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Arbeitsschutz unterwegs

„Sprinter“ – nicht „rasende Rumpelkammer“

Das Handwerk: In vielen Berufen gehört es dazu, dass die Arbeit beim Kunden erledigt werden muss - mit dem Firmenwagen. Die Abwesenheit von kontrollierenden Instanzen, hoher Termindruck und oft auch Nachlässigkeit sorgen immer wieder für Probleme, was Sauberkeit und Sicherheit des Wagens angeht. darauf sollten Sie achten:


Jung und zackig

Rund 41 Jahre – das ist das Durchschnittsalter im deutschen Handwerk. Man könnte also glauben, dass da am Steuer absolute Straßen-Routiniers sitzen, die hunderttausende Berufskilometer auf dem Buckel haben und genau wissen, wie sie ihren voll geladenen Kleintransporter zu fahren haben.

Viele Unfälle passieren mit Kleintransportern; fotolia.com © KaraLeider spricht die Statistik eine konträre Sprache: Von den rund 30.000 Unfällen, die jährlich mit Güterkraftfahrzeugen passieren, geht gut die Hälfte auf das Konto der Kleintransporter, wie sie im Handwerk gang und gäbe sind. Und diese Fahrzeuge sind nicht nur beteiligt, sondern häufig Unfallverursacher.

Hier kommt der Handwerker-Altersdurchschnitt ins Spiel: Die meisten Unfälle hatten mit unangepasster Geschwindigkeit zu tun. Diese Zahlen nehmen allerdings signifikant mit dem Alter der Fahrer ab. Auf gut Deutsch: Sitzt der 18-jährige Azubi oder der 20-jährige Jung-Geselle hinter dem Lenkrad, steigt das Risiko, dass dieser seinen Gasfuß nicht unter Kontrolle hat an.

Hier bieten sich für Unternehmen mehrere Lösungswege an, um dieses Risiko, das ja nicht nur ein finanzielles ist, zu verringern:

  • Die einfachste Option wäre es, die Maßgabe auszugeben, dass Angestellte erst ab einem bestimmten Alter das Steuer übernehmen dürfen. Als Altersgrenze böte sich die 25 an, hier setzen auch Autovermieter an. Allerdings funktioniert diese Variante nur in größeren Betrieben, die es sich personalmäßig leisten können, Mitarbeiter nicht allein zum Kunden zu schicken
  • Für kleinere Unternehmen oder solche mit generell junger Besetzung bietet sich daher die Tempo-Drosselung an. Alle Transporter haben heute sehr viel Elektronik verbaut. In diese lassen sich durch Fachbetriebe relativ einfach Geschwindigkeitsdrosseln implementieren. Der Motorleistung tut dies keinen Abbruch, bloß erreicht der Transporter nur noch eine niedrigere Maximalgeschwindigkeit.
  • Eine rabiate, aber wirksame Maßnahme wäre es zudem, bei vom Angestellten verursachten Unfällen oder Tempoverstößen Gehaltskürzungen vorzunehmen. Das ist zwar rechtlich etwas knifflig, aber in der Realität äußerst wirksam.

Die erste Maßnahme sollte indes jedoch lauten, im Unternehmen so zu planen, dass für die Außendienst-Handwerker kein solcher Termindruck entsteht, dass sie nur durch „Raserei“ ihr Soll erfüllen können.


Eine Mülltonne mit vier Rädern und Motor

Im Handwerk ist Optik zwar nicht zweitrangig, muss aber wegen der Arbeitsrealität oft zurückstehen. Klar, ein Anstreicher kann es nun mal kaum vermeiden, dass seine Arbeitskleidung voller Farbkleckse ist. Und wenn der Klempner alte Rohre aus der Wand freistemmen muss, wird er eben auch staubig.

Seltenheitswert: Ein Kleintransporter mit einem verhältnismäßig leeren Armaturenbrett; fotolia.com©Mpc92Diese Seite der Handwerks-Optik ist nicht das Problem, jedoch die Tatsache, dass viele Handwerker die Attitüde in ihr Firmenfahrzeug übertragen – und damit ist nicht gemeint, dass der Kleidungs-Schmutz sich im Innenraum verteilt. Allerdings fängt es jedoch genau dort an: Man schaue sich einen beliebigen Handwerker-Transporter an. Sehr häufig wird da das Armaturenbrett vor lauter Auftragszetteln, Fahrtenbüchern, Ersatzteilen und all dem anderen Kleinkram, der sich in einer Handwerkerwoche ansammelt, kaum noch zu erkennen sein. Illegal ist das zwar so lange nicht, wenn dadurch nicht die Sicht durch die Frontscheibe beeinträchtigt wird. Aber schon bei einer Kurvenfahrt kann der „Müll“ zum Problem werden, wenn er einfach dank Fliehkraft links und rechts hinunterfällt.

