der Baustelle. Er hat keine Weisungsbefugnis, diese kann ihm aber übertragen werden.
  • dass eine Vorankündigung an das Gewerbeaufsichtsamt oder das zuständige Amt für Arbeitsschutz zu übermitteln ist, wenn: 1. mehr als 20 Beschäftigte gleichzeitig auf der Baustelle arbeiten und wenn sie mehr als 30 Arbeitstage dauert oder wenn: 2. mehr als 20 Beschäftigte gleichzeitig tätig sind und der Umfang der Arbeiten mehr als 500 Personentage beträgt (§2 BaustellV). Bei erheblichen Änderungen, etwa wenn der Baukoordinator wechselt oder wenn sich die Zahl der Beschäftigten stark erhöht, muss die Vorankündigung aktualisiert werden.
  • dass ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGePlan) zu erstellen ist, wenn für eine Baustelle, auf der Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden, eine Vorankündigung zu übermitteln ist oder wenn dort besonders gefährliche Arbeiten nach Anhang II der VO ausgeführt werden. Besonders gefährliche Arbeiten sind bspw. Arbeiten mit der Gefahr des Versinkens oder Verschüttetwerdens, Explosionsgefahr oder Arbeiten in Druckluft. Das heißt: Besteht auf einer kleinen Baustelle mit mehreren Gewerken Absturzgefahr, so ist ein SiGePlan notwendig. Der SiGePlan muss die Arbeitsabläufe, Gefährdungen, räumliche und zeitliche Planung der Arbeiten und die zu ergreifenden Arbeitsschutz-Maßnahmen beschreiben. Die RAB 31 definiert die Mindestanforderungen an den SiGePlan.
  • dass während der Planung eine Unterlage für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage erstellt werden muss, wenn bei der Errichtung oder bei der Änderung Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden. Diese Unterlage soll auf besondere Maßnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei Instandhaltungsarbeiten während der Nutzungsphase des Bauwerks hinweisen. Die RAB 32 beschreibt genauer, was diese Unterlage enthalten muss. Sie sollte vor der Ausschreibung fertig sein. Käufer oder Betreiber des Baus sollen die Unterlage bekommen.


Weitere zu beachtende Vorschriften für Arbeitsschutz und Sicherheit auf Baustellen können sein:

  • die Arbeitsstättenverordnung, die in dem Teil "Ergänzende Anforderungen und Maßnahmen für besondere Arbeitsstätten und Arbeitsplätze" genauer beschreibt, wie bestimmte Räume, etwa Umkleiden oder Sanitärräume, auf Baustellen zu gestalten sind. Außerdem geht es hier um schriftliche Abbruch-, Montage- oder Demontageanweisungen, um Absturzschutz und Gefährdungen durch herabfallende Gegenstände. Auch
  • die Gefahrstoffverordnung,
  • die PSA-Benutzungsverordnung,
  • die Betriebssicherheitsverordnung,
  • die Lastenhandhabungsverordnung
  • und viele andere Vorschriften können bei der sicheren und gesunden Gestaltung von Baustellen eine Rolle spielen.

Die Sicherheit und den Gesundheitsschutz auf Baustellen zu gewährleisten ist komplex und erfordert Weitsicht. Von der Planung an müssen Bauherren, Koordinatoren und Arbeitgeber zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass das Bauvorhaben von Krankheiten oder Unfällen überschattet wird.

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