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Beleuchtung am Arbeitsplatz: Vorschriften, Mindestwerte, Umsetzung

Gutes Licht für die physische und psychische Gesundheit

Licht hat immense Auswirkungen auf den Menschen. Es beeinflusst

  • als sogenannter "Zeitgeber" den circadianen Rhythmus, im Volksmund auch "Biorhythmus" oder "innere Uhr" genannt
  • die Sehfunktion
  • das Leistungsvermögen
  • das Wohlbefinden
  • den Erholungseffekt

Lichtmangel und Licht zur falschen Zeit können krank machen – physisch etwa wegen verkrampfter Anpassungshaltungen oder überlasteter Augen, aber auch psychisch. Schlechte Beleuchtung erhöht außerdem die Unfallgefahr und beeinträchtigt damit die Arbeitssicherheit, zum Beispiel weil ein Beschäftigter ein Hindernis nicht richtig sieht und darüber stolpert. Deswegen gibt es für die Lichtverhältnisse beziehungsweise für die Beleuchtung an Arbeitsplätzen besondere Regeln.

Was grundsätzlich bei der Beleuchtung am Arbeitsplatz zu beachten ist, steht in der Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung –  ArbStättV); die technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4 "Beleuchtung" bietet konkrete Grenzwerte und Mindestwerte, die die Beleuchtung an Arbeitsplätzen erfüllen muss, als auch eine Gebrauchsanleitung zur orientierenden Messung. Betrachtet werden bei der Beleuchtung in Räumen in erster Linie:

  • der Tageslichtquotient: Beleuchtung durch Tageslicht ist der künstlichen Beleuchtung vorzuziehen. Der Tageslichtquotient besagt, ob die Beleuchtung durch Tageslicht ausreicht, und bezeichnet das Verhältnis der Beleuchtungsstärke an einem Punkt im Raum im Vergleich zum Freien.
  • die Beleuchtungsstärke: Sie beschreibt die Menge des Lichts, das auf eine Fläche fällt, gemessen in Lux (lx). Sie ist eine der wichtigsten Kenngrößen für die Beleuchtung am Arbeitsplatz.
  • Blendungen und Reflexionen durch falsche Beleuchtung.
  • die Farbwiedergabe: Die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Farbe, gemessen in Farbindices mit der Einheit Ra, ist ein wichtiger Aspekt für gesunde Beleuchtung am Arbeitsplatz. Die Farbwiedergabe stellt ein Qualitätsmerkmal der Lampe dar. Grundsätzlich werden Lampen mit einem Farbindex von mindestens Ra=80 empfohlen. Die Farbwiedergabe hängt aber nicht nur vom Index des Leuchtmittels, sondern auch von seiner Lichtfarbe ab. Die Lichtfarbe wird gemessen in Kelvin (K). Es gibt die Lichtfarben Warmweiß, Neutralweiß und Tageslichtweiß. Die Lichtfarbe hat eine biologische Wirksamkeit auf den Biorhythmus, das Wohlbefinden sowie die Konzentration.


Werte für den Tageslichtquotienten

Damit die Beleuchtung mit Tageslicht ausreicht, sollte der Tageslichtquotient laut der ASR A3.4 größer als 2 % , bei Dachoberlichtern größer als 4 % sein. Die ist in der Regel der Fall, wenn die Fensterfläche circa 10 % der Raumfläche beträgt. Hier ist trotzdem noch zu beachten, dass Arbeitsplätze, die nicht in der Nähe der Fenster liegen, in der Regel nicht ausreichend Tageslicht abbekommen. Auch je nach Jahres- und Tageszeit muss die natürliche Beleuchtung um künstliches Licht ergänzt werden.


Werte für die Beleuchtungsstärke

Welche Beleuchtungsstärke bei der künstlichen Beleuchtung in Räumen erreicht werden sollte, steht in einer detaillierten Tabelle in Anhang 1 der ASR A3.4. In Büros sollte beim Schreiben, Lesen und bei der Datenverarbeitung mindestens eine Beleuchtungsstärke von 500 Lux (lx) gegeben sein, beim Technischen Zeichnen sind 750 lx angemessen. Vorbereitungs- und Backräume in Bäckereien sollten 300 lx aufweisen; für die meisten Arbeiten an Maschinen sind laut ASR A3.4 300 lx ausreichend. Zum Vergleich: an einem Sommertag werden im Freien rund 100.000 Lux erreicht, an einem trüben Wintertag etwa 5.000.

