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PSA: Was Sie über Schutzhelme wissen müssen

Auswahl, Einkauf, Nutzung von Kopfschutz

61.453 meldepflichtige Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen registrierte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) im Jahr 2016 – damit hatten insgesamt 7,9 % der meldepflichtigen Unfälle eine Verletzung am Kopf zur Folge. Nur Hand, Kniegelenk und Unterschenkel sowie Knöchel/Fuß waren noch öfter betroffen. Viele Kopfverletzungen wären mit Schutzhelmen zu vermeiden. Doch warum verzichten Beschäftigte immer wieder auf Kopfschutz? (44 % tragen manchmal wichtige Teile ihrer Schutzausrüstung nicht ...) Wo steht überhaupt geschrieben, wann ein Helm getragen werden muss? Und wie besorgen Arbeitgeber einen, den die Beschäftigten auch gern aufsetzen? Gehen Sie mit uns in diesem Beitrag den Weg zum richtigen Schutzhelm!


Schutzhelmpflicht – ja oder nein?

Zunächst einmal ist zu klären, ob ein Schutzhelm als Persönliche Schutzausrüstung (PSA) an einem Arbeitsplatz überhaupt notwendig ist. Hierfür muss eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden und wie immer bei der Rangfolge der Arbeitsschutz-Maßnahmen gilt: PSA ist das letzte Mittel der Wahl. Vorher müssen technische und organisatorische Maßnahmen ausgeschöpft werden.

Kopfschutz ist nach der DGUV-Regel 112-193 "Benutzung von Kopfschutz" immer dann zu tragen, wenn Gefährdungen durch

  • herabfallende Gegenstände
  • Anstoßen an Gegenständen
  • pendelnde Gegenstände
  • umfallende Gegenstände oder
  • wegfliegende Gegenstände vorhanden sind.

Ändern sich die Arbeitsbedingungen oder die Arbeitsumgebung, wie es zum Beispiel auf Baustellen oft der Fall ist, muss die Sachlage neu bewertet werden.

Als PSA kommen Schutzhelme nach DIN EN 397, sogenannte Industrieschutzhelme, und nach EN 14052 infrage. Bergsteigerhelme nach DIN EN 12492 werden auch als Kopfschutz auf Baustellen immer beliebter. Damit diese verwendet werden dürfen, müssen sie aber auch die DIN EN 397 erfüllen und einen 4-Punkt-Kinnriemen haben. Dieser muss schon montiert sein, wenn Sie den Helm kaufen. Einfach selbst einen dranmachen, ist nicht erlaubt. Auch hier ist die GBU die Grundlage für die Entscheidung, welche Art von Helm zu wählen ist.


Übrigens: Die Anschaffung von Schutzhelmen, die der EN 397 entsprechen, wird von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) mit Prämien gefördert.



Schutzhelme bestehen entweder aus

  • thermoplastischem Material: PE (Polyethylen), PC (Polycarbonat), ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), HDPE (High Density Polyethylen), PP (Polypropylen), PP-GF (glasfaserverstärktes Polypropylen), PC-GF (glasfaserverstärktes Polycarbonat). Der Fachausschuss PSA bei der DGUV empfiehlt, Helme aus thermoplastischem Material nach 4 Jahren auszutauschen.
  • duroplatischem Material: PF-SF (faserverstärktes Phenol-Formaldehyd-Harz) oder UP-GF (glasfaserverstärktes ungesättigtes Polyesterharz). Austausch empfohlen nach 8 Jahren.

Hat ein Helm einen harten Schlag abbekommen oder hat er bei einem Unfall seine Dienste getan, sollte er ausgetauscht werden. Auch ein Helm mit sichtbaren Beschädigungen sollte aus dem Verkehr gezogen werden. Im Zweifelsfall kann ein "Knacktest" zeigen, ob ein Helm noch benutzt werden sollte. Bei einem solchen Test drückt man die Seiten des Helms oder den Schirm ein. Ist Knistern oder Knacken zu hören, gehört der Helm nicht mehr auf den Kopf.


