Nachricht

10 Schritte zur erfolgreichen Evakuierungsübung

Üben Sie den Notfall!

Der Arbeitgeber hat nach §10 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) dafür zu sorgen, dass im Notfall eine Evakuierung stattfinden kann. Doch wie sollte so ein Test für den Notfall ablaufen? Wer sollte dabei sein? Wer trägt die Verantwortung? Und vor allem: Was sind die Ziele? Der International Security Academy e.V. (ISA e.V.) erklärt in 10 Schritten, wie die Planung und Durchführung einer Evakuierungsübung aussehen sollte. Dabei orientiert sich der ISA e.V. an der VDI-Richtlinie 4062 "Evakuierung", die Betrieben und Einrichtungen Hilfestellungen bei der Umsetzung der Unternehmenspflichten bieten soll.

Grundsätzlich empfiehlt der Verein, Mitarbeiter zu Fachkoordinatoren Evakuierung (FKE) ausbilden zu lassen. Diese bekleideten Stabspositionen und seien vergleichbar mit Brandschutzbeauftragten und Fachkräften für Arbeitssicherheit (Sifa).


Evakuierungsübung mit Sinn und Verstand – so geht's!

Zunächst brauchen Unternehmen ein Gesamtsicherheitskonzept, in dem Gefahren, Präventions- und Abwehrmaßnahmen berücksichtigt werden. Erst wenn ein solches Gesamtsicherheitskonzept vorhanden ist und eine gewisse Struktur vorliegt, macht eine Evakuierungsübung Sinn. Die Übung ist das letzte Glied in der Sicherheitskette.

Folgende 10 Schritte empfiehlt der ISA e.V. für eine erfolgreiche Evakuierungsübung:

  1. Klären Sie die Ausgangssituation: Unterschiedliche Evakuierungsgründe erfordern unterschiedliche Evakuierungs-Strategien. Klären Sie, ob bei Ihrer Übung ein Bombenfund, Hochwasser, Brand, ein Amoklauf, eine Epidemie oder ein anderer Notfall die Evakuierung erfordert. Der ISA e.V. empfiehlt für den ersten Test einen Brandfall zu unterstellen, der nur ein Gebäude betrifft.
  2. Bestimmen Sie die betriebliche Evakuierungsleitung: Eine erfolgreiche Evakuierung setzt eine gute Vorbereitung voraus – diese sollte Aufgabe des FKE sein. Er sollte Brandschutzfachwissen mit seinen genauen Kenntnissen über betriebliche Strukturen und Abläufe kombinieren. Der FKE ist außerdem für den Helferkreis zuständig; im Ernstfall unterstützt er die Feuerwehreinsatzleitung.
  3. Helferkreis – wer das ist und was er macht: Für den Ernstfall – und damit natürlich auch für die Übung – braucht es einen Helferkreis. Dieser besteht aus Mitarbeitern, die freiwillig die Aufgabe übernehmen, ihre Kollegen bei der Selbstrettung zu unterstützen. Auch Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter zur Sammelstelle bringen und die Vollständigkeitskontrolle durchführen, zählen zum Helferkreis. Wie groß der Helferkreis sein sollte, hängt von der Bauweise und der Nutzung des Gebäudes ab. Auf jeden Fall müssen alle Beteiligten auf ihre Aufgaben vorbereitet und dafür geschult werden. Denken Sie auch daran, die Behörden zu informieren!
  4. Laden Sie externe Beobachter ein: Fremde Augen sehen Dinge, die Sie gar nicht mehr wahrnehmen, weil Sie voll in die Evakuierungsübung involviert sind. Laden Sie sich deswegen externe Beobachter ein, die eine neue Sichtweise und Fachkompetenz einbringen. So können Sie neue Erkenntnisse gewinnen und noch bessere Lösungen finden. Solche externen Beobachter können von der Feuerwehr und von der Polizei sein. Letztere sollten Sie insbesondere bei Objekten einbinden, bei denen im Brandfall auch der öffentliche Verkehr betroffen wäre. Auch Fachleute aus Nachbarbetrieben und externe Berater können gute Beobachter und Berater sein.
  5. Setzen Sie konkrete Ziele: Die Vollständigkeit und die Zeit sind bei Evakuierungen entscheidend. Ziele können also zum Beispiel die Messung der Evakuierungszeit oder der Test der Alarmakzeptanz sein: Wurden alle erreicht und haben alle auf den Alarm reagiert?
  6. Geben Sie ein Brandszenario vor: Eine Brandfallübung sollte natürlich einen möglichst realistischen Bezug haben. Berücksichtigen Sie die vorhandenen Brandlasten und -Quellen und die Brandausbreitung von einem Punkt ausgehend. Laden Sie die örtliche Feuerwehr zur Übung ein! Sie wird Anfahrtswege, Umfahrten, Aufstellungsflächen oder die Löschwasserversorgung überprüfen und das Anleitern am Gebäude üben. Von einer Vernebelung rät der ISA e.V. wegen einer erhöhten Unfallgefahr ab.
  7. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt: Führen Sie Ihre Evakuierungsübung nicht bei Eis und Schnee oder während eines Gewitters durch. Da die Geschäftsführung auf jeden Fall bei der Übung dabei sein sollte und natürlich Vorbildfunktion hat, sollten Sie mit dieser den Termin festlegen. Die Geschäftsführung kann auch entscheiden, wann die Übung am besten in den Betriebsablauf passt.
  8. Das gehört in die letzte Vorbesprechung: Meist kommen FKE, Helfer und Beobachter das erste Mal alle zusammen, wenn es an eine letzte Vorbesprechung geht. Besprechen Sie hier nochmals die Positionen und Aufgaben der einzelnen Personen.
  9. So betreut der FKE das Geschehen während der Übung: Der FKE sollte während der Übung insbesondere auf die richtige Positionierung der Helfer und Beobachter, das Auslösen des Alarms und die Rückmeldung der Sammelstellenleiter achten. Er sollte die Hauptfluchtwege zu den Sammelstellen und den Abschluss der Evakuierungsübung genauestens beobachten.
  10. Manöverkritik: Die Evakuierungsübung hat einigen Aufwand verursacht – richtig gut wird sie aber nur, wenn die Beteiligten sie danach kritisch analysieren. Stellen Sie fest, ob Sie die Ziele (siehe Punkt 5) erreicht haben und ob alles wie geplant gelaufen ist. Befragen Sie Helfer und Beobachter, werten Sie Protokolle aus und vergleichen Sie die gemessenen Zeiten. Als Ergebnis bekommen Sie die Ziele für Ihre nächste Evakuierungsübung heraus, die spätestens nach einem Jahr stattfinden sollte.
Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser.    weitere Infos OK