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Notfall im Betrieb: Prävention und Tipps für den Ernstfall

So sorgen Sie vor, so planen Sie richtig!

Und da ist es auf einmal passiert: Ein Mitarbeiter hat einen Arbeitsunfall! Allgemeine Panik bricht aus: Was ist jetzt zu tun? Wie war das noch mal mit der Ersten Hilfe? Und wo ist eigentlich dieser Defibrillator, von dem alle erzählt haben?

Notfälle im Betrieb gibt es verschiedene, der Arbeitsunfall ist nur einer davon. Brände, die Freisetzung von Gefahrstoffen oder Explosionen sind weitere Szenarien, die von Arbeitssicherheits- und Arbeitsschutz-Verantwortlichen durchdacht werden sollten, um die beste, sicherste und vor allem schnellste Reaktion darauf zu planen. Am besten ist es natürlich, wenn Arbeit so organisiert ist, dass erst gar kein Notfall passiert. Kommt es aber doch so weit, dann ist der Unternehmer dafür verantwortlich, dass alle notwendigen Vorkehrungen getroffen wurden, damit Verletzte so schnell wie möglich Hilfe bekommen und so wenig Sachschaden und so wenig Schaden für die Umwelt wie möglich entsteht. Zu den Arbeitgeberpflichten gehört also neben der Notfallplanung auch die Organisation der Ersten Hilfe.


Erste Hilfe im Betrieb: Das müssen Sie wissen

Gibt es einen Verletzten im Betrieb, müssen die anwesenden Personen zunächst die Unfallstelle absichern und Hilfe rufen, zum Beispiel einen Ersthelfer. Wenn das geschehen ist, ist die Erste Hilfe an der Reihe. Hierfür braucht es

  • eine ausreichende Anzahl an betrieblichen Ersthelfern gemäß der DGUV Vorschrift 1 "Grundsätze der Prävention". Bei Betrieben mit bis zu 20 Mitarbeitern muss eine anwesende Person betrieblicher Ersthelfer sein. Gibt es mehr Mitarbeiter, ist für Verwaltungs- und Handelsbetriebe vorgeschrieben, dass 5% der anwesenden Beschäftigten Ersthelfer sein müssen, in sonstigen Betrieben 10 %. Der Arbeitgeber muss betriebliche Ersthelfer ausbilden lassen. Eine solche Ausbildung dürfen nur sogenannte "ermächtigte Stellen" anbieten. Sie dauert mehrere Stunden, die als Arbeitszeit gelten. Alle 2 Jahre muss eine Auffrischung erfolgen.

Übrigens: Betriebliche Ersthelfer sind nicht befugt, ihren Kollegen Medikamente zu verabreichen. Aus versicherungstechnischen Gründen sollten auch scheinbar harmlose Mittel wie Kopfschmerztabletten oder Kreislauftropfen nur von einem Arzt gegeben werden.


  • Erste-Hilfe-Material und Erste-Hilfe-Ausrüstung: Der Arbeitgeber muss Verbandskästen mit ausreichend Verbands- und Versorgungsmaterial zur Verfügung stellen. Auch Defibrillatoren gibt es heutzutage zu Preisen zu kaufen, die eine Anschaffung in realistische Bereiche rücken.
  • Verbandbuch: Jede noch so kleine Verletzung sollte in ein Verbandbuch eingetragen werden, zu dem aus Datenschutzgründen nicht jeder Zugang haben darf. Sollte sich aus einer kleinen, unscheinbaren Verletzung ein größerer Schaden entwickeln, ist der Nachweis, dass es sich um die Folgen eines Arbeitsunfalls handelt, wesentlich leichter.
  • Wissen: Gut sichtbare Aushänge sollten alle notwendigen Informationen für den Notfall bieten. Dazu gehören Erste-Hilfe-Aushänge sowie Flucht- und Rettungspläne. Darauf sollten unter anderem die Namen der Ersthelfer im Betrieb und wichtige Telefonnummern für den Notfall zu finden sein. Außerdem muss der Unternehmer die Beschäftigten in Sachen Erste Hilfe unterweisen bzw. unterweisen lassen. Die Unterweisung sollte neben allgemeinen Infos zum Verhalten im Notfall auch betriebsspezifische beinhalten, etwa wo Feuerlöscher, Sammelplätze oder Notfalleinrichtungen wie zum Beispiel Augenduschen zu finden sind. 

Übrigens: Dokumentieren Sie auch Beinahe-Unfälle, um daraus zu lernen. Auch die Berufsgenossenschaften setzen auf Medien, die auf Unfallbeispielen basieren. Lernen Sie daraus und machen Sie es besser!


