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2016 weltweit mehr Gewalt gegen Beschäftigte

IGB veröffentlicht Globalen Rechtsindex 2017

Um satte 10 % ist die Zahl der Länder, in denen Arbeitnehmer körperlicher Gewalt und Drohungen ausgesetzt sind, gestiegen – in nur einem Jahr! Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat den Globalen Rechtsindex 2017 vorgestellt. Darin bewertet er die Lage von Beschäftigten in 139 Ländern, soweit die Daten es ermöglichen. Beurteilungsmaßstab sind 97 Indikatoren für Arbeitnehmerrechte.

Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Bericht:

  • Die Zahl der Länder, in denen die Beschäftigten körperlicher Gewalt und Drohungen ausgesetzt sind, stieg um 10 % (von 52 auf 59). Betroffenen sind u.a. Kolumbien, Ägypten, Guatemala, Indonesien und die Ukraine.
  • In 60 % der Länder sind zahlreiche Gruppen von Beschäftigten vom Arbeitsrecht ausgeschlossen.
  • In 84 Ländern sind Beschäftigte vom Arbeitsrecht ausgeschlossen.
  • In mehr als 75 % der Länder wird einigen oder allen Beschäftigten das Streikrecht verweigert.
  • In mehr als 75 % der Länder werden einigen oder allen Beschäftigten Tarifverhandlungen verweigert.
  • 50 der 139 untersuchten Länder verweigern oder beschränken die Rede- und Versammlungsfreiheit.
  • In mindestens 11 Ländern wurden Gewerkschafter ermordet, zum Beispiel in Italien, Bangladesch, Brasilien, Kolumbien, Guatemala, Honduras ...
  • Keine regelmäßigen Rechtsverletzungen gab es in 12 Ländern, darunter Deutschland und Uruguay.
  • Wiederholte Rechtsverletzungen in 21 Ländern, darunter Japan und Südafrika.
  • Regelmäßige Rechtsverletzungen in 26 Ländern, darunter Chile und Polen.
  • Systematische Rechtsverletzungen in 34 Ländern, darunter Paraguay und Sambia.
  • Rechte wurden nicht garantiert in 35 Ländern, darunter Ägypten und die Philippinen.
  • Wegen des Zusammenbruchs der Rechtsstaatlichkeit wurden Rechte in 11 Ländern nicht garantiert, darunter Burundi, Palästina und Syrien.


„Wenn den Beschäftigten der arbeitsrechtliche Schutz verweigert wird, dann führt dies zu einer unsichtbaren Arbeitnehmerschaft, für die sich weder der Staat noch die Unternehmen verantwortlich fühlen, wovon besonders Wanderarbeitskräfte, Hausangestellte und befristet Beschäftigte betroffen sind. In zu vielen Ländern werden grundlegende demokratische Rechte durch wirtschaftliche Interessen untergraben“, bezog IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow Stellung zu den aktuellen Zahlen. Die Verweigerung grundlegender Rechte in Verbindung mit der zunehmenden Beschränkung der Redefreiheit schürt laut Burrow den Populismus und gefährdet die Demokratie.


Hier steht es besonders schlecht um Arbeitnehmerrechte und Arbeitsschutz

Der Index stellt auch eine traurige Rangliste der 10 schlimmsten Länder der Welt für erwerbstätige Menschen auf. Diese sind Bangladesch, Kolumbien, Ägypten, Guatemala, Kasachstan, die Philippinen, Katar, Südkorea, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Philippinen, Südkorea und Kasachstan tauchen 2017 in dieser Auflistung zum ersten Mal auf.

Nahost/Nordafrika entpuppte sich im Globalen Rechtsindex 2017 als schlimmste Region für Erwerbstätige. In den Golfstaaten versklave das Kafala-System nach wie vor Millionen Arbeitskräfte. In Saudi-Arabien würden grundlegende Arbeitnehmerrechte noch immer vollkommen verweigert werden. In Ländern wie Irak, Libyen, Syrien und Jemen hätten Konflikte und der Zusammenbruch der Rechtsstaatlichkeit dazu geführt, dass die Arbeitnehmerrechte nicht garantiert seien. Im Jemen etwa seien 650.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst mehr als acht Monate lang nicht bezahlt worden, in der Privatwirtschaft seien rund vier Millionen Arbeitsplätze abgebaut worden. Auch in Palästina würden Beschäftigten ihre Rechte verweigert und sie hätten keine Möglichkeit, menschenwürdige Arbeit zu finden.

In Afrika seien es Benin, Nigeria und Simbabwe, die am schlechtesten abschnitten: Dort habe es viele Fälle gegeben, in denen Beschäftigte wegen ihrer Teilnahme an Streiks suspendiert oder entlassen worden seien. Das Bild habe sich in Afrika aber nicht nur in diesen Ländern, sondern generell verschlechtert.

Eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sieht der IGB auch in Argentinien, Brasilien, Ecuador und Myanmar. Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien seien Arbeitskräfte ausgebeutet worden. Eine Arbeitsgesetzänderung der neuen brasilianischen Regierung habe ein weiteres dazu beigetragen. In der Bekleidungsindustrie in Myanmar herrschten nach wie vor lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen vor.

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