Nachricht

Paradox oder clever? App gegen Computerspielsucht im Betrieb

Neue App 'Retter der Zukunft' für Suchtprävention bei Azubis

Arbeitgeber vermelden zunehmend auffälliges Spielverhalten von Beschäftigten. Steckt vielleicht schon eine Internet- und Spielsucht dahinter? In 60 % der Unternehmen ist das mittlerweile ein Thema, wie eine Online-Befragung der Technischen Universität München aus dem Jahr 2016 zeigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Computerspiel- und Onlinesucht mittlerweile sogar als Krankheit eingestuft. Die DAK will dem Phänomen der Spielsucht in Betrieben gegensteuern – mit dem Computerspiel "Retter der Zukunft". Wie skurril ist das denn, Gaming-Sucht mit einem Computerspiel begegnen zu wollen?! Ganz und gar nicht skurril, findet die DAK, die mithilfe des Spiels, das als App heruntergeladen werden kann, die Medienkompetenz speziell von Auszubildenden fördern will. "Paradoxe Intervention" nenne man diese Art der Prävention, wie die DAK erklärt.

"Rund zwei Millionen Deutsche, fast alle im arbeitsfähigen Alter, sind gefährdet", sagt