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Zeitarbeiter haben wesentlich höhere Fehlzeiten

MSE und psychische Erkrankungen sind Hauptfaktoren

Fast eine Million Menschen in Deutschland sind derzeit laut einer aktuellen Antwort der Bundesregierung in Leiharbeit beschäftigt – das sind 4,4 % mehr als 2015. Während manche Zeitarbeit als tolle Lösung für flexible Arbeit sehen, erklärt die Techniker Krankenkasse (TK), welche negativen Auswirkungen sie auf die Beschäftigten hat: Zeitarbeiter haben höhere Fehlzeiten als regulär Beschäftigte: Sie waren im Jahr 2016 im Durchschnitt 20,3 Tage krank – und das sind satte 5,6 Tage mehr als die Beschäftigten der übrigen Branchen mit 14,7 Tagen.

Kein Wunder, denn die unsicheren Arbeitsverhältnisse stellen eine psychische Belastung dar, die auf die Gesundheit schlagen kann. Und so waren es auch in erster Linie die psychischen Erkrankungen (3,4 in der Zeitarbeit zu 2,4 Tagen bundesweit) und die Muskel-Skelett-Erkrankungen - MSE (4,5 zu 2,8 Tagen), die Zeitarbeiter überdurchschnittlich oft außer Gefecht setzten.

 

Zeitarbeit ist mehrfach belastend

Ein bisschen relativiert die TK aber: Es sei nicht nur die Beschäftigungsform, die die Beschäftigten in Zeitarbeit krank mache, sondern gerade die in der Zeitarbeit vermittelten Tätigkeiten beinhalteten zu einem großen Teil körperlich schwere Arbeiten. Viele Zeitarbeiter seien im Lager- und Transportbereich, als Installateure oder Hilfsarbeiter tätig. Beschäftigte in diesen Bereichen hätten meist überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten. Besonders die hohe Diskrepanz zu den Beschäftigten anderer Branchen im Bereich der MSE sei damit zu erklären.

 "Wir wissen aber aus früheren Befragungen, dass etwa ein Drittel der beobachteten Fehlzeitendifferenzen der Zuordnung zur Zeitarbeitsbranche zuzuschreiben sind", erklärt Albrecht Wehner von der TK. "Die Beschäftigten empfinden vor allem eine Arbeitsplatzunsicherheit und ihre begrenzten beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen als Belastung. Sie leiden unter der teilweise großen Diskrepanz zwischen ihrer fachlichen Qualifikation und dem Aufgabenfeld, in dem sie eingesetzt sind. Viele empfinden ihre Einkommenssituation als belastend. Auch deshalb liegen die psychisch bedingten Fehlzeiten bei Zeitarbeitern höher."

 Während die einen Zeitarbeit als Chance auf einen Arbeitsplatz sehen, der möglicherweise sonst nicht geschaffen worden wäre, stellen die anderen die erhöhte Belastung durch diese spezielle Form der Arbeit in den Mittelpunkt: Der ständige Wechsel der Einsatzorte und -bereiche, eine relativ hohe Arbeitsunsicherheit und die schlechten Jobperspektiven seien besonders belastend.

 

BGM auch für Zeitarbeiter

"Aufgrund der meist kurzen Beschäftigungsdauer von ein paar Monaten greift die betriebliche Gesundheitsförderung bei den Zeitarbeitern kaum", so der TK-Experte. "Deshalb sind hier auch die Zeitarbeitsfirmen selbst gefordert, Angebote zu machen, die sich den Belastungen widmen, die sich aus der Zeitarbeit ergeben." Ein klarer Appell, dass auch Zeitarbeiter in den Genuss von Angeboten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) kommen sollten.