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Sichere Maschinen – gut einkaufen, Manipulation verhindern

Tipps und Infos für die Maschinensicherheit

Theoretisch ist es ganz einfach, für Maschinensicherheit im Betrieb zu sorgen ... und trotzdem kommt es jedes Jahr zu circa 10.000 Unfällen an stationären Maschinen, von denen im Durchschnitt 8 tödlich enden.

Schon beim Einkauf einer Maschine sollte die Maschinensicherheit in Kombination mit der Funktionstüchtigkeit erörtert werden. Am besten ist es, wenn der zukünftige Käufer ein Lastenheft erstellt mit den Merkmalen, die die Maschine erfüllen muss. Darin sollten zum Beispiel die Anforderungen an

  • die Leistung der Maschine,
  • die Aufstellungsbedingungen (benötigter und vorhandener Platz, Gewicht bzw. Tragfähigkeit des Untergrundes …),
  • Umgebungsbedingungen (Klima, Anschluss an Strom, Druckluft, Wasser …),
  • den sicheren Betrieb oder
  • arbeitsmedizinische Bedingungen (Belüftung, Vermeidung von Zwangshaltungen, ausreichende Beleuchtung, Lärmpegel, Arbeitstaktung …)

zu finden sein. Der Hersteller oder Händler sollte in einem Pflichtenheft Antworten darauf geben, wie er diese Anforderungen umsetzen wird.


Übrigens: Folgende gesetzliche Grundlagen sollen die Sicherheit von Maschinen und Anlagen gewährleisten: Die Maschinenrichtlinie (Richtlinie 2006/42/EG) beschreibt, was Hersteller von Maschinen beachten müssen, um ihre Geräte auf den Markt bringen zu dürfen – in nationales Recht wurde die MRL mit der Neunten Verordnung zum ProdSG (Maschinenverordnung – 9. ProdSV) umgesetzt. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) legt Vorschriften für die Bereitstellung fest, die der Betreiber erfüllen muss. Stichwörter: Gefährdungsbeurteilung bei der Benutzung von Arbeitsmitteln, Prüfpflicht, Unterweisungspflicht, Einhaltung des Stands der Technik …


Vorgeschriebene Kennzeichnung und geprüfte Sicherheit

Maschinen müssen ein CE-Kennzeichen haben. Dabei handelt es sich um die Bestätigung, dass die Maschine mit den geltenden EU-Richtlinien – in diesem Fall der MRL – konform ist. Der Hersteller führt das Konformitätsbewertungsverfahren und eine EG-Konformitätserklärung selbst durch. Die CE-Kennzeichnung ist also Pflicht, bedeutet aber nicht, dass die Maschine einer Qualitätsprüfung durch einen unabhängigen Dritten unterzogen wurde. Sie wird gern als „Reisepass“ für Maschinen beschrieben und richtet sich in erster Linie an Behörden und Ämter.

Wenn Sie auf eine unabhängige Qualitätsprüfung Wert legen, sollten Sie auf das GS-Zeichen, das DGUV-Prüfzeichen oder das Euro-Test-Zeichen achten. Solche Siegel erhalten Maschinen erst nach einer Baumusterprüfung durch einen unabhängigen Prüfer und wenn die Produktion der Maschinen regelmäßig überwacht wird. Nur bei Maschinen, die eine solche Kennzeichnung und das dazugehörige Zertifikat mitbringen, handelt es sich um sogenannte „geprüfte Maschinen“. Aber Achtung: Für bestimmte Maschinen oder Bauteile ist nach Anhang IV der MRL eine Baumusterprüfung vorgeschrieben.

