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Asbest ist auch in der Lunge unvergänglich

Forscher des RUB weisen Fasern nach 40 Jahren nach

Einmal in die Lunge gelangt, bleiben Asbestfasern ein Leben lang nachweisbar – und gefährlich. Das hat das Forscherteam um Inke Feder und Prof. Dr. Andrea Tannapfel von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gemeinsam mit Kollegen vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung herausgefunden. Das Besondere an den Daten: Es handelt sich um Messergebnisse der Asbestkonzentration in der Lunge ein und derselben Menschen, die im Abstand von 4 bis 21 Jahren gewonnen wurden. Die Auswertung hat gezeigt, dass Asbest in der Lunge bleibt, wenn er einmal dort hineingelangt ist. Die Forscher konnten das für einen Zeitraum von knapp 40 Jahren nachweisen.


Auch Weißasbest ist biobeständig

Asbest, was vom altgriechischen Wort „Asbestos“ kommt, das für „unvergänglich“ steht, macht seinem Namen damit leider alle Ehre. Die über 30 Jahre durchgeführten Lungenstaubanalysen und nun erstmals im Längsschnitt ausgewerteten Daten bestätigen diese Biobeständigkeit auch für die menschliche Lunge.

 „Die Asbestkonzentration in der Lunge blieb über diesen langen Zeitraum von fast 40 Jahren stabil und somit nachweisbar“, erklärt Inke Feder. Dieses Ergebnis gilt für den als gesundheitsgefährlicher geltenden Blauasbest als auch für den Weißasbest. Für Letzteren – der in der Industrie am meisten verwendet wurde – war in der Fachwelt bislang umstritten, ob die Fasern in der Lunge überdauern oder nicht. Nun gibt es den Beweis.

Übrigens: Asbest darf in Deutschland seit 1993 nicht mehr verwendet werden. Da asbestbedingte Erkrankungen aber eine lange Latenzzeit von 10 bis 60 Jahren haben, treten viele Fälle erst heute auf. Außerdem sind noch Unmengen von Asbest in älteren Gebäuden zu finden, sodass Beschäftigte nach wie vor damit zu tun haben.


Asbest in der Lunge

Normalerweise werden Fremdpartikel von den Flimmerhärchen in der Lunge abgefangen, zurück in die Atemwege transportiert und vom Menschen ausgehustet. Anders ist das bei Asbest: Die Fasern dringen tief in die Lungenbläschen vor und können geflechtartig-netzähnliche Vernarbungen mit den darin eingelagerten Stäuben bilden, die sogenannte Asbestose. Die Fresszellen des Immunsystems können dies Fasern nicht abbauen, sondern sterben ab und bilden die typischen Asbestkörper. Dabei werden Inhaltsstoffe frei, die eine chronische Entzündung verursachen, woraus Krebs entstehen kann. In dieser Hüllstruktur reichern sich weitere Elemente an, die ebenfalls für die krebserzeugende Wirkung der Asbestkörper verantwortlich sein können.

Ein typischer asbestbedingter Tumor ist das Mesotheliom, das unter anderem das Rippenfell betrifft. Aber auch Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs und Eierstockkrebs können durch Asbest verursacht sein.

Da sich die Behandlungsmöglichkeiten stark unterscheiden, ist es wichtig, asbestbedingte Erkrankungen von anderen zu trennen. Eine nicht durch Asbest verursachte Lungenfibrose zum Beispiel ist mit Medikamenten behandelbar, die für Asbestosen nicht zugelassen sind. Für Asbestose-Patienten kommt auch eine Lungentransplantation bei fortgeschrittener Fibrose in der Regel nicht in Betracht. „Im Röntgenbild sind nicht asbestbedingte Lungenfibrosen von einer Asbestose kaum zu unterscheiden“, erklärt Prof. Dr. Rolf Merget, Arbeitsmediziner am IPA. „Daher ist es von zentraler Bedeutung, dass Asbestfasern im Lungengewebe nach so langer Zeit noch nachweisbar sind.“

Die Nachweisbarkeit von Asbestfasern in der Lunge ist außerdem entscheidend dafür, wie man das Risiko durch Asbest am Arbeitsplatz bewertet. Daraus folgt die Entscheidung, ob eine Lungenerkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden kann, sodass die Betroffenen Anspruch auf eine Entschädigung haben.