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Anlagensicherheits-Report 2017 aktueller denn je

So sicher sind technische Anlagen in Deutschland

Nach den Hacker-Angriffen vom Wochenende, die unter anderem die Produktion von Renault in Frankreich stoppten, Krankenhäuser in Großbritannien lahmlegten und an deutschen Bahnhöfen für Anzeigenchaos sorgten, könnte der Anlagensicherheits-Report 2017, den der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) gerade veröffentlicht hat, aktueller kaum sein: Die Digitalisierung ist die große Herausforderung, was die Sicherheit technischer Anlagen betrifft - so die Warnung der Sicherheits-Experten. Sie fordern, dass neue Strategien im Umgang mit den Gefahren durch Cyberattacken und Datenmissbrauch bei technischen Anlagen entwickelt werden.


Anlagensicherheits-Report zeigt Ist-Zustand

Der Anlagensicherheits-Report (ASR) 2017 umfasst eine Auswertung aller Prüfungen, die im Jahr 2016 an Aufzügen, Druckanlagen sowie explosionsgefährlichen Anlagen durch die Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS) vorgenommen wurden. Er soll die Sicherheit technischer Anlagen nach dem derzeitigen Stand der Technik widerspiegeln. Grundsätzlich sei es darum gut bestellt, so das TÜV-Fazit.

In Sachen technische Sicherheit gibt es in Deutschland eine klare Aufgabenteilung: Der Arbeitgeber/Betreiber einer Anlage trägt die Verantwortung für die Sicherheit und muss regelmäßig eine unabhängige ZÜS mit der technischen Prüfung beauftragen. Die dafür notwendigen Regeln werden vom Staat erlassen, der auch die Aufsicht über die Überwachungsstellen ausübt.


Digitalisierung ist die Herausforderung der Gegenwart

Die „Industrie 4.0“ und die digitale Vernetzung industrieller Prozesse verändern natürlich die Anforderungen an Sicherheits- und Prüfkonzepte. Computergesteuerte Maschinen und Anlagen gibt es in Deutschland schon lange. Neu sind aber die zunehmende und oft länderübergreifende Vernetzung, die globale Verfügbarkeit großer Datenmengen und die neuen Möglichkeiten des Fernzugriffs auf Anlagen und Maschinen.

„Fast jedes Unternehmen ist bereits von Cyberangriffen betroffen“, so Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes der TÜV e.V.. Neben großen wirtschaftlichen Schäden für die jeweiligen Betriebe können solche Angriffe – etwa auf kritische Infrastrukturen (KRITIS) – zu einer großen Gefahr für Bevölkerung und Umwelt werden. Zu den klassischen Sicherheitsthemen der technischen Überprüfung gesellen sich künftig auch Themen wie Datensicherheit und Cybersecurity. Hier sieht der VdTÜV den Gesetzgeber in der Pflicht, die benötigten Rahmenbedingungen zu schaffen.

Aktuell ist es die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die den Rahmen für die Prüfung von „überwachungsbedürftigen Anlagen“ wie Aufzügen, Druckanlagen oder explosionsgefährdeten Anlagen setzt.


120.000 Aufzüge im Sicherheits-Nirwana

Etwa 670.000 Aufzüge gibt es in Deutschland, aber nur rund 551.000 wurden im Jahr 2016 von den Betreibern zu einer Prüfung angemeldet. Zwar steigt die Zahl der geprüften Aufzüge stetig, über die Sicherheit von circa 120.000 Aufzügen in Deutschland ist aber nichts bekannt.

Über 80 % der in 2016 geprüften Aufzugs-Anlagen waren entweder mängelfrei (42,49 %) oder sie wiesen nur geringfügige Mängel auf. Bei 14,68 % der Aufzüge stellten die Prüfer allerdings erhebliche Sicherheitsmängel fest. Rund 3.500 Anlagen (0,63 %) hatten so gefährliche Mängel, dass sie stillgelegt werden mussten.


Druckanlagen meist sichere Sache

Druckbehälter und Dampfkesselanlagen wurden von den Prüfern im Jahr 2016 jeweils in rund einem Fünftel der Prüfungen bemängelt – in der Regel waren die Sicherheitslücken aber geringfügig. „Dadurch wurden bereits frühzeitig Defizite erkannt bevor sie sich zu gefährlichen Mängeln entwickeln konnten“, so Dr. Brüggemann. Insgesamt waren 80,13 % der 243.132 geprüften Druckanlagen mängelfrei, 15,5 % wiesen leichte und 4,27 % erhebliche Mängel auf. Von den 21.355 geprüften Dampfkesseln waren 77,25 % mängelfrei, 18,75 % hatten leichte und 8,36 % erhebliche Mängel.


Mängel an Ex-Anlagen

Anlagen, von denen Explosionsgefahr ausgeht oder die sich in explosionsgefährdeten Bereichen befinden (Ex-Anlagen), beispielsweise Lager- oder Abfüllanlagen für entzündliche Stoffe, müssen vor der Inbetriebnahme geprüft und danach regelmäßig von einer ZÜS überwacht werden. 76,38 % aller 6.377 geprüften Lageranlagen (z. B. für Treibstoffe) waren im Jahr 2016 mängelfrei, 14,85 % wiesen leichte und 8,77 % erhebliche Mängel auf. Ähnlich sieht das Ergebnis bei den 4.188 geprüften Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen aus: 57,78 % waren mängelfrei, 30,79 % hatten geringfügige Mängel und 11,15 % erhebliche Mängel.

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