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Schadstoffen in Räumen auf der Spur ...

Gefahrstoffe finden – Gesundheitsschäden vermeiden

Verbrauchte oder mit Schadstoffen belastete Luft kann krank machen. Reizungen der Atemwege, brennende Augen oder Kopfschmerzen sind nur einige der Symptome. Leistungstiefs und größere Fehlerwahrscheinlichkeit bei der Arbeit inklusive. Verschiedene Krebsarten und andere lebensbedrohliche Krankheiten können die Folge von dauerhafter Schadstoffbelastung sein.

Schlechte und sogar gefährliche Luft gibt es überall – nicht nur in Produktionshallen in der Industrie oder in Laboren, nein: auch im Büro. Während für den Umgang mit Gefahrstoffen wie Gasen, Dämpfen und Stäuben die Regelungen der Gefahrstoffverordnung gelten, müssen bei der Luftqualität in Büros die Arbeitsstättenverordnung beziehungsweise die dazugehörigen Technischen Regeln für Arbeitsstätten eingehalten werden. Werner Lüth, Fachgebietsleiter Arbeitssicherheit bei TÜV Rheinland, betont außerdem, dass das Umweltbundesamt bundeseinheitliche Innenraumrichtwerte festlegt, an die sich Arbeitgeber halten sollten. „Klagen Mitarbeiter über Beschwerden, muss der Arbeitgeber den Ursachen nachgehen“, so der Experte. Für alle Arbeitsbereiche gilt: In einer Gefährdungsbeurteilung müssen Arbeitgeber Gefährdungen erfassen, Belastungen durch Gefahrstoffe identifizieren und geeignete Maßnahmen festlegen. Dass sie diese dann auch umsetzen müssen, sollte selbstverständlich sein.


Schwierige Ursachensuche

Das Problem: Die Ursache für schlechte Luft oder hohe Schadstoffkonzentrationen zu finden, wenn keine offensichtliche Gefahrstoffexposition vorliegt, gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Raumluftmessungen oder die Analyse von Materialproben helfen, Schadstoffquellen zu ermitteln. Bevor Sie aber Messgeräte aufbieten, lohnt es sich, andere Ursachen in Betracht zu ziehen. Weil dieses Thema komplex ist, bietet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) den Report "Innenraumarbeitsplätze - Vorgehensweisen für die Ermittlungen zum Arbeitsumfeld" an. Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) und Arbeitsmediziner sollten einbezogen werden, wenn es darum geht, geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Raumluft zu finden.


Neubauten und Bauen im Bestand betroffen

In älteren Gebäuden können Schadstoffe wie teerhaltige Materialien oder Asbest verbaut worden sein. Gerade Asbest kann fast überall lauern: in Spachtelmassen, Fliesenklebern, Bodenbelägen, Putzen ... In mindestens einem Viertel aller vor 1995 entstandenen Bauten ist Schätzungen zufolge Asbest zu finden!

Aber auch in Neubauten kann es zu Beschwerden kommen. Nicht selten dampfen Lösungsmittel aus Farben, Klebstoffen oder Einrichtungsgegenständen aus. Arbeitsmaterialien wie Faserstifte oder Bildschirmreiniger können ebenfalls die Raumluft belasten. Um solche Probleme zu vermeiden, sollten Verantwortliche bei Reinigung, Neubau, Renovierung oder Sanierung auf schadstoffarme Materialien und Bauprodukte achten.

Eine weitere Gefahrenquelle ist die Arbeit mit Epoxidharzen, die erst vor Kurzem durch die Presse ging. Epoxidharze gehören mittlerweile zu den Standardwerkstoffen etwa in Fußbodenbeschichtungen, in Fassadenschutz oder in Korrosionsschutz. Die hochreaktiven Chemikalien haben aber laut der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) im privaten Bereich gar nichts zu suchen. Im Baugewerbe sollten sie nur professionell mit strikt einzuhaltenden Arbeitsschutzmaßnahmen angewendet werden. Eine ausreichende Lüftung ist eine dieser Maßnahmen.


Suche nach dem Schadstoff im Heuhaufen ...

Wenn unangenehme Gerüche in Räumen zum Beispiel nach Umbaumaßnahmen länger anhalten oder wenn es bei den Beschäftigten sogar zu Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schleimhautreizungen kommt, muss der Arbeitgeber handeln. Der TÜV Rheinland empfiehlt Mitarbeiterbefragungen, um sich ein genaueres Bild davon zu verschaffen, wie häufig die Beschwerden bei den Beschäftigten auftreten, wie sie sich auswirken und wie sie verlaufen. „Befragungen zeigen den Mitarbeitern, dass ihre Beschwerden ernst genommen werden. Ergeben die Untersuchungen, dass keine Schadstoffbelastungen vorliegen, wird dies dann meist akzeptiert. Beschwerden wie Kopfschmerzen können beispielsweise auch durch eine falsche Beleuchtung verursacht werden. Eine schlecht eingestellte Klimaanlage kann durch Zugluft oder Luftströme mit kalter Luft zu Verspannungen und damit einhergehenden Schmerzen führen“, erläutert Dr. Walter Dormagen, Geschäftsfeldleiter Gefahrstoffe, Mikrobiologie und Hygiene bei TÜV Rheinland.


Übrigens: Wenn Mitarbeiter in Innenräumen, speziell in Büros, über Probleme klagen, die scheinbar von Umgebungseinflüssen herrühren, aber wenn auch mit Messungen keine Ursache gefunden werden kann, dann spricht man von einem Sick Building Syndrom (SBS). Wenn die Gesundheitsprobleme nachweislich durch  allergene, mikrobielle oder chemische Belastung hervorgerufen werden, dann spricht man von einer Building Related Illness (BRI).


Frischluftzufuhr – freie oder technische Lüftung

In der Regel ist die Außenluft besser als die Innenluft – regelmäßige Frischluftzufuhr ist also wichtig! So können Schadstoffe abziehen und das Raumklima besser werden.

Welche Art zu lüften am besten ist, ist in Büros oft eine Streitfrage. Zunächst einmal: Das ideale Klima und die ideale Büroluft gibt es nicht. Die TÜV-Experten empfehlen regelmäßiges Stoßlüften. Damit in Büros, die an verkehrsreichen Straßen liegen, nicht zu viele Schadstoffe hineinkommen, sollte hier zu Zeiten gelüftet werden, zu denen möglichst wenig Verkehr herrscht.

Technische Lüftung – beispielsweise durch Klimaanlagen oder durch die Absaugung von Schadstoffen – ist sinnvoll, wenn die Außenluft durch Abgase, Feinstaub oder Industriegerüche belastet ist oder wenn die freie Lüftung nicht ausreicht, um Grenzwerte einzuhalten. Mit Filtern können Gefahrstoffe aus der Luft entfernt werden. Aber Achtung: Hier ist die regelmäßige Wartung und Reinigung wichtig, sonst wird die Lüftung ganz schnell selbst zur Keimschleuder!

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