Wie schnell versucht man als Fahrer dann, reflexhaft danach zu greifen, und schon ist der Unfall passiert. Dabei ist Gegensteuern für Entscheider sehr einfach: Es muss nur die Anweisung erfolgen, dass es künftig nicht mehr gestattet ist, das Armaturenbrett als Ablage zu verwenden. Kombiniert man das noch mit regelmäßigen Aufräumaktionen, wird die „Vermüllung“ sich in scharfen Grenzen halten.

Allerdings ist das nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist der äußere Zustand des Fahrzeugs. Natürlich ist es klar, dass man einen Baustellen-Pritschenwagen nicht jeden zweiten Tag durch die Waschanlage fahren muss – geschenkt. Aber kritisch wird es dort, wo die Verkehrssicherheit durch Schmutz beeinträchtigt wird. Denn schon verschmutzte Front- und Rückleuchten sind ein Sicherheitsrisiko. Und auch ansonsten völlig gesetzeskonform angebrachte Warnmarkierungen nach der aktuellen Reflexionsklasse RA2 reflektieren irgendwann gar nichts mehr, wenn sie mit Matsch und Straßendreck regelrecht überbacken sind.

Doch auch hier ist die Lösung einfach: Wo es dreckig ist, muss geputzt werden. Eine Rolle Küchenpapier, eine Flasche Scheibenreiniger sind das Handwerkzeug; die Anweisung an das Team „Wenn Leuchten und Reflektoren verdreckt sind, bitte kurz drüber wischen“ ist die Losung.


Snacktime im Auto? Besser nicht! fotolia.com©parihandmadeSnacktime

Schon weiter oben war zu lesen, dass man durch gute Planung verhindern muss, dass die eigenen Angestellten dazu genötigt werden, zu rasen. Doch es geht auch noch weiter. Denn wo volle Auftragsbücher schon einen Bleifuß erfordern, ist es auch klar, dass darunter oft die Mittagspause leidet. Und wo wird gegessen, wenn das Wetter nicht mitspielt? Natürlich auch hinterm Steuer. Die deutschen Verkehrsgesetze leisten da Vorschub, denn obgleich sie das Handy-Telefonieren verbieten, unterliegen Essen und Trinken dort keinen Regularien. Dabei lenken lukullische Genüsse in der Realität ähnlich oder sogar noch mehr vom Fahren ab als ein Telefongespräch.

Leider wird nicht statistisch erfasst, welche Ablenkungen zu welchem Risiko führen – zumindest nicht offiziell. Allerdings holte dies der ADAC vor einigen Jahren nach und fand heraus, dass prinzipiell jede Ablenkung zu Unfällen führen kann, darunter auch das Öffnen und Trinken aus einer Wasserflasche.

Natürlich ist es praktisch unmöglich, die Einhaltung solcher Regeln in der Praxis zu überwachen – solange dem Mitarbeiter nicht der halbe Brötchenbelag auf die Fußmatte fällt, wird sich kaum nachweisen lassen, dass er am Steuer gegessen hat. Und aus diesem Grund muss hier die Lösung auf Vertrauensbasis basieren. Indem man den Kollegen einerseits klarmacht, welche Auswirkungen ihr Tun haben kann. Und andererseits, indem man einmal mehr genügend Freiräume lässt, sodass es zeitlich eben möglich ist, zwischen zwei Aufträgen anzuhalten und eine echte Snackpause einzulegen – das ist schließlich auch arbeitsrechtlich zwingend erforderlich.


Hinten, unter dem Werkzeugberg

Insbesondere in Firmen, in denen jedem Handwerker ein festes Fahrzeug zugewiesen ist, entwickelt sich überraschend oft (und schnell) eine ziemliche Eigendynamik: Wo der Kleintransporter eigentlich nach seiner Auslieferung von einem Fachbetrieb mit Einbauten nach aktuellen Sicherheitsstandards versehen wird, ist oft schon nach wenigen Tagen das Chaos ausgebrochen.

