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In Start-ups mangelt es an Arbeits- und Gesundheitsschutz

Viele Maßnahmen sind ab dem 1. Beschäftigten Pflicht!

Laut der Förderbank Kfw gab es im Jahr 2017 in Deutschland über 500.000 Existenzgründungen. Für die Gründer ist das eine aufregende Zeit – wollen sie doch ihr Produkt oder ihre Dienstleistung am Markt etablieren. Was dabei oft zu kurz kommt, sind Arbeits- und Gesundheitsschutz der Mitarbeiter.

Sogenannte Start-ups – junge Unternehmen, die weniger als zehn Jahre am Markt sind – haben im Durchschnitt zehn Mitarbeiter. Arbeits- und Gesundheitsschutzvorschriften greifen aber schon ab dem ersten Beschäftigten. So muss es zum Beispiel eine Gefährdungsbeurteilung für jeden Arbeitsplatz geben. "Die von einer fachkundigen Person erstellte Gefährdungsbeurteilung hilft dabei, den Arbeits- und Gesundheitsschutz passgenau auf den Bedarf des Start-ups anzupassen", erklärt Werner Lüth, Fachgebietsleiter Arbeitssicherheit bei TÜV Rheinland. Aus der Gefährdungsbeurteilung ergeben sich die notwendigen Schutzmaßnahmen, die umgesetzt und deren Wirksamkeit kontrolliert werden müssen. Reichen die Maßnahmen nicht aus, muss nachgebessert werden!


Viele Arbeitsschutz-Pflichten gelten ab dem ersten Mitarbeiter

Ab dem ersten Mitarbeiter müssen laut dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) und ein Betriebsarzt bestellt werden. Bei kleineren Unternehmen übernimmt diese Aufgabe in der Regel ein externer Dienstleister. Ab zwei Mitarbeitern müssen Ersthelfer im Betrieb ausgebildet und benannt werden. Bei mehr als 20 Beschäftigten sind Sicherheitsbeauftragte zu benennen, die dem Mitarbeiterkreis entstammen müssen. Sibes unterstützen den Arbeitgeber bei der Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Betrieb und sind Ansprechpartner für ihre Kollegen.

Mal davon abgesehen, dass Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz durchaus Sinn machen und zum Besten für alle sind, müssen Arbeitgeber bei einer Überprüfung durch die Aufsichtsbehörden oder die Berufsgenossenschaft nachweisen, dass sie die notwendigen Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutz-Maßnahmen ergriffen haben, sonst werden Bußgelder fällig. Eine Dokumentation der GBU ist ebenfalls Pflicht. Kommt es zu einem Arbeitsunfall und Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz wurden missachtet, drohen rechtliche Konsequenzen.

Letztlich ist es der Arbeitgeber, der die Verantwortung für die Gesundheit und die Sicherheit der Beschäftigten und für die Umsetzung der rechtlichen Vorschriften trägt. Auch bei Start-ups, die noch im Wachsen begriffen sind und sich im Markt erst festigen müssen.


Arbeitsschutz-Vorschriften gelten auch für "harmlose" Arbeitsplätze

Wer nun denkt, dass er Arbeits- und Gesundheitsschutz vernachlässigen kann, wenn in seinem neu gegründeten Unternehmen nur Computerarbeitsplätze vorhanden sind, der irrt! Auch hier muss eine GBU gemacht werden – Themen sind zum Beispiel die technische Ausstattung, die Ergonomie der Büromöbel, der Bewegungsraum am Arbeitsplatz, die Beleuchtung oder die Positionierung des Bildschirms.

"In Start-ups mangelt es neben der Gefährdungsbeurteilung oftmals auch an der Organisation des Arbeitsschutzes: Verantwortlichkeiten sind nicht geklärt, geeignete Maßnahmen für Erste-Hilfe und Notfälle sind nicht festgelegt und auch Sicherheitsunterweisungen der Mitarbeiter kommen zu kurz", erklärt der TÜV. Dabei ist eines sicher: "Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter tragen zu einem störungsfreien Betriebsablauf bei und erhöhen die Zufriedenheit", so Lüth.

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