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PSA gegen Absturz auf der A+A 2017

Fachbeitrag als Messevorbereitung

Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) ist in vielen Branchen lebenswichtig: bei Feuerwehren, für Beschäftigte in Solar- und Windparks oder in der Bauwirtschaft. Denn: Arbeiten in der Höhe sind äußerst gefährlich. 20.000 Sturz- und Absturzunfälle meldete die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) für das Jahr 2016, was einen Anteil von 19,4 % aller Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft ausmacht. Zwar sind hier auch Rutschunfälle und Stürze von Leitern dabei, aber eben auch Abstürze aus größeren Höhen. Dass Arbeitgeber entsprechende Schutzausrüstungen stellen und Mitarbeiter ausbilden müssen, steht in Verordnungen, Technischen Regeln und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften geschrieben. Die neue PSA-Verordnung (Verordnung (EU) 2016/425 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über persönliche Schutzausrüstungen und zur Aufhebung der Richtlinie 89/686/EWG) bringt hier einige Änderungen.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist ein boomender Markt: Allein Hersteller in Deutschland setzen damit jedes Jahr etwa 1,8 Milliarden Euro um. 25 % davon werden für lebensrettende PSA, also PSA der Kategorie III (bspw. Atemschutzgeräte, bestimmte Arten von Hitze-, Kälte- und Chemikalienschutz oder PSAgA) ausgegeben. Natürlich ist PSA – und spezielle PSAgA – auch auf der A+A 2017, der Weltleitmesse für Persönlichen Schutz, Betriebliche Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, wieder überall präsent. Die Arbeitsschutz-Ausstellung vom 17. bis 20. Oktober in Düsseldorf will zeigen, was es international Neues und Bewährtes gibt.


Schon Abstürze aus geringen Höhen können schlimme Folgen haben

Auch Abstürze aus geringen Höhen können zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen. Gerne unterschätzt werden Stürze in die Tiefe, zum Beispiel in Brunnenschächte. „Nehmen Sie eine Brauerei. Dort müssen regelmäßig die Fässer gereinigt werden. Leider passiert es immer wieder, dass ein Mitarbeiter dabei ohnmächtig wird. Das kann an mangelndem Sauerstoff liegen, aber auch an giftigen Gasen, die nach unten im Fass absinken. Deshalb würde ein Retter, der hinterhersteigt, ebenfalls ohnmächtig werden“, erklärt Klaus Bornack, Präsident der A+A und Mitglied des Vorstandes des Herstellerverbandes IVPS. Also ist auch hier eine Rettungsausrüstung mit Absturzsicherung, in der die Person aufrecht hängt, wenn sie das Bewusstsein verliert, unverzichtbar.


Sibe als Ansprechpartner

Unternehmen beziehungsweise Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass die Mindeststandards für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit eingehalten werden. Die A+A empfiehlt in einem Fachartikel, dass Sicherheitsbeauftragte (Sibe) sich im Auftrag des Unternehmens als Multiplikatoren in Sachen PSAgA schulen lassen sollten. Mit dem erforderlichen Know-how könnten sie als Ansprechpartner für Fragen dienen und das notwendige Wissen zu Absturzsicherungen selbst weiter vermitteln. Der speziell ausgebildete Sibe könne zeigen, wie man den Gurt richtig anlegt, erklären, was es mit der Sturzlast auf sich hat, und die PSA regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit hin überprüfen. Einige A+A-Aussteller bieten solche Schulungen für PSAgA an.

Doch was hilft die Theorie, wenn die Praxis fehlt? Neben den Schulungen müssen praktische Trainings den richtigen Umgang mit Absturzsicherungen vertiefen. Laut PSA-Verordnung ist die "praktische Unterweisung" bei PSA der Kategorie III vorgeschrieben. Dieses Training sollte aber nicht nur Pflichterfüllung sein, denn eins ist klar: Nur wer eine gute Ausrüstung richtig anwendet, erhält den besten Schutz. Besonders Rettungsszenarien sollten geprobt werden, schließlich handelt es sich hier um Ausnahmesituationen, in denen alle wissen sollten, was zu tun ist – sonst sind die physischen und psychischen Grenzen ganz schnell erreicht. Damit auch die Besucher der A+A eine Vorstellung davon bekommen, wie eine solche Rettung aussehen kann, gibt es auch 2017 wieder die Sonderschau „Sicheres Retten aus Höhen und Tiefen“. In Halle 6 zeigen die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) am Tauchbecken und an einer überbauten Klettereinrichtung, wie sie eine solche Extremsituation handeln.


