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BAG-Bericht: Arbeitssituation an Laderampen

Berufskraftfahrer und Rampenbetreiber wurden befragt

Dass Stress und Zeitdruck im Transportsektor vorherrschen, ist kein Geheimnis. Denn der Transport von Waren scheint mittlerweile das zu sein, was die Welt am Laufen hält. Besonders heikel sind die Arbeitsbedingungen am Nadelöhr Laderampe – hier wären Information, Kommunikation und eine gute Organisation besonders wichtig. Doch wie steht es um die Arbeit an der Laderampe? Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat fast 800 Kraftfahrer und 87 Rampenbetreiber befragt. Herausgekommen ist der Bericht "Marktbeobachtung Güterverkehr: Abläufe an Laderampen verbessern", mit folgenden Ergebnissen ...


Wartezeit an der Laderampe:

  • 46,7 % der Kraftfahrer finden, dass sich die durchschnittliche Wartezeit an der Laderampe in den vergangenen fünf Jahren verlängert hat, bei den Rampenbetreibern empfinden das nur 16,3 % so. Dass sich die Wartezeit verkürzt hat, denken 43 % der Rampenbetreiber, aber nur 15,4 % der Kraftfahrer.

Entladen des Fahrzeugs:

  • 90,9 % der befragten Kraftfahrer müssen ihr Fahrzeug häufig selbst entladen. Die restlichen 9,1 % müssen dies fast nie tun. Komisch, dass 40,2 % der befragten Rampenbetreiber sagen, dass Fahrer an ihren Rampen nie selbst entladen müssen.
  • Nach eigenen Angaben übernehmen Fahrer als auch Rampenbetreiber die Entladung von Fahrzeugen, obwohl sie hierfür nach eigener Auffassung vertraglich gar nicht zuständig sind.
  • 64,9 % der Fahrer und 31,8 % der Rampenbetreiber wissen oft gar nicht, ob überhaupt in einem Vertrag geregelt ist, wer das Fahrzeug entlädt. Etwa 49,7 % der befragten Kraftfahrer wissen im Vorfeld nie oder nur selten, ob sie ihr Fahrzeug selbst entladen müssen. Bei den ausländischen Fahrern gaben das sogar 64,6 % an. In 59,1 % der Fälle ist es dann der Rampenbetreiber, der entscheidet, wer ablädt. In 26,3 % der Fälle entscheidet dies der Arbeitgeber, in 14,6 % der Fahrer.

Zeitfenstermanagementsysteme (ZMS):

  • 53,4 % der befragten Fahrer haben häufig oder immer mit Zeitfenstermanagementsystemen zu tun. Mehr als die Hälfte empfindet dies als positiv. Die Rampenbetreiber sind zu rund 83,5 % von diesen elektronischen Systemen für die Lkw-Zulaufsteuerung überzeugt. Kraftfahrer, die nie oder nur selten mit ZMS zu tun haben, empfinden diese Systeme insgesamt als positiver als die, die häufig oder immer damit arbeiten.

Information und Kommunikation:

  • Rund 60,8 % der Fahrer und 59,5 % der Rampenbetreiber gaben an, dass fast nie Informationen über die voraussichtliche Ankunftszeit von Fahrzeugen flössen. Nur 7,2 % der Kraftfahrer erhalten bei ihrer Ankunft an der Laderampe Infos, wie lange sie warten müssen, und nur 15,7 % der Rampenbetreiber gaben an, dass sie die ankommenden Lkw-Fahrer über Wartezeiten informieren. Das hat zur Folge, dass Lkw-Fahrer nicht planen können – ein enormer psychischer Druck. Laut dem BAG könnten Lkw-Abrufsysteme die Bedingungen verbessern. Bisher haben aber nur 35,9 % der Fahrer häufig oder immer mit solchen Abrufsystemen zu tun.
  • Wie intensiv Kraftfahrer Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) nutzen, hängt stark von ihrem Alter ab. Je älter sie sind, desto weniger nutzen sie Smartphones, Tablet-PCs, Laptops, Internet und mobile Apps beruflich. Dabei können gerade Apps nützliche Helfer für die Routenplanung, Auftragsannahme und -abwicklung und Parkplatzsuche sein.

Soziale Aspekte:

  • Bei 2,4 % der Rampenbetreiber dürfen Kraftfahrer den Sanitärbereich nicht nutzen – im Umkehrschluss erlauben fast alle Rampenbetreiber die Nutzung der betriebseigenen Toiletten oder Duschräume. Etwas anders sieht es bei den Sozialräumen aus: Nur 52,4 % der Rampenbetreiber gewähren Fahrern immer einen Zugang dazu. Rund 23,8 % lehnen dies immer ab.
  • So rau, wie es das Image vermuten lassen mag, scheint der Umgangston an der Rampe gar nicht zu sein: 79,8 % der befragten Rampenbetreiber und rund 59,1 % der Kraftfahrer empfinden den persönlichen Umgang an der Rampe als "eher positiv" oder "sehr positiv". 8,5 % der Kraftfahrer und rund 1,2 % der Rampenbetreiber sehen den persönlichen Umgang an der Rampe als sehr negativ. Grundsätzlich positiver als der Durchschnitt sehen Deutsche und ältere Fahrer den Umgang miteinander an den Laderampen. Oft sind es Sprachbarrieren, die die Kommunikation schwierig machen.


Wunschkonzert für die Arbeit an Laderampen

Auf ihre Wünsche befragt, äußerten die Fahrer folgende am häufigsten:  mehr Personal in Lagern und an Rampen, flexiblere Rampenöffnungszeiten und den Ausbau von Parkplätzen. Seltener wünschten sie sich eine bessere Informationslage an den Laderampen, gesetzliche Reglementierungen, die das Entladen von Fahrzeugen durch den Fahrer verbieten, oder die Zahlung von Standgeldern. Rampenbetreiber hoffen in erster Linie auf verbesserte Sprachkenntnisse ausländischer Fahrer.

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