Erstaunlicherweise kennen viele Entscheider in Unternehmen den Unterschied zwischen der CE-Kennzeichnung und einem Prüfsiegel nicht. In großen Unternehmen ist man besser informiert als in kleinen. Trotzdem denken insgesamt 76 %, dass das CE-Zeichen von einem unabhängigen Prüfinstitut vergeben wird


Gut einkaufen – Nachbesserungen vermeiden

Obwohl gerade bei einer meist so kostenintensiven und vor allem sicherheitsrelevanten Anschaffung wie einer Maschine eine professionelle Planung bei der Beschaffung wichtig wäre, müssen etwa 33 % nachbessern, wenn die Maschine endlich da ist. Und das kann teuer werden! Wenn die Maschine nicht benutzerfreundlich ist, kann es außerdem passieren, dass die Beschäftigten selbst "nachhelfen" - mit der Manipulation von Schutzeinrichtungen oder von anderen Teilen an Maschinen.


Maschinen-Manipulation: Vermeiden Sie Anreize!

Etwa 37 % der Schutzeinrichtungen an Maschinen sind manipuliert! Nach Schätzungen von Experten ist etwa ein Viertel aller Unfälle an Maschinen auf eine Manipulation zurückzuführen. Manipuliert wird am häufigsten bei der Störungsbeseitigung, beim Einrichten der Maschine oder bei der Reinigung, seltener im laufenden Betrieb.

Beschäftigte manipulieren Maschinen aus folgenden Gründen:

  • die Maschinen sind nicht optimal konstruiert
  • das Schutzsystem ist beim Reinigen und Einrichten hinderlich
  • Führungsverhalten beeinflusst das Manipulationsgeschehen ebenfalls

Führungskräfte und Arbeitgeber sollten solche Eingriffe in die Sicherheit von Maschinen auf keinen Fall dulden! Im Falle eines Unfalls können sie mit haftbar gemacht werden.

Wer verhindern will, dass Beschäftigte es für sinnvoll halten, Schutzeinrichtungen außer Kraft zu setzen oder auf andere Art und Weise zu manipulieren, kann mit einer kostenlos vom IFA zur Verfügung gestellten Software den Manipulationsanreiz an einer Maschine bestimmen und anhand der Analyse dem entgegenwirken.


Sichere Maschinen auf dem Stand der Technik

Für die Gewährleistung der größtmöglichen Arbeitssicherheit und des besten Gesundheitsschutzes müssen Maschinen immer dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Das heißt: Unter Umständen sind an alten Maschinen Nachbesserungen erforderlich! Doch nicht nur das Alter, auch Veränderungen an Maschinen können dazu führen, dass Schutzmaßnahmen nachgerüstet werden müssen. Wer eine Maschine „wesentlich“ verändert, beispielswiese die Leistung erhöht oder Funktionen ändert, wird zum Hersteller und muss die Pflichten erfüllen, die Hersteller nach der MRL haben. Dazu gehören die CE-Kennzeichnung mit EG-Konformitätserklärung und die Anpassung der Betriebsanleitung. Zur Frage, was eine „wesentliche“ Veränderung ist, haben die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) im Januar 2017 und die BAuA im vergangenen Jahr ein Interpretationspapier veröffentlicht, das bei der Einordnung helfen soll.


Übrigens: Wenn Störungen an Maschinen oder Anlagen die Umwelt gefährden können, etwa durch das Austreten von Gefahrstoffen, fallen sie unter das Bundes-Immissionsschutzgesetz und die Störfall-Verordnung (12. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes – 12. BImSCHV). Ob ein Betrieb davon betroffen ist, hängt von der Menge der Gefahrstoffe ab, die vorhanden sind. Viele Chemiebetriebe, Arzneimittelproduzenten oder Abfallbetriebe fallen darunter. Die Anlagen in solchen Betrieben müssen dem Stand der Sicherheitstechnik entsprechen, es muss ein Konzept zur Verhinderung von Störfällen und ein Sicherheitsmanagementsystem geben und Störfälle müssen bei der Zentralen Melde- und Auswertestelle für Störfälle und Störungen in verfahrenstechnischen Anlagen (ZEMA) gesammelt und dokumentiert werden.


So gut die Maschinensicherheit in Verordnungen und Richtlinien also geregelt sein mag – der Teufel liegt im Detail und die Tücken treten oft erst im Arbeitsalltag auf. Eine gute Planung schon beim Einkauf und die sicherheitstechnische Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus von Maschinen ist ein Muss!

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