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Technischer Brandschutz: Sind Brandschutzschalter jetzt Pflicht?

Neue DIN VDE 0100-420 fordert Einbau von AFDD-Brandschutzschaltern - in seltenen Fällen

Seit dem 18. Dezember 2017 gilt die neue DIN VDE 0100-420 "Errichten von Niederspannungsanlagen. Teil 4-42: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen", die im Februar 2016 in Kraft getreten ist. Sie fordert den Einbau von AFDD-Brandschutzschaltern, die Fehlerlichtbögen in Endstromkreisen erkennen ... zum Beispiel für Räume, in denen durch gelagerte oder verarbeitete Materialien ein erhöhtes Brandrisiko besteht, für Räume, in denen unersetzbare Güter lagern oder für Schlaf- oder Aufenthaltsräume von Heimen oder Tageseinrichtungen.


Übrigens: Fast jeder 3. Brand entsteht durch Fehler in der Elektroinstallation, das sagen zumindest die Statistiken des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFSS). Elektrische Geräte oder Leitungen verursachen damit mehr Brände als Brandstiftung und menschliches Fehlverhalten zusammen.


AFDD sollen also Brände in Leitern durch serielle Lichtbögen verhindern, unter anderem in den oben genannten Bereichen ergänzend zu den bekannten FI- und LS-Schutzschaltern eingebaut werden und damit für besseren technischen Brandschutz sorgen. ABER: Eine Norm ist bekanntlich keine gesetzliche Regelung und somit gibt es keine Pflicht, die Brandschutzschalter an den besagten Stellen einzubauen. Wer sich aber an die Vorgaben aus einer Norm hält, kann davon ausgehen, dass er Einrichtungen und Anlagen nach dem neuesten Stand der Technik betreibt und damit den gesetzlichen Regelungen Folge leistet ...

Was es nun mit der neuen Brandschutz-Norm auf sich hat und wo AFDD tatsächlich eingebaut werden sollten, erklären Hartmut Knorr, Referent bei der TÜV NORD Akademie, und Stefan Pirkl, Product Business Developer bei Siemens.


FAQs der TÜV-Experten

"Wo müssen Brandschutzschalter eingebaut werden? Verpflichtend ist der Einsatz in einphasigen Endstromkreisen bis 16A in Gebäuden und Einrichtungen, die besonderen Brandrisiken ausgesetzt sind. Dazu zählen etwa feuergefährdete Betriebsstätten, holzverarbeitende Betriebe oder Papier- und Textilfabriken. Ebenfalls vorgeschrieben sind die Brandschutzschalter in Schlaf- oder Aufenthaltsräumen für Heime sowie Tageseinrichtungen für Kinder oder alte Menschen, ebenso wie in barrierefreien Wohnungen. 'Darüber hinaus sind Brandschutzschalter verpflichtend einzubauen, wenn dort unersetzbare Güter vorhanden sind – wie etwa Museen oder Galerien, darüber hinaus aber auch für Bahnhöfe oder Flughäfen', ergänzt Knorr.

Müssen jetzt alle Gebäude mit Brandschutzschaltern ausgestattet werden? Nein. Der Einbau ist nur bei Neubauten sowie Änderungen oder Erweiterungen von bestehenden Anlagen vorgeschrieben. Empfehlenswert sei aber der Einbau von Brandschutzschaltern für Stromkreise von Räumen, in denen unbeaufsichtigte Verbraucher laufen, sagt Pirkl. 'Dies können beispielsweise Heizlüfter in Ferienhäusern sein', so Pirkl. 'Aber auch Schlafzimmer, Hotels, Räume in denen Waschmaschinen, Trockner oder Geschirrspüler laufen, sollten mit AFDD geschützt werden. Für Räume oder Orte mit Feuer verbreitenden Strukturen ist ebenfalls der Einbau empfohlen.'

Führt der freiwillige Einbau von Brandschutzschaltern zukünftig zu niedrigeren Versicherungsprämien? Das ist noch unklar. Da jedoch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) als Vertreter der Versicherungen im Normengremium mitwirkt und den Einbau von AFDD befürwortet, ist es möglich, dass der freiwillige Einbau von AFDD mittelfristig mit niedrigeren Versicherungsprämien honoriert wird.

Noch ein Schutzschalter – reicht der Platz im Schaltschrank? Die Norm schreibt vor, in Neubauten sowie bei Erweiterungen oder größeren Umbauten geeignete Brandschutzschalter zu installieren. Planer sollten daher den erhöhten Platzbedarf bereits in der Planung berücksichtigen und die Schaltschränke entsprechend dimensionieren. Anders bei Umbauten und Erweiterungen: 'Hier müssen oft die Schaltschränke vergrößert werden. Das kann jedoch in der Praxis Schwierigkeiten bereiten', so Knorr.

Wie kann der Brandschutzschalter auf Funktionsfähigkeit getestet werden? Eine Funktionsprüfung ist bei AFDD nicht notwendig. Wie in der Produktnorm für Brandschutzschalter gefordert, führen die AFDD selbstständig zyklisch einen Test der Funktionsfähigkeit durch. Eine aktive Prüfung durch den Elektriker ist nicht erforderlich.

Können Brandschutzschalter auch als Gruppenschalter (40A) verwendet werden? Nein. Laut Norm ist in jedem Endstromkreis ein Brandschutzschalter erforderlich, um die größtmögliche Verfügbarkeit der Anlagen zu sichern. 'Wäre beispielsweise in einem Kindergarten nur ein Gruppen-Brandschutzschalter für die gesamte Anlage verbaut, würde ein Ausfall die Stromversorgung in der Einrichtung lahmlegen', so Stefan Pirkl."


Übrigens: Einen interessanten Beitrag zum Thema finden Sie im "Sicherheitsberater": Lesen Sie in "Hurra, der Brandschutzschalter ist Pflicht!", wann der Einbau eines AFDD wirklich Sinn macht und was an dem ganzen Thema vielleicht einfach ein Marketing-Trick ist. Ein AFDD kostet nämlich mindestens 10x soviel wie ein Sicherungsautomat ...

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