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OP-Barometer 2017: Große Klinik – schlechte Bedingungen?

Befragung von Pflegekräften in Anästhesie und OP bildet Wirklichkeit ab

Personalknappheit, schlechte Organisationsstrukturen und Defizite in der Unternehmenskultur sorgen dafür, dass die Leistungsfähigkeit in deutschen OP-Sälen sinkt – das ist ein zentrales Ergebnis des "OP-Barometers 2017". Zum sechsten Mal hat Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), die Studie durchgeführt. Die Tatsachen, dass mehr als 1.950 Mitarbeitende aus den Bereichen OP-Pflege und Anästhesie-Pflege teilgenommen haben (eine Steigerung um 14 % im Vergleich zum Jahr 2015) und dass sich Mitarbeiter von rund einem Viertel der deutschen Universitätsklinika beteiligten, sind für ihn ein Zeichen, dass der Leidensdruck wächst. Warum die Zahlen aus dem OP-Barometer so wichtig sind, erklärt Busse: "Der OP-Saal ist der Motor eines Krankenhauses. Wenn dieser stottert, dann bedeutet es eine Gefährdung für die gesamte Einrichtung."

Übrigens: Das OP-Barometer wird alle zwei Jahre von der Frankfurt UAS durchgeführt. Es betrachtet die Arbeitssituation von Pflegekräften im Operations(OP)- und Anästhesie-Bereich an deutschen Krankenhäusern.


Große Klinik=schlechtere Leistung?

Eines der zentralen Ergebnisse des OP-Barometers 2017: Es scheint große Unterschiede im Hinblick auf Personal, Organisation und Patientengefährdung in den unterschiedlichen Krankenhäusern zu geben. Manche Krankenhäuser hätten laut Busse in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, nämlich Organisationsabläufe optimiert oder Hygienemängel abgestellt, anderen sei dies wohl nicht gelungen. Patienten sollten genau hinschauen, in welchem Krankenhaus sie sich operieren ließen. "Gerade OP- und Anästhesie-Pflegekräfte aus großen Kliniken mit neun bis 12 oder über 12 Sälen schätzen die eigene Leistungsfähigkeit negativer ein als Mitarbeitende kleinerer OP-Bereiche mit bis zu acht Sälen. Gründe hierfür dürften in großen OP-Bereichen im Wesentlichen in strukturellen Defiziten im Hinblick auf die Personalführung und -ausstattung liegen."


Weitere Ergebnisse des OP-Barometers 2017:

  • mehr als 47 % der Befragten denken, dass die Patienten-Gefährdung in den letzten zwei Jahren zugenommen hat. Bei den befragten Mitarbeitenden aus großen OP-Bereichen traf sogar mehr als die Hälfte diese Aussage. Hier hat sich seit dem Jahr 2015 kaum etwas verbessert – damals dachten das 48 % der Befragten.
  • Nur ca. 28 % der Befragten meinen, dass sie genügend Pflegepersonal hätten, um die wachsenden Anforderungen zu bewältigen. Bei großen OP-Bereichen mit über 12 Sälen  sogar nur 21 %.
  • 65 % der Befragten berichten von einer sehr hohen Krankenquote. Fast die Hälfte sieht eine hohe Fluktuationsrate bei neuen Mitarbeitenden.
  • 38 % gaben an, in ihrer täglichen Arbeit im OP-Bereich mit dem Thema Mobbing konfrontiert zu sein.
  • Nur etwa 62 % der Befragten würden sich aus fachlicher Hinsicht in ihrem OP operieren lassen, Pflegepersonal der großen Kliniken mit über 12 Sälen liegt hier sogar noch unter dem Durchschnitt.
  • Wenn man die Organisation betrachtet, würde nur rund die Hälfte der Befragten ihr Krankenhaus für eine OP empfehlen. Auch hier sind es vor allem die Mitarbeitenden der großen Kliniken, die den Organisationsgrad ihrer OP-Bereiche als eher nicht gut einschätzen. Höhere Wartezeiten oder eine schlechte OP-Plangestaltung sind hier die Hauptprobleme.
  • Etwa 61 % der Befragten gaben an, mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden zu sein – eine kontinuierliche Abnahme seit 2011, als es noch 71 % waren.
  • Etwa 50 % der Teilnehmenden meinten, dass ihre Arbeit von der Krankenhausleitung nicht anerkannt werde.
  • Eine Verbesserung gab es dahingehend, wie die Befragten die Sterilgutversorgung einschätzen. Im Jahr 2011 sahen dies noch rund 44 % der Befragten als problematisch an, 2017 "nur noch" rund 34 %.
  • 76 % gaben an, die Patientensicherheit sei in ihrem OP ein wichtiges Thema. Kleinere OP-Bereiche mit bis zu acht Sälen zeichneten hier ein besonders positives Bild.
  • Immerhin 60 % sagten aus, dass die Hygienerichtlinien in ihrem OP-Saal streng eingehalten würden.

"Hygiene im Krankenhaus ist ein sensibles Thema, deshalb wird in den OP-Bereichen verstärkt viel Wert darauf gelegt", so Busse. "Zufrieden kann man allerdings erst sein, wenn die Hygienerichtlinien zu 100 Prozent streng eingehalten werden, gleiches gilt für das Thema Patientensicherheit."

Ab Mitte Februar soll das OP-Barometer 2017 hier zu finden sein: Projekte des Zentrum für gesundheitswirtschaft  und Recht (ZGWR)

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