Schutzhelm-Einkauf – so finden Sie die guten Produkte

Damit PSA auch tatsächlich vor den Gefahren schützt, vor denen sie schützen soll, und damit die Beschäftigten sie akzeptieren und tragen, sollten Sie beim Einkauf folgende Dinge beachten:

  • Der Arbeitgeber muss die PSA zur Verfügung stellen und damit auch bezahlen, wenn die GBU ergibt, dass PSA zu tragen ist. Bei Leiharbeitern ist in der Regel der Verleiher in der Pflicht, PSA zu stellen. Aber auch der Entleiher kann dafür verantwortlich sein.
  • Beteiligt am Einkauf sollten sein: Unternehmer als Verantwortlicher, Sicherheitsverantwortliche (Sifa, Betriebsarzt …), Einkaufsverantwortliche, die von den Sicherheitsverantwortlichen beraten werden, Arbeitnehmervertreter und am besten die Beschäftigten selbst, etwa bei der Auswahl des praktikabelsten Produkts. So steht in der DGUV-Vorschrift 1 §29: "Der Unternehmer hat gemäß § 2 der PSA-Benutzungsverordnung den Versicherten geeignete persönliche Schutzausrüstungen bereitzustellen; vor der Bereitstellung hat er die Versicherten anzuhören."
  • Auswahlfaktoren sollten sein: Schutzfunktion für den jeweiligen Zweck, Passform, Tragekomfort und Ergonomie, Gewicht, Preis-Leistungs-Verhältnis, Vorschriften- und Normenkonformität.
  • Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, etwa mit Kopfverletzungen oder mit Cochlea-Implantat, brauchen meist speziell angefertigte PSA. Viele Hersteller sind mittlerweile darauf eingestellt.

Übrigens: Ab dem 21. April 2018 findet nach zwei Jahren Übergangszeit die neue PSA-Verordnung Anwendung. Unter anderem hat sich die Zuordnung von PSA-Produkten zu Kategorien geändert und jedem einzelnen Produkt muss eine "Konformitätserklärung" beiliegen. 


Bei speziell anzufertigender PSA und bei der Kombination verschiedener PSA-Produkte raten Experten dringend von "Marke Eigenbau" und wilden Kombinationen (zum Beispiel Helm + Gehörschutz + Brille oder private Korrektionsbrille + Schutzbrille) ab. Stellen Sie eine PSA, wie etwa einen Schutzhelm mit einer Aussparung an einer bestimmten Stelle, selbst her, müssen Sie die Vorgaben erfüllen, die die PSA-Verordnung an Hersteller stellt, inklusive Konformitätserklärung und EU-Baumusterprüfung. Kombinieren Sie PSA wild durcheinander, kann ein Produkt die Schutzfunktion eines anderen beeinträchtigen oder gar aufheben.


Übrigens: Die oben genannte PSA-Verordnung ist nicht zu verwechseln mit der PSA-Benutzungsverordnung (Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen). Letztere regelt Bereitstellung, Auswahl, Nutzung und Pflege von PSA, betrifft also die Arbeitgeber und Beschäftigten. Erstere richtet sich an Hersteller, Importeure und Händler.


Wenn die PSA dann im Haus ist oder wenn neue Beschäftigte damit arbeiten müssen, müssen sie vor der ersten Benutzung eine Unterweisung erhalten. Darin sollte es darum gehen, wie sie ihre PSA lagern, auf ihre Bedürfnisse anpassen, behandeln und prüfen sollen.

Laut der PSA-Benutzungsverordnung ist es die Pflicht der Beschäftigten, PSA, die ihnen zur Verfügung gestellt wird, auch zu tragen. Auch die Mitarbeiter haben also ihre Pflichten, was Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz angeht. Immer wieder kommt die Frage auf, wie man die Mitarbeiter dazu bringt, PSA auch zu tragen. Für den Kopfschutz gilt das gleiche wie für andere Schutzausrüstung: Wurden die richtigen Produkte eingekauft, ist die Akzeptanz bei den Beschäftigten in der Regel wesentlich größer, als wenn sie eine PSA vorgesetzt bekommen, die nicht sitzt, Schmerzen verursacht und bei der Arbeit eher hinderlich als hilfreich ist. Wenn Mitarbeiter trotz aller Aufforderungen nicht gewillt sind, ihren Schutzhelm aufzusetzen, kann und muss der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen, die über eine Abmahnung bis zur Kündigung reichen können. Das sollte natürlich nur das letzte Mittel sein. Im Gespräch können meist Gründe für die Weigerung und passende Lösungen zum Besten für alle gefunden werden.

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