Betrachtet man die Beleuchtungsstärken und ihre Verteilung auf den jeweiligen Flächen, spricht man von "Beleuchtungsniveau". Grundsätzlich ist eine gleichmäßige, flimmerfreie Beleuchtung erstrebenswert.


Vermeidung von Blendung: Werte für die Leuchtdichte bzw. den Reflexionsgrad beachten!

Eine zu hohe Leuchtdichte verursacht direkte Blendung. Deswegen sollten Lampen mit hoher Leuchtdichte abgewinkelt werden. Leuchtmittel mit mehr als 500.000 Candela/m2 (cd/m2), wie LEDs oder Halogenlampen, beispielsweise um 30 Grad. Eine zu hohe Leuchtdichte als direkte Blendung von außen kann durch Rollos, Jalousien oder Ähnliches gemindert werden.

Wie sehr eine gewisse Leuchtdichte blendet, hängt natürlich auch von dem Material ab, auf das sie trifft. Bei Reflexion – einem weiteren wichtigen Wert bei der Arbeitsplatz-Beleuchtung – handelt es sich um die indirekte Blendung, nämlich die Blendung, die entsteht, wenn ein Lichtstrom auf eine Fläche oder einen Gegenstand trifft und von dort reflektiert wird. Um diese Art der Blendung zu verhindern, sind Möbel, Arbeitsmittel oder Verkleidungen mit einem geringen Reflexionsgrad sinnvoll. Der Reflexionsgrad von Gegenständen kann gemessen oder anhand von Reflexionsgradtafeln bestimmt werden. Der ideale Reflexionsgrad liegt für Decken bei 0,7 bis 0,9, für Wände bei 0,5 bis 0,8, für Böden bei 0,2 bis 0,4 und für Arbeitsflächen, Möbel und Geräte bei 0,2 bis 0,7. 


Werte aus der ASR als Arbeitsschutz-Empfehlungen

Grundsätzlich handelt es sich bei den Angaben aus der ASR um Mindestwerte. Werden diese eingehalten, können Arbeitgeber davon ausgehen, dass sie ihre Arbeitsschutz-Pflichten erfüllen. Wer seinen Beschäftigten aber wirklich etwas Gutes tun will, der sollte die Beleuchtung individuell abstimmen. Ältere Personen empfinden zum Beispiel eine höhere Lux-Zahl besser zum Arbeiten geeignet als jüngere.

Noch nicht ausreichend erforscht ist die Wirkung von künstlichem Licht auf den biologischen Rhythmus des Menschen. Klar ist aber, dass warmweißes Licht, das einen relativ hohen Rotanteil hat, wohnlicher wirkt. Neutralweißes Licht hat ein ausgeglicheneres Farbspektrum und wirkt nüchtern und sachlich. Tageslichtweißes Licht hat einen hohen Blauanteil und wirkt ebenfalls eher kühl. Die BAuA stellt klar, dass die Beleuchtungsindustrie bereits "sogenannte biologisch wirksame Beleuchtung" entwickelt, während die Wirkung des Lichts auf den circadianen Rhythmus noch nicht ausreichend erforscht ist. Es gibt bereits moderne Beleuchtungskonzepte, bei denen sich Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke entsprechend dem Tageslichtverlauf anpassen. Chancen und Risiken stehen hier laut der BAuA noch auf dem Prüfstand.

Empfehlenswert ist bei der Arbeitsplatz-Beleuchtung in jedem Fall eine Mischung aus

  • Tageslicht,
  • einer indirekten allgemeinen Beleuchtung durch Decken- oder Wandlampen und
  • einer individuellen Lichtquelle für jeden Arbeitsplatz, wie Schreibtischlampen oder spezielle Arbeitsplatz-Leuchten.

Betrachten Sie also Arbeitsplätze im Hinblick auf ihre Beleuchtung genau! Dies kann ein wichtiger Beitrag zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sein und sich für alle Betroffenen auszahlen.

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