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GBpsych wird viel zu selten umgesetzt!

Arbeitgeber erfüllen gesetzliche Pflicht nicht

Wir schreiben das Jahr 2017. 41 % der Unternehmen in Deutschland setzen die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (GBpsych) immer noch nicht um! Dabei ist diese Maßnahme kein freiwilliges Angebot des Arbeitgebers, sondern ab dem ersten Beschäftigten gesetzliche Pflicht – seit 2013 steht das explizit so im Arbeitsschutzgesetz. Dass fast die Hälfte der Unternehmen das immer noch ignoriert, hat die Unternehmensberatung Scopar herausgefunden. Auch wenn nur knapp 100 Führungskräfte, Mitarbeiter, Wissenschaftler und Experten an der Umfrage teilgenommen haben, lässt sie doch die Vermutung zu, dass sich bei der GBpsych nach wie vor nicht viel tut.

Wenn Unternehmen die psychischen Belastungen an Arbeitsplätzen erfassen, dann geschieht dies am häufigsten durch

  • Tätigkeitsanalysen/-beschreibungen (22 %)
  • Arbeitsplatzanalysen durch Begehungen, die eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) oder ein Betriebsarzt durchführt (19 %)
  • durch anonyme Mitarbeiterbefragungen (17 %) und durch
  • Fehlzeitenstrukturanalysen (14 %).

Die Hauptgründe für psychische Belastungen liegen laut der Umfrage

  • in den Arbeitsaufgaben und -inhalten: Umfang, Spielraum, Monotonie … (57 %)
  • in der Arbeitsorganisation: Arbeitszeit, Arbeitsablauf, Kooperation, Kommunikation (43 %)
  • in sozialen Faktoren durch Kollegen und Vorgesetzte (36 %)
  • in der Arbeitsumgebung: Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsmitteln, physikalischen und chemischen Faktoren … (13 %)

Nicht selten setzen Betriebe Maßnahmen um, allerdings ohne Struktur und damit meist ohne nachhaltigen Erfolg: Unternehmen, die bereits Maßnahmen ergriffen hätten, führten nur zu maximal 20% eine Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen im gesetzlich geforderten Umfang durch, wobei eine aktive Beteiligung der Beschäftigten gefordert werde. Nur Kennzahlen auszuwerten, reiche nicht aus. Kennzahlen seien aber als Vorbereitung einer Analyse sehr wichtig.

Warum die GBpsych immer noch stiefmütterlich behandelt wird, ist allerdings die Frage, schließlich halten 26 % der Befragten den Aufwand, den die Durchführung einer solchen Gefährdungsbeurteilung verursacht, für gering und 49 % für mittel. 14 % können nicht einschätzen, was auf sie zukommen würde und nur 11 % denken, dass der Aufwand hoch oder sehr hoch ist.


Psychische Gesundheit ist Chefsache?

Wenn in den Betrieben der Beftragten Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung durchgeführt werden, dann ist dafür in 42 % der Fälle die Geschäftsleitung verantwortlich. Gesundheitsschutz ist Chefsache?! Was erst mal gut klingen mag, sieht Scopar kritisch: Es sei "sehr fraglich", ob hier der Ursprungsgedanke "psychische Gesundheit des Mitarbeiters" noch im Fokus stehen könne oder ob lediglich ein Haken hinter eine gesetzliche Anforderung gemacht werden solle; psychische Belastungen gingen direkt mit der gelebten Unternehmens- und Führungskultur einher. Halbherziges Abhaken von Pflichtpunkten kann nicht zum Erfolg führen.

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