  • Rettungswege: Gerade in größeren Betrieben ist es meist nicht selbsterklärend, welches der kürzeste Weg in die sichere Freiheit ist. Besonders Besucher und Kunden, die sich im Betrieb nicht auskennen, müssen erkennen, wo es für eine Flucht ins Freie langgeht. Natürlich wird sich niemand, wenn es brennt, erst einmal Flucht- und Rettungspläne durchlesen. Auch hier sind Unterweisungen und gute Beschilderungen wichtig! Fluchtwege und Notausgänge sollten nach der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3 "Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" gestaltet sein. Ob ein Sicherheitsleitsystem notwendig ist, wird die Gefährdungsbeurteilung ergeben.
  • Notfallpläne: Je nach Betrieb muss ein Notfallplan erstellt werden. Meist müssen externe Hilfskräfte wie Feuerwehren oder Rettungsdienste in die Notfallplanung einbezogen werden.


Arbeitsunfall! Und jetzt?

Ist tatsächlich ein Arbeitsunfall geschehen und eine Person ist verletzt, sollte ein Ersthelfer sie also so gut wie möglich versorgen. Ist es nicht nötig, einen Krankenwagen zu rufen, sollte der Verletzte einen Durchgangsarzt aufsuchen, wenn:

  • die Verletzung zu einer Arbeitsunfähigkeit führt, die über den Unfalltag hinaus andauert
  • die ärztliche Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche dauert
  • der Verletzte Heil- und Hilfsmittel braucht
  • es sich um eine Erkrankung als Folge eines Unfalls handelt

– man spricht hier vom "Durchgangsarztverfahren" (DAV).

Durchgangsärzte sind fachlich besonders geeignet und müssen entsprechend ausgestattete Praxen vorweisen. In Deutschland gibt es nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) über 3.800 D-Ärzte.

Der Arbeitgeber muss einen Arbeitsunfall der zuständigen Berufsgenossenschaft melden, wenn der Verletzte länger als drei Tage arbeitsunfähig ist. Die Meldung ist meistens online möglich. Die Frage, ob ein Unfall ein Arbeitsunfall nach §8 SGB VII ist und der Verletzte Leistungen von der gesetzlichen Unfallversicherung erwarten kann, ist allerdings oft gar nicht so einfach zu beantworten. Grundsätzlich sind alle Tätigkeiten gesetzlich unfallversichert, die im "sachlichen Zusammenhang mit dem Beschäftigungsverhältnis" stehen, also wenn der Unfall im Zusammenhang mit der Arbeit passiert ist. Dazu gehören unter bestimmten Umständen auch Aktivitäten auf Betriebsfeiern und der Betriebssport. Nicht selten müssen Gerichte entscheiden, ob ein Arbeitsunfall vorliegt oder nicht.


Was, wenn der Chef ausfällt?

Angenommen, es ist nicht ein Mitarbeiter verunglückt, sondern es handelt sich um den Chef ... Der Unternehmer sollte für einen solchen Fall einen Notfallkoffer oder Notfallordner anlegen. Darin sollte er alle nötigen Dokumente für den Fall sammeln, dass er kurzfristig nicht ansprechbar und nicht entscheidungsfähig ist oder gar tödlich verunglückt. Möglicherweise wird eine sogenannte unerwartete Unternehmensnachfolge nötig, also eine Unternehmensnachfolge, die wegen Unfall oder plötzlicher Krankheit des Unternehmers stattfinden muss. Immerhin sind es etwa 25 % aller Unternehmensnachfolgen in Deutschland, die durch ein solches persönliches Schicksal des Chefs ausgelöst werden.

Das gehört in den Notfallordner:

  • Regelung zur Stellvertretung
  • Vollmachten und Verfügungen, etwa für Bankkonten und geschäftliche Handlungen
  • Passwörter, Pins und Tans
  • Infos zu aktuellen Vorgängen, Aufträgen, Rechnungen, Lieferungen, Materialbestellungen, Geschäftspartnern …
  • Kopien von wichtigen Dokumenten
  • Aktueller Zeitplan/Projektplan
  • Versicherungsunterlagen
  • Jahresabschlüsse
  • Mitarbeiterplan und Arbeitsplatzbeschreibungen, Aufgabenbeschreibung auch der Geschäftsleitung
  • Ein Unternehmenstestament

Der Notfallordner muss also regelmäßig aktualisiert werden. Klingt nach viel Arbeit, aber so sorgen Unternehmer dafür, dass ihr Betrieb nicht untergeht, wenn ihnen etwas zustößt.

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