Das sind Absturzsicherungen

Viele Techniken aus der Absturzsicherung wurden aus dem Alpinsport entliehen, wie Oliver Hirschfelder von Edelrid im A+A-Fachbeitrag erklärt. Absturzsicherungen bestehen in der Regel aus der individuellen PSA mit Gurten und Seilen und aus einem kollektiven Schutz wie Gerüsten oder Schutznetzen. Kollektiver Schutz ist individuellem Schutz zwar vorzuziehen, doch weil kollektiver Schutz oft nicht aufgebaut werden kann, sind maßgeschneiderter Anseilschutz und professioneller Umgang damit wichtig. 

Geregelt sind die Maßnahmen zum Schutz gegen Absturz in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), genauer gesagt in der Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 2121 "Gefährdungen von Personen durch Absturz".


Seilzugangstechnik für Arbeiten in der Höhe

Wenn man Gerüste und Krane für die Höhenarbeit aus Platzgründen nicht aufstellen kann, wird oft Seilzugangstechnik eingesetzt, zum Beispiel für Arbeiten an Kirchtürmen, Hochhäusern, Windenergieanlagen, aber auch für Tätigkeiten an tiefer gelegenen Arbeitsplätzen wie etwa Brunnenschächten. Die Seilzugangstechnik ist eine spezielle Art der Absturzsicherung: Sie ermöglicht das Arbeiten im Seil hängend.

Dass die Geschichte der Seilzugangstechnik noch gar nicht so alt ist, erläutert der Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT) in einem interessanten Abriss über die Geschichte der Seilzugangstechnik in der Arbeitswelt. In Deutschland sei sie erst 1995 ins Bewusstsein der Menschen gelangt, als das Künstlerpaar Christo den Reichstag verhüllte. „Eigentlich war das Arbeiten am Seil in Deutschland damals nicht erlaubt, aber nach langen Verhandlungen hat die Bau-Berufsgenossenschaft für das Kunst-Projekt eine Sondergenehmigung erteilt.“ Nach der Betriebssicherheitsverordnung ist es erlaubt, "Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen", also Seilzugangstechnik, anzuwenden, "wenn die Verwendung anderer, sichererer Arbeitsmittel nicht verhältnismäßig ist, und wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass die betreffende Arbeit sicher durchgeführt werden kann."


Regelmäßige PSA-Prüfung ist Pflicht

PSA-Produkte müssen regelmäßig – laut DGUV-Regel 112-198 "Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz" mindestens alle 12 Monate – auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden. Vor jeder Benutzung muss außerdem eine Sichtprüfung durch den Benutzer stattfinden: Der Beschäftigte, der die PSAgA benutzt, muss also vor jedem Einsatz checken, dass alles okay ist.

Die Wartung der PSA darf nur durch Sachkundige, die gemäß dem DGUV-Grundsatz 312-906 "Auswahl, Ausbildung und Befähigungsnachweis von Sachkundigen für persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz" ausgebildet wurden, durchgeführt werden.

PSA-Produkte verschleißen aber nicht nur durch die Benutzung, sondern auch durch Umwelteinflüsse (Chemikalien, Funken, UV-Strahlung …) und nicht sachgemäße Lagerung. Kunststoffe sollten beispielsweise in trockenen Räumen bei normaler Temperatur aufbewahrt und vor UV-Strahlung geschützt werden. Wie der A+A-Fachbeitrag berichtet, gilt laut den Berufsgenossenschaften für Gurtbänder von Auffang- und Rettungsgurten eine Gebrauchsdauer von sechs bis acht Jahren, für Gurtbänder und Seile vier bis sechs Jahre. Nach einem Unfall muss die Ausrüstung komplett ausgewechselt werden.


Übrigens: Bei einem Absturz können im Seil hängende Personen bereits nach wenigen Minuten ein "Hängetrauma" erleiden. Eine Rettung, die der Arbeitgeber organisieren muss, muss also möglichst schnell erfolgen, um einen solchen Kreislauf-Schock (orthostatischen Schock) zu verhindern. Mehr Informationen zu Prävention eines Hängetraumas, Rettung nach dem Sturz und Erster Hilfe bei einem Hängetrauma bietet die DGUV-Information 204-011 "Erste Hilfe – Notfallsituation: Hängetrauma".

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