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REACH 2018: Das ist jetzt zu tun

Am 31. Mai 2018 endet die dritte REACH-Registrierungspflicht

Am 31.05.2018 endet für Unternehmen, die Chemikalien in einer Menge von 1 bis 100 Tonnen pro Jahr herstellen oder in die EU importieren, eine wichtige Deadline: Die dritte Registrierungsfrist der europäischen Chemikalienverordnung zur Registrierung Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe – besser bekannt als REACH-Verordnung – läuft aus. Wenn Chemikalien bis 01.06.2018 nicht registriert wurden, dürfen sie nicht mehr verwendet werden. Ziel von REACH: besserer Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Umweltschutz beim Umgang mit Chemikalien.

Frei nach dem Motto "Keine Daten – kein Markt" galt es in den vergangenen 10 Jahren, Stoffe auf Basis eines Registrierungsdossiers registrieren zu lassen. Bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) gingen bis Dezember 2017 knapp 65.000 Registrierungsdossiers für etwa 17.000 Stoffe ein, die meisten Registrierungen kamen aus Deutschland. Die eingereichten Daten werden ausgewertet und das hat Folgen: So wurde unter anderem der Gebrauch einiger Chemikalien, darunter Chrom VI und Blei, eingeschränkt. 181 Stoffe stehen aktuell (Stand Mai 2018) auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (Substances of Very High Concern=SVHC), auch SVHC- oder Kandidatenliste genannt, für die eine Zulassung notwendig werden kann. Für SVHC-Stoffe gilt auf jeden Fall schon eine strengere Informationspflicht innerhalb der Lieferkette. 43 Stoffe sind derzeit zulassungspflichtig.

Bei REACH handelt es sich um ein komplexes Regelwerk. 2007 trat die Verordnung in Kraft und seit 11 Jahren müssen Unternehmen darauf hinarbeiten, dass der Umgang mit Chemikalien sicherer und geordneter abläuft. Stoffe, die unter die REACH-Kriterien fallen, treten aber nicht nur am Arbeitsplatz auf; somit trifft die Änderung alle Bereiche in unserem Leben. Zum 01. Juni 2018 müssen nun also alle chemischen Stoffe auf dem EU-Markt registriert sein.


Übrigens: Ausnahme sind bereits importierte oder hergestellte vorregistrierte Phase-in-Stoffe, die am 01. Juni 2018 noch auf Lager liegen und im Jahresdurchschnitt zwischen 2015 und 2017 die Menge von 100 Tonnen nicht überschritten haben. Werden diese ab dem 01. Juni 2018 nicht mehr hergestellt oder importiert, dürfen sie abverkauft und in der Lieferkette verwendet werden, ohne dass sie registriert werden müssen.


REACH – eine Bestandsaufnahme

Die Europäische Kommission muss regelmäßig einen Bericht zum Stand und zur Umsetzung von REACH erstellen und den Erfolg der VO auswerten. Das ist der aktuelle Stand der Dinge zum Ende der dritten und letzten REACH-Registrierungspflicht:

  • Kosten von REACH: Die Umsetzung von REACH hat bis jetzt zwischen 2,3 Milliarden und 2,6 Milliarden Euro gekostet. Geschätzt worden waren 1,7 Milliarden. Bis jetzt schlugen die Registrierungen mit den höchsten Beträgen zu Buche. Dafür soll der sichere Umgang mit Chemikalien in den kommenden 25 bis 30 Jahren 100 Milliarden Euro einsparen.
  • Datenqualität in den Registrierungsdossiers: Die Qualität der Daten in den eingereichten Dossiers könnte besser sein. Zwischen 2008 und 2018 kontrollierte die ECHA 1.952 Registrierungsdossiers. Allein im Jahr 2017 musste sie bei den 222 kontrollierten Exemplaren 151 Mal notwendige Informationen nachfragen. Es gibt immer noch einige Datenlücken und Dossiers werden oft nicht aktualisiert, obwohl es nötig wäre.
  • Zulassung: Der Zulassungsprozess für zulassungspflichtige Stoffe müsste einfacher sein.
  • Wettbewerb: Firmen, die in der EU ansässig sind und mit SVHC umgehen, dürfen keinen Nachteil gegenüber Nicht-EU-Firmen haben, wenn sie mit SVHC arbeiten.
  • REACH und andere Verordnungen: Der Zusammenhang zwischen REACH und anderen EU-Verordnungen, speziell zu den Themen Arbeitsschutz und Abfall, sollte klargestellt werden.
  • Hilfe für KMU: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollten mehr Unterstützung bei der Umsetzung von REACH erhalten. Sie sind besonders von der Ende Mai 2018 ablaufenden Registrierungspflicht betroffen. Verbesserungen wären zum Beispiel bei den Kosten für Sicherheitsdatenblätter (SDB), bei der Erstellung von Expositionsszenarien und bei der Anzeige von und der Information der Bürger über SVHC nötig.
  • Kontrollen: Wegen zu weniger personeller Ressourcen gibt es laut der ECHA zu wenige staatliche Kontrollen, trotz gut gemeinter Projekte wie REACH-EN-Force-5.


Auch nach der Deadline: REACH geht weiter

Obwohl die letzte REACH-Registrierungsfrist zum Juni 2018 endet, ist die Arbeit noch lange nicht getan. So müssen Hersteller und Importeure die Daten ihrer Chemikalien immer auf dem aktuellen Stand halten und auch die Arbeit der ECHA geht weiter, was die Regulierung angeht. Natürlich können Stoffe auch weiter registriert werden, wenn sich Hersteller oder Importeure doch noch dafür entscheiden. Bis zu einer Registrierung dürfen diese Stoffe allerdings nicht verwendet werden. Nachgeschaltete Anwender, Hersteller und Importeure müssen die sich ständig weiterentwickelnde REACH-Kandidatenliste oder auch den Anhang XVII zu Herstellungs- und Verwendungsverboten im Auge behalten.

Außerdem steht eine Änderung der REACH-Verordnung an: Die EU-Mitgliedsstaaten haben am 26. April 2018 einen Änderungsentwurf vorgelegt, der die Registrierung und Einordnung von Nanomaterialien präzisieren soll. Auch wenn EU-Parlament und EU-Rat den Entwurf jetzt drei Monate lang prüfen, arbeitet die ECHA schon an der Umsetzung.


Tipps und Hilfen für die REACH-Umsetzung

Weil REACH ein komplexes Themengebiet ist, sollten sich Betroffene Unterstützung holen – Unternehmen können sich zum Beispiel an die ECHA wenden.

Ein großer Schritt in Sachen REACH ist also am 01. Juni 2018 mit dem Ablauf der dritten Registrierungspflicht getan. Angesichts neuer Stoffe mit neuen Gefahren und alter Stoffe, die doch noch auf den Markt sollen oder die noch bewertet werden müssen, ist die Umsetzung der REACH-VO aber noch lange nicht erledigt.

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