Nachricht

BKK-Gesundheitsreport 2017: mehr AU-Tage, mehr psychische Probleme

Schwerpunkt: Digitalisierung und BGM 4.0

Sie ist in aller Munde, die „Digitalisierung“, denn keiner weiß so genau, wohin die Reise geht: Wie wirkt sie sich auf die Beschäftigten aus? Wird sie viele Jobs vernichten? Oder bringt sie gar den Segen, dass die körperlich belastenden Berufe bald passé sind und wir alle nur noch aufpassen, dass Maschinen und Roboter alles richtig machen? Der BKK Dachverband, der Dachverband der betrieblichen Krankenkassen, versucht mit dem BKK-Gesundheitsreport 2017 ein Bild der aktuellen Situation für das Jahr 2016 zu zeichnen. Um es vorweg zu nehmen: Ja, die Digitalisierung bringt definitiv Vorteile mit sich. Aber: Besonders die psychischen Belastungen scheinen durch sie weiter anzusteigen.


Die wichtigsten Ergebnisse des BKK-Gesundheitsreports 2017 im Überblick

  • Mit 17,4 krankheitsbedingten Fehltagen pro Beschäftigtem im Jahr 2016 ist der Krankenstand (4,8 %) leicht gestiegen: 2015 waren es 16,4 Fehltage. Eine starke Grippewelle im ersten Quartal 2016 sorgte für viele AU-Tage.
  • Die Hälfte aller Fehltage gehen auf Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE), Atemwegs-Erkrankungen und psychische Störungen zurück.
  • Psychische Erkrankungen haben 2017 16,3 % aller Arbeitsunfähigkeitstage verursacht. Damit haben sie Atemwegserkrankungen mit 14,4% von Platz 2 der Ursachen verdrängt. Überhaupt haben psychische Erkrankungen in den vergangenen 10 Jahren immer mehr Raum eingenommen. Verursachten sie 2006 noch 10 % aller Krankschreibungen, so waren es 2016 satte 16 %. Der BKK-Dachverband sieht die Digitalisierung als einen Grund für die Zunahme der psychischen Störungen. 28 % der Beschäftigten, also fast jeder Dritte, fühlt sich durch die Digitalisierung stärker psychisch belastet. Nur einer von 10 gab an, sich weniger belastet zu fühlen.
  • Die meisten Fehltage gab es bei Beschäftigten der Postdienste (30,6 AU-Tage), der Abfallbeseitigung und des Recyclings (26 AU-Tage). Unter dem Durchschnitt lagen Beschäftigte im Bereich der Informationsdienstleistungen und Datenverarbeitung (10,6 AU-Tage).
  • 4,2 % der AU-Tage wurden durch einen Arbeitsunfall verursacht.
  • Die wenigsten Fehltage gab es in Kleinstbetrieben mit bis zu 9 Beschäftigten, dafür war hier die Ausfalldauer besonders lang. Die meisten Fehltage pro Beschäftigtem mussten mittelgroße Betriebe verkraften.
  • Für 52,2 % der Beschäftigten ist die Digitalisierung fester Bestandteil der Arbeit. Für weitere 38,5 % spielen diese neuen „Werkzeuge“ zeitweise eine wichtige Rolle. Digitalisierung wirkt sich also bereits jetzt auf über 90 % der Arbeitsplätze aus.
  • 45 % der Befragten denken, dass durch die Digitalisierung etwa genauso viele Jobs wegfallen wie neue geschaffen werden. Die Tendenz geht aber trotzdem zum Bild der Digitalisierung als Jobvernichter: 38 % denken, dass mehr Arbeitsplätze wegfallen als neu hinzukommen. Nur 18 % halten die Digitalisierung für einen Jobmotor.
  • Trotz Digitalisierung arbeiten 61 % der Beschäftigten nie im Homeoffice oder unterwegs. 27 % der Arbeitgeber erlauben dies nicht und bei 68 % der ist die Arbeit wirklich nur vor Ort möglich.
  • Beim Datenschutz sind sich die Befragten fast einig: 79 % der Beschäftigten wollen selbst darüber bestimmen, welche Personen oder Institutionen ihre persönlichen Gesundheitsdaten einsehen können. 82 % finden es wichtig, dass diese intimen Daten vor Missbrauch geschützt werden. Wohl kaum verwunderlich: Je mehr Krankheiten eine Person hat, desto wichtiger findet sie es, dass ihre Gesundheitsdaten vertraulich behandelt werden: 90 % der Befragten mit 4 und mehr Erkrankungen finden Datenschutz besonders wichtig. Immerhin 16 % wären bereit, ihre Gesundheit durch Sensoren in allen möglichen Alltagsgegenständen überwachen zu lassen.


Freud und Leid der Digitalisierung

Digitalisierung und Technisierung bringen laut dem BKK-Dachverband eine auffallende Verbesserung im Krankengeschehen: Obwohl Belegschaften in den vergangenen 10 Jahren deutlich gealtert sind, sind die Muskel-Skelett-Erkrankungen nicht nennenswert angestiegen. Angesichts alternder Belegschaften wäre das aber zu erwarten gewesen. Da aber immer mehr körperlich belastende Tätigkeiten, die MSE verursachen können, von Robotern und Maschinen übernommen werden, konnte hier Einhalt geboten werden. Auch betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) scheint Früchte zu tragen: Rückenschonende Arbeitsweisen, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und Bewegungsförderung entfalteten offenbar Wirkung. Nichtsdestotrotz: MSE verursachen nach wie vor jeden vierten Fehltag (25,2 %) und sind nach wie vor der häufigste Grund für Ausfallzeiten.

Schattenseite der Digitalisierung sind die zunehmende Arbeitsverdichtung und das Problem der ständigen Verfügbarkeit. Fast 5 % der Befragten kommunizieren täglich in ihrer Freizeit für die Arbeit. 40 % derer, die auch im privaten Bereich dienstliche Mails oder Anrufe bekommen, reagieren (fast) nie darauf. Fazit des BKK-Dachverbands: Für eine Arbeitswelt 4.0 ist auch ein BGM 4.0 notwendig, welches die gesundheitlichen Herausforderungen der Digitalisierung vorausdenkt.


Übrigens: Für den Bericht hat der BKK-Dachverband die Krankendaten von 9,4 Millionen Versicherten analysiert, darunter 4,5 Millionen Beschäftigte, die in einer BKK versichert sind. Auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auswirkt, gab eine BKK-interne Befragung Aufschluss.

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser.    weitere Infos OK