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6 oft vernachlässigte Gefahren am Büroarbeitsplatz

Von Kabelsalat bis Sehschwäche – sorgen Sie für Arbeitsschutz!

Ein Witzbold schrieb einmal, die einzigen echten Gefahren, die in einem Büro lauern würden, wären es, als Frau dank hoher Absätze umzuknicken oder als Mann mit dem Schlips in den Kopierer-Einzug zu geraten und sich zu strangulieren. Das ist natürlich falsch, denn auch im "sicheren" Büro gibt es Gefahren, für die Sie Ihre Kollegen sensibilisieren und ihnen Lösungswege aufzeigen müssen.


1. Kabelsalat

Computer, Telefon Drucker, Tastatur und dazu je nach Firmengröße schier unheimliche Mengen an Netzwerkkabeln sind in Summe und falsch verlegt nur eines: Stolperfallen. Bestenfalls sorgt das nur dafür, dass man einen Berg teurer Technik vom Tisch reißt. Schlimmstenfalls wartet nach einem solchen Sturz jedoch der Rettungswagen.

Hier müssen sowohl Sensibilisierung wie dauernde Kontrolle abhelfen. Sensibilisierung dadurch, dass den installierenden Kollegen aus der IT (und auch den Endbenutzern) immer wieder klargemacht wird, dass versteckte Kabel nicht nur schön akkurat aussehen, sondern ein Sicherheitsplus sind. Und Kontrolle dadurch, dass man als Schutzbeauftragter darauf achtet, dass frei baumelnde Kabel befestigt werden und solche, die notgedrungen auf dem Boden verlegt werden, durch eine Kabelschiene abgedeckt sind. Ein Siysphus-Job, aber einer muss ihn ja machen.


2. Augenprobleme

Wer selbst eine Brille trägt, kann bestätigen, dass es ihm zuvor über viele Monate nicht bewusst war, dass seine Augen sich verschlechterten. Den meisten Trägern fiel erst durch Kopfschmerzen oder solche in den Augen auf, dass etwas im Argen lag.

Die Sehkraft kann nachlassen, Quelle: fotolia.com ©liderinaUnd hier müssen Arbeitsschutz-Verantwortliche besonders die älteren Semester im Auge behalten. Denn bei diesen steigen die durch die Bildschirmarbeit ausgelösten Risiken für ihre Sicht signifikant an – oft ohne dass es bemerkt wird. Grund ist die reduzierte Fähigkeit des Auges, auf die dort vorkommenden Nahdistanzen zu fokussieren. Machen Sie sie darauf aufmerksam, dass es einen Rechtsanspruch darauf gibt, eine Arbeitsplatzbrille ebenso zu erhalten wie regelmäßige Sehtests (ArbMedVV). Und als Erstmaßnahme kann regelmäßig im Gespräch erfragt werden, ob folgende Symptome des "Büro-Augen-Syndroms" vorliegen:

  • Häufige Trockenheit oder übermäßiges Tränen
  • Röte/geplatzte Äderchen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Kopfschmerzen

Falls ja, sollte Augenarzt oder Optiker zum Zwecke eines gründlichen Check-Ups aufgesucht werden. Denn je länger solche Zustände unbehandelt bleiben, desto schlimmer werden sie.


3. Ordnerchaos

Die Ordnung am Arbeitsplatz aus rein optischen Gründen kollidiert abseits schöner Kataloge und Corporate-Ratgeber allzu oft mit der Arbeitsrealität. Selbstverständlich sieht es gut aus, wenn sämtliche Aktenordner zentral hinter einer verschlossenen Schrankwand unsichtbar aufbewahrt werden. Wenn das jedoch aus schierer Notwendigkeit dazu führt, dass Akten neben dem Schreibtisch oder an ähnlichen Orten zwischengelagert werden, weil sie andauernd benötigt werden, wird daraus jedoch nur ein überflüssiges Risiko.

Natürlich gilt der Leitsatz, dass Ordnung der beste Unfallverhüter ist, auch hier. Aber er darf nicht die Arbeitsrealität ignorieren. Es ist deshalb ratsam, erst einmal einige Wochen zu beobachten, ob es Mitarbeiter-übergreifend Fälle gibt, bei denen Ordner und andere Materialien so notdürftig und unfallträchtig abgestellt werden. Kommt dies nur bei einzelnen vor, hilft meist ein kurzer Hinweis. Arbeitet jedoch die Majorität so, liegt es mit aller Wahrscheinlichkeit am Arbeitsumfeld.

  • Wo stehen die Schränke?
  • Sind sie offen zugänglich oder müssen sie umständlich geöffnet werden?
  • Haben die Schreibtische nicht genügend Ablagefläche oder Schubfächer?

Es sind meist solche Details, um die sich bei der Einrichtung kaum Gedanken gemacht wurden außer "sieht gut aus". In dem Fall muss das Gespräch mit Entscheidern gesucht werden. Vielleicht gibt es kostengünstige Lösungen in Form rollbarer Beistelltische oder mehr Schreibtischfläche.


4. Privatgeräte

Private Elektrogeräte sind Gefahrenquellen im Büro, Quelle: fotolia.com ©LIGHTFIELD STUDIOS Man kann als Sicherheits-Verantwortlicher noch so sehr auf der Hut sein. Kann darauf achten, dass auf sämtlichen angeschafften Geräten das VDE-Zeichen prangt, dass regelmäßig von den richtigen Leuten geprüft wird und mit den Elektrofachkräften des Betriebs auf Du und Du sein. Das alles ist für die Katz, wenn das Konzept dadurch unkontrollierbar wird, dass Mitarbeiter eigene Geräte mitbringen.

