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Berufskrankheiten: Werden Betroffene nicht angemessen entschädigt?

Die DGUV als sich selbst regulierendes und sich selbst kontrollierendes Kartell?

Werden Berufskrankheiten viel zu selten anerkannt? Werden Betroffene systematisch um ihr Recht auf Entschädigung durch die gesetzliche Unfallversicherung gebracht? Arbeiten Arbeitsmedizin, Gutachter und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), der Spitzenverband der Berufsgenossenschaften, nicht zum Besten für Betroffene? Diese Thesen vertritt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Beitrag "Diagnose: Am Job liegt es nicht" vom 25. Mai 2018. Recherchen in Zusammenarbeit mit dem DokZentrum ansTageslicht.de hätten ergeben, dass in Deutschland Berufskrankheiten "auffällig selten" anerkannt würden. Dahinter soll ein "ausgeklügeltes System" stecken, das die Industrie stützt.


Ein "ausgeklügeltes" System, das sich vor Zahlungen drückt?

Die SZ hält sich in ihrem Online-Beitrag zum Thema recht kurz: Nur 7 % aller Antragsteller sei beispielsweise im Jahr 2016 eine Rente zugesprochen worden. Wo es gehe, werde die Entschädigung abgelehnt. Die DGUV sei eine mächtige Instanz: Sie sei nicht nur diejenige, die bei Gesundheitsschäden zahle, sondern auch die, die definiere, was ein Gesundheitsschaden überhaupt sei. Die Ärzte der Berufsgenossenschaft entschieden als Teil des "ausgeklügelten" Systems schließlich auch, ob eine BK bei einem Arbeitnehmer festgestellt werde. Die Gutachter der BGn entschieden ebenfalls, ob der Schaden auf die Arbeit zurückzuführen sei. Von der DGUV finanzierte Stiftungslehrstühle, eine eigene Hochschule und eigene Forschungsinstitute würden dafür sorgen, dass die Forschungsergebnisse nicht unbedingt zum Besten für die Betroffenen und die Gesundheit der Beschäftigten ausfielen.

"Alles halb so wild, wenn doch die Krankenkassen und die staatliche Rentenversicherung für die Gesundheitsschäden der Betroffenen aufkommen", mag manch einer denken. Die SZ zieht den Rückschluss, dass die Solidargemeinschaft dadurch für ungesunde Arbeitsbedingungen zahlt. Somit gebe es keinen Anreiz für Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und mehr für Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu tun.


Über 90 % der Antragsteller geben direkt auf

Die DGUV als sich selbst regelndes und sich selbst kontrollierendes Monopol? Auf der Webseite www.ansTageslicht.de finden sich verschiedene Berichte und Artikel zum Thema. Von knapp über 75.000 Berufskrankheiten-Anzeigen seien im Jahr 2016 nur 20.513 anerkannt worden. Diese Zahlen sind ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, dass nach Recherchen der beiden Medien über 90 % der Antragsteller die Anerkennung ihrer Krankheit als beruflich bedingt aufgeben, sobald sich die Symptome aus der Erstmeldung an die gesetzliche Unfallversicherung, die oft vom Hausarzt ausgeht, keiner der gelisteten Berufskrankheiten zuordnen lassen.

ansTageslicht.de berichtet von "Tricks, Methoden und Strategien in der Arbeitsmedizin". Der Schwerpunkt liegt auf dem viel diskutierten "aerotoxischen Syndrom"; dabei handelt es sich um Gesundheitsschäden, die durch sogenannte "fume events" in Flugzeugkabinen ausgelöst werden können. Die Journalisten sprechen der Arbeitsmedizin die Unabhängigkeit in der Arbeitswissenschaft ab und berichten von einem Kartell der Gesetzlichen Unfallversicherung (GUV). Ziel des ganzen Systems? "... Weitestgehend zu verhindern, dass die GUV, wenn der Ernstfall eintritt, zahlen muss."

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