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Absturzunfälle auf dem Bau: Ganzheitliche und individuelle Prävention ein Muss!

Ergebnisse des Absturzsicherheit-Kongresses im November 2017

Über 8.000 Absturzunfälle mit 29 Todesopfern; 40 % der tödlichen Unfälle waren Abstürze; fast 127 Millionen Euro zahlte die BG BAU für Heilbehandlungen, Verletztengeld, Reha, Rente sowie Leistungen an Hinterbliebene von Absturzopfern: Das ist die traurige Bilanz des Jahres 2016 für die Bauwirtschaft. Wie diese Tragödien verhindert werden können, war Thema des 2. Deutschen Fachkongresses für Absturzsicherheit im November 2017 in München. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) sieht besonders die Planer in der Pflicht.

Absturzsicherheit bei der Ausführung der Bau-Tätigkeiten ist lebensrettend. „Allerdings beginnt der Arbeitsschutz nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits in der frühen Planungsphase. Doch die Planer haben den Arbeitsschutz heute noch nicht ausreichend auf dem Schirm“, erklärte Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der BG BAU, auf dem Kongress. Bereits in der Planungsphase müssten Architekten, Planer und Bauherren überlegen, welche Schutzmaßnahmen für den Bau und für die spätere Nutzung des Gebäudes – zum Beispiel auch für spätere Wartungs- und Inspektionsarbeiten – erforderlich seien. Nur wenn alle Akteure rund um den Bau zusammen arbeiteten, könne es gelingen, die Unfallzahlen und damit menschliches Leid zu verringern.


Übrigens: Zwischen 2007 und 2016 gab es insgesamt 92.500 Absturzunfälle im Zuständigkeitsbereich der BG BAU. 341 davon endeten tödlich.

Auch Abstürze aus geringen Höhen haben oft schlimme Folgen. Viele unterschätzen die Gefahr, die Stürze von Leitern, Treppen und durch Bodenöffnungen mit sich bringen. Die Kongressteilnehmer betonten deshalb die Notwendigkeit, die Entwicklung von Absturz-Schutzsystemen für Absturzhöhen unter fünf Metern voranzutreiben.


Absturzschutz: Ganzheitlich und individuell

Natürlich sind Beschäftigte aus allen Gewerbezweigen von den Absturzgefahren betroffen. Die Absturzsicherung muss also alle Bauprozesse und Gewerke bedenken. Gleichzeitig hängt aber die Art, wie Beschäftigte gegen Abstürze zu sichern sind, vom Einzelfall ab. Die Gefährdungsbeurteilung, die vor Beginn der Arbeiten erstellt werden muss, ist unersetzlich, um die richtigen Maßnahmen zu treffen. „Das Arbeitsschutzgesetz, die Arbeitsstättenverordnung und die Betriebssicherheitsverordnung stellen die Anforderungen an die Rangfolge der erforderlichen Schutzmaßnahmen“, erläuterte Bergmann weiter. Kollektive, also für alle Beschäftigten wirkende Arbeitssicherheits-Maßnahmen, wie zum Beispiel Absperrungen und Abdeckungen, Arbeitsgerüste, Schutznetze und Hubarbeitsbühnen, haben Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung (PSA).

Wenn Prävention ganzheitlich sein soll – und so wirkt sie letztendlich am besten – muss auch das Verhalten der Beschäftigten in Betracht gezogen werden. Stichwort: Verhaltensprävention. Leichtsinnigkeit und Ignoranz der Arbeitsschutz-Maßnahmen sind ein absolutes No-Go! Stattdessen sollen Sensibilisierung und Aufklärung für verantwortungsbewusstes Handeln sorgen. Hier setzen die BG-BAU-Verantwortlichen ganz auf die neue Präventionskampagne „BAU AUF SICHERHEIT. BAU AUF DICH.“ Deren Motto lautet: „Sicheres Verhalten lohnt sich für jeden Berufstätigen, seine Familie und die Kollegen.“ Im Rahmen der Präventionskampagne sollen Baubetriebe und die Beschäftigten „Betriebliche Erklärungen“ vereinbaren, die alle Parteien dazu verpflichten, 9 lebenswichtige Regeln einzuhalten. Dazu gehören auch mögliche Ursachen von Absturzunfällen.

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