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MRK als Chance für schwerbehinderte Beschäftigte

Industrieroboter für mehr Inklusion

Vernichtet die Digitalisierung der Arbeitswelt mehr Arbeitsplätze als sie schafft? Werden Industrieroboter bald unsere Jobs übernehmen? Wird künstliche Intelligenz bald schlauer sein als wir? Die Arbeitswelt 4.0 wirft viele Fragen auf. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO wollen gemeinsam mit der Industrie Lösungen entwickeln, damit die Sache mit den Robotern gut für die Beschäftigten ausgeht - oder die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sogar erhöht. Ein Parade-Beispiel ist ein Arbeitsplatz in der Düsenmontage der Integrations-Firma ISAK in Sachsenheim bei Stuttgart. Der dort eingesetzte Bosch-Roboter "APAS assistant" arbeitet den schwerbehinderten Beschäftigten zu. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten der Inklusion!

"Der Mensch-Robotik-Arbeitsplatz dient auf der einen Seite dazu, mehr Schwerbehinderte in der Düsenmontage einsetzen zu können. Auf der anderen Seite erhöht er unsere Flexibilität und trägt zur Anforderungsvielfalt der Arbeit bei", stellt Thomas Wenzler, Geschäftsführer der ISAK fest. Der entscheidende Vorteil bei dieser Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK): Auch Beschäftigte mit nur einem einsetzbaren Arm können die Düsenmontage jetzt ausführen. Beim ursprünglichen Arbeitsplatz, einer Handhebelpresse, war das nicht möglich.


Sensibler Industrieroboter mit vielen Talenten

APAS gleicht die unterschiedlichen Reichweiten der Mitarbeiter aus, indem er die Werkteile mit seinem Greifer zu sich zieht und nach der Bearbeitung wieder zurückschiebt. Der Roboter kann auch ohne Probleme unterschiedliche Tischhöhen ausgleichen, die die Beschäftigten wegen ihrer Einschränkungen benötigen.

Dank der speziellen Sensorhaut erkennt der Roboter, wenn er einem Menschen zu nahe kommt, und stoppt sofort. Natürlich entspricht der Roboter allen vorgeschriebenen Sicherheitsstandards für die MRK. Um behinderungsbedingte Risiken auszuschließen, wird mit jedem einzelnen Mitarbeiter eine zusätzliche Risikoanalyse durchgeführt, die weitere notwendige Sicherheitsmaßnahmen ergibt.


Übrigens: Der Arbeitsplatz bei ISAK wurde im Rahmen des Projekts AQUIAS entwickelt. In diesem Projekt geht es darum, wie die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Roboter so gestaltet werden kann, dass der Mensch in der Industrie 4.0 attraktive Aufgaben erhält und der Robotik-Einsatz sich gleichzeitig wirtschaftlich lohnt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage, wie die MRK speziell dazu genutzt werden kann, schwerbehinderte Menschen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Nur die Win-win-Situation für Arbeitgeber und Beschäftigte kann der richtige Weg sein, den digitalen Wandel zu gestalten.


Inklusion, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut bringen

Die Forscher müssen neben der Inklusion der Schwerbehinderten weitere Aspekte beachten: Der Arbeitsplatz muss technisch machbar sein, attraktive Aufgaben bieten und natürlich ist auch die Wirtschaftlichkeit für das Unternehmen elementar. Arbeitsplatzentwürfe mit CAD und Visualisierung mittels virtueller Realität ermöglichen eine schnelle und einfache Entwicklung der Arbeitsplätze. In diesen Prozess werden auch die Mitarbeiter einbezogen, die ihre Bedürfnisse schließlich am besten kennen.

"Ziel ist es, die Flexibilität des Roboters nicht nur für die Bearbeitung individueller Produkte zu nutzen, sondern auch für die Unterstützung individueller Mitarbeiter", erläutert Christian Henkel, AQUIAS-Projektleiter für das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Um intelligente Service-Funktionen des Roboters optimal auf den Unterstützungsbedarf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuzuschneiden, entwickelt das Fraunhofer IPA eine Digitalisierungs-Roadmap für die Mensch-Roboter-Kollaboration. Darin wird Schritt für Schritt aufgezeigt, wie Unternehmen die digitale Vernetzung von Robotik-Arbeitsplätzen mit der Produktionsumgebung ausbauen und für intelligente Unterstützungsfunktionen nutzen können. Langfristig soll dies dazu beitragen, Win-win-Lösungen für die Balance der Mensch- und Technikzentrierung in Mensch-Roboter-Arbeitssystemen zu entwickeln und die digitale Vernetzung von Robotik-Arbeitsplätzen mit den intelligenten Systemen der Industrie 4.0 voranzutreiben.


Übrigens: Dass der Einsatz von Robotern speziell für Menschen mit Behinderung ganz neue Chancen eröffnen kann, zeigte schon das Inklusionsbarometer 2016 von der Aktion Mensch. Assistenzsysteme und Automatisierung können Menschen mit Behinderung den Weg in den ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Der Roboter soll die Aufgaben übernehmen, die der Mitarbeiter nicht ausführen kann oder die ergonomisch ungesund sind.

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