Bei dem einen dampft der Wasserkocher samt Filter das Büro voll, weil "das Bürowasser einfach nicht schmeckt". Der nächste betreibt eine Kaffeemaschine auf dem Fensterbrett. Wieder ein anderer kann es nicht abwarten, allwöchentlich neue China-Gadgets mitzubringen. Egal um was es sich handelt, in der Summe sorgen all die Geräte dafür, dass vielfältigste Sicherheitsrisiken entstehen. Angefangen vom klassischen Unfall über Brandgefahr, Netzprobleme bis hin zu Einfallstoren für Betriebsspionage.

Das Problem an der Sache ist, dass rein rechtlich die Privatgeräte nicht in den Geltungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung fallen und dementsprechend auch nicht regelmäßig kontrolliert werden müssen. Und hat man einen Firmenchef oder Abteilungsleiter, der sich nicht für die Thematik interessiert, ist man auf sich allein gestellt. Dann gibt es mehreres, das man tun kann:

  • Die Lage beobachten, sich die Geräte, ihren Aufbau und die Zahl anschauen
  • Die Mitarbeiter bei unfallträchtigen Aufstellungsorten oder Verlängerungskabel-Konstruktionen darauf hinweisen
  • Sie bitten, bei neu angeschafften Geräten auf GS- oder VDE-Zeichen zu achten
  • Auf die Möglichkeit hinweisen, die Geräte anzumelden, damit sie im Rahmen der normalen Überprüfungen ebenfalls kontrolliert werden

Erst wenn solche Maßnahmen nicht fruchten, sollte zum "Hammer" gegriffen und die Sache an höhere Stellen weitergeleitet werden. Das kann zunächst der Betriebsrat sein. Zeigt jedoch auch das keine Besserung, ist es als finale Maßnahme notwendig, den Chef daran zu erinnern, dass er private Elektrogeräte auch verbieten darf.


5. Klettertouren

Für die meisten berufstätigen Menschen ist das Büro ein Ort, an dem sie sich zuhause fühlen und es auch sollen. Doch leider bringen viele durch diesen Zustand nicht nur das für die Arbeit förderliche Feelgood-Verhalten mit, sondern auch Verhaltensmuster, die erst der Grund dafür sind, dass es in deutschen Eigenheimen fast dreimal mehr Unfalltote als auf den Straßen gibt (9000 zu 3500).

Der mit weitem Abstand häufigste Unfallgrund sind "Klettertouren": Da wird sich mal eben auf den rollenbewehrten Drehstuhl gestellt, um am Fenster Deko aufzuhängen. Drei gestapelte Bücher oder gar Aktenordner als probater Tritt angesehen, um an die oberste Regalebene zu gelangen. Natürlich sind sie das nicht und die Aufgabe eines Betriebssicherheits-Verantwortlichen ist es, die Leute immer wieder und wieder darauf hinzuweisen, dass es nur zwei erlaubte Hilfsmittel für das Erklettern von Dingen im Büro gibt: Die Stehleiter und der Tritt. Keine Stühle, egal ob mit oder ohne Rollen, keine Bücher und absolut keine offenen Schubladen. Ferner ist dafür zu sorgen:

  • Dass solche Mittel in ausreichender Zahl vorhanden sind
  • Sie jederzeit erreichbar gelagert werden
  • Alle Mitarbeiter wissen, wo sie sich befinden
  • Alle dafür sensibilisiert werden, sie richtig zu benutzen und im Anschluss auch wieder zurückzubringen

Und dann kann es auch noch helfen, einfach bei seinen Kontrollen sich unauffällig zu notieren, wo Wandschränke und Regale ohne die nötige Befestigung an der Wand aufgestellt wurden und dies bei Gelegenheit zu korrigieren.


6. Haltungsschäden

Nur mit Leitern und Tritten arbeiten Sie sicher, Quelle: fotolia.com ©Africa Studio Als Sicherheits-Verantwortlicher im Büro fühlt man sich manchmal wie ein Prediger, der seiner "Gemeinde" immer wieder das gleiche erneut erzählen muss. Thema Nummer eins ist die Ergonomie am Arbeitsplatz. Selbst wenn es hier vorbildlich zugeht, alles im Überfluss und höchster Qualität vorhanden ist, kann doch alles wieder durch das persönliche Verhalten einzelner zunichte gemacht werden.

Rückenprobleme, Schulterschmerzen, Nackenschäden, Karpaltunnelsyndrom. Das sind alles Krankheiten, die selbst in den am ergonomischsten Arbeitsorten immer wieder auftreten und alljährlich abertausende Ausfalltage produzieren. Und warum? Weil nichts einen Mitarbeiter davor bewahren kann, sich trotzdem "wie ein Schluck Wasser" auf seinen Stuhl zu hängen, dort drin zu liegen wie in einem Sessel oder ihn viel zu hoch oder zu niedrig zu stellen.

Diese Aufgabe ist leider eine fruchtlose und sich dauernd wiederholende dazu. Es ist notwendig, "seine Kandidaten" zu kennen und sie immer wieder aufs Neue zu ermahnen. Resignation bringt nichts, dafür macht es aber irgendwann bei jedem Klick.

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