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Gefahr aus der Höhe: Schnee und Eis auf Lkw-Dächern

Von Schneegerüsten und Verhalten nach dem Unfall

Im Winter müssen Pkw- und Lkw-Fahrer eine besondere Sorgfaltspflicht erfüllen: Sie müssen vor Fahrtbeginn sicherstellen, dass ihre Fahrzeuge gründlich von Schnee und Eis befreit sind. Beim Pkw eine recht einfache und offensichtliche Angelegenheit. Schwieriger wird es da schon für Lkw-Fahrer, die nicht mal eben einen Blick auf das Dach ihres Fahrzeugs werfen können. Vier Meter hoch kann so ein Lkw-Dach sein.

"Im Winter werden auf Raststätten und Autohöfen meist Gerüste aufgebaut, damit die Fahrer ihre Lkw gründlich kontrollieren und gegebenenfalls reinigen können", erklärt Steffen Mißbach, Kfz-Experte bei TÜV Rheinland. Eine Übersicht über die Schneegerüste in Deutschland bietet zum Beispiel die hessische Polizei. "Aufgrund von Stress und Zeitdruck kommen aber immer wieder einige dieser Pflicht nicht nach. Ein grob fahrlässiges Verhalten, das gerade bei Lkw dramatische Folgen haben kann."

Auf einer Lkw-Plane können sich mehr als 100 Liter Wasser ansammeln und über Nacht zu Eis gefrieren. Bei einer Kurvenfahrt oder einem Bremsmanöver kann eine solche Eisplatte zu einem gefährlichen Geschoss werden, das Windschutzscheiben durchschlagen oder abrupte Ausweichmanöver des nachfolgenden Verkehrs zur Folge haben kann. Radfahrer und Fußgänger sind solchen herabfallenden Eisplatten schutzlos ausgeliefert. Mißbach erläutert: "Wer sein Fahrzeug nicht von Schnee und Eis befreit, begeht grundsätzlich eine Ordnungswidrigkeit. Kommt es durch diese zu Unfällen, bei denen Menschen zu Schaden kommen, liegen Straftaten vor. Dann sprechen wir beispielsweise von fahrlässiger Körperverletzung und im Extremfall von fahrlässiger Tötung."

Auch wenn scheinbar nicht viel Schnee auf dem Dach liegt, können die Folgen gravierend sein. Beim Beschleunigen kann es durch den Fahrtwind zu regelrechten Schneewolken kommen, die dem nachfolgenden Verkehr die Sicht nehmen. "Großen Abstand zu halten ist das Einzige, was betroffene Verkehrsteilnehmer in diesem Fall tun sollten", rät Mißbach. Auf keinen Fall versuchen, das betreffende Fahrzeug zu überholen. Das Risiko, beim Überholen von herabfallendem Eis und Schnee getroffen zu werden, ist viel zu groß.


Und wenn der Unfall doch passiert?

Nun stellen Sie sich vor, es passiert Ihnen tatsächlich: Sie fahren hinter einem Lkw her, eine Eisplatte löst sich von dessen Dach und schlägt auf Ihrer Motorhaube ein. "Jetzt heißt es: Ruhe bewahren und nicht durch ein unüberlegtes Manöver das Lenkrad verreißen oder durch eine Vollbremsung einen Auffahrunfall verursachen", rät Unfallexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen.

Wenn der Pkw beschädigt ist, solle der Autofahrer rechts ranfahren und Beweise sichern. Das Kennzeichen des Verursachers ist natürlich nötig, denn normalerweise kommt dessen Haftpflichtversicherung für den Schaden auf. Wenn es Zeugen gibt: umso besser! Die können bei der Schadenregulierung helfen.

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