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Absturzunfällen vorbeugen

GBU und Sensibilisierung der Beschäftigten notwendig

Mehr als ein Viertel aller tödlichen Arbeitsunfälle sind Abstürze - doch wie kann es sein, dass hier ein solcher Unfallschwerpunkt liegt? Ganz einfach: Es mangelt an Sicherungsmaßnahmen und an sicherheitsbewusstem Verhalten! Das hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) herausgefunden. Dafür hat sie Daten aus dem Zeitraum 2009 bis 2016 ausgewertet. In diesen 7 Jahren geschahen 423 tödliche Abstürze an Arbeitsplätzen.


Fehlende GBU, Missachtung der Arbeitsschutz-Vorschriften und riskantes Verhalten der Beschäftigten

Oft fehlte in Betrieben, in denen ein tödlicher Absturzunfall geschah, die grundlegende Gefährdungsbeurteilung (GBU), anhand der die Arbeitsschutz-Maßnahmen festgelegt werden müssen. 56 % (237) hatten überhaupt eine GBU gemacht, in 114 Fällen war sie allerdings unvollständig und in 113 nicht an aktuelle Änderungen angepasst worden. Nur bei etwa 20 % der Unfälle lag eine vollständige und aktuelle GBU vor. 

Ein zweites Manko: In 71 % der Fälle wurde gegen sicherheitstechnische Vorschriften verstoßen. Beispielsweise wurden das Arbeitsschutzgesetz oder die Betriebssicherheitsverordnung einfach ignoriert. 73 der Verstorbenen hatten sich entschieden, auf bereitgestellte Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu verzichten. Laut der BAuA hätten in 32,2 % der Fälle Absturzsicherungen die Unfallfolgen mildern können. 


Unfallschwerpunkt Dach

Als besonders gefährlich erwiesen sich Bauwerksdächer: 136 der 423 tödlichen Abstürze zwischen Januar 2009 und Dezember 2016 ereigneten sich auf einem Dach. Zu 78 % der Fälle stürzten die Arbeiter durch nicht tragfähige Bauteile wie Lichtkuppeln. Nur 13,9 % starben beim Sturz von einer Leiter oder einem Tritt.

147 der tödlich Verunglückten und damit 34,9 % stürzten aus 5 bis 10 Metern Höhe ab. Doch schon ein Sturz aus wesentlich geringerer Höhe kann fatale Folgen haben: 49 Beschäftigte starben durch Stürze aus weniger als 2 Metern Höhe.

Besonders gefährdet sind laut der BAuA-Untersuchung:

  • Beschäftigte auf Baustellen mit 64,7 %
  • Beschäftigte bei Fertigungs- und Montagearbeiten (26,5 %), Demontage (13 %), Transport (10 %)
  • Männer: 99,5 %
  • Baufacharbeiter (25,6 %), Hilfsarbeiter (15,2 %), Elektromonteure (7,4 %)
  • Beschäftigte in Kleinstunternehmen mit bis zu 9 Beschäftigten (38,1 %) und Kleinunternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten (32,9 %)
  • Facharbeiter mit 58,1 % der tödlich Abgestürzten; angelernte Kräfte mit 28,8 %; nur 10,3 % der tödlich Verunglückten waren Ungelernte und 2,8 % Azubis
  • Auch Berufserfahrung schützt nicht vor Abstürzen: 64,2 % hatten eine mindestens dreijährige Berufserfahrung; bei den älteren Beschäftigten zwischen 50 und 60 Jahren hatten sogar  72,7 % mehr als drei Jahre im Job Erfahrung.
  • Über die Hälfte der Verunglückten war zwischen 40 und 60 Jahre alt: 24,7 % zwischen 40 und 50 und 30,6 % zwischen 50 und 60 Jahre.


BAuA: Vorschriften einhalten, Mitarbeiter unterweisen!

Die BAuA plädiert also vehement dafür, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und Beschäftigte zu unterweisen und zu sensibilisieren, besonders mit dem Schwerpunkt Baustellen, Dächer und auch schon bei geringer Arbeitshöhe. Und man kann es nicht oft genug sagen: "Absturz- und Bauwerkssicherungen, ein kritischer Blick auf das Arbeitsumfeld und das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung helfen insbesondere Absturzunfälle auf Baustellen zu vermeiden. Das Arbeiten auf standsicheren und geeigneten Leitern sowie der Einsatz von sicheren Gerüsten reduzieren das Unfallrisiko."