Ladungssicherung auch im Kleintransporter von Handwerkern! fotolia.com©Jeanette DietlUnd damit ist nicht einmal gemeint, dass die Regale nicht richtig befüllt oder geschlossen sind. Sondern viel eher ein ähnliches Schema, wie es auch schon beim Armaturenbrett angesprochen wurde. Nämlich der Fakt, dass in der Mitte, also dort, wo keine Regalfläche zur Verfügung steht, sich haufenweise „Gerümpel ansammelt“.

  • Zum einen ist das ein direktes wirtschaftliches Problem, denn ein solcher Wust erhöht auch bei gut sortierten Regalen schlicht die Zeit, die ein Handwerker benötigt, um an das Gewünschte heranzukommen.
  • Zudem reduziert es auch noch die Nutzlast-Ladefläche.
  • Und dass es länger dauert, wirklich jobrelevante Teile einzuladen, wenn vorher erst einmal herumgeräumt werden muss, ist auch klar.
  • Und dann kommt natürlich noch hinzu, dass die ladungssichernden Regale keinen Schuss Pulver wert sind, wenn auf dem Boden schwere Kabeltrommeln oder Ersatzteile unkontrolliert hin und her rutschen – ungesicherte Ladung ist auch bei Transportern ein großes Problem bei den Unfallzahlen.

In den Griff bekommen lässt sich dies nur durch Strenge. Hier müssen regelmäßige Kontrollen durch Entscheider des Unternehmens stattfinden: Im Beisein des zugewiesenen Angestellten einen Blick hineinwerfen und bei klar sichtbarem Chaos sofortiges Beseitigen anordnen ist das Recht jedes Firmenbesitzers. Und bei Fahrzeugen, die von mehreren Monteuren benutzt werden, müssen diese Kontrollen zur Wahrung der Fairness und Nachvollziehbarkeit allabendlich erfolgen – sonst fühlt sich für die Hinterlassenschaften keiner zuständig.

Außerdem sollten die Angestellten auch darauf hingewiesen werden, dass Ladungssicherung nicht nur etwas für 40-Tonner-Lkw ist, sondern auch für kleine Transporter – dort wirken in Kurven und beim Bremsen ja die gleichen Kräfte auf eine ungesicherte Ladung. Dazu ist es aber auch nötig, die dazu notwendigen Utensilien wie Spanngurte bereitzustellen und auch ihre Benutzung einzufordern. 


Verhaltensregeln im Firmenfahrzeug - und privat; fotolia.com©TrombaxFüße hoch, Feierabend

Ein letzter Punkt gilt dem Verhalten der Insassen eines solchen Firmentransporters. Wie auch jeder private Pkw-Fahrer, werden auch sie sich nicht unbedingt haargenau so verhalten, wie es Verkehrsexperten raten und es in der Fahrschule gelehrt wird, also:

  • Beide Hände am Steuer
  • Lenkrad und Sitz in optimalem Abstand und Winkel zueinander
  • Alle Spiegel immer auf den jeweiligen Fahrer eingestellt

Doch darum geht es nicht. Es geht darum, dass andere Grundregeln missachtet werden. Etwa, sich nicht anzuschnallen – im "Un-Fall" nicht nur äußerst gefährlich, sondern auch schlicht und ergreifend eine Ordnungswidrigkeit, die mit 30 Euro geahndet wird. Und auch, wenn es nicht zwingend notwendig ist, lehrbuchmäßig aufrecht zu sitzen, so sind Dinge wie die Füße auf dem Armaturenbrett bei Unfällen lebensgefährlich. Denn der Airbag kümmert sich nicht darum, ob der Beifahrer gerade die Füße auf seinen Deckel gestellt hat – er geht trotzdem mit voller Kraft auf und sorgt dann erst für Verletzungen, statt sie zu verhindern.

Auch hier handelt es sich um in der Praxis unkontrollierbare Faktoren, die ebenfalls nur durch Appelle an die Vernunft der Angestellten gelöst werden können.


Fazit

Firmenfahrzeuge, die Außendienstler zwingend für ihren Beruf benötigen, sind leider auch eine Möglichkeit, diese Mitarbeiter jeglicher Kontrolle durch Vorgesetzte zu entziehen. Und genau hier lauern, in Kombination mit zu eng getakteten Aufträgen, mannigfaltige Möglichkeiten für Unfälle und hohe Kosten für das Unternehmen. Die Lösung ist indes ein Dreiklang: Ordnung muss kontrolliert werden, Arbeitstakte müssen entzerrt werden. Das funktioniert nur darüber, dass den Mitarbeitern die gesundheitlichen Konsequenzen nahegelegt werden. Und das geht ausschließlich über die Vernunft-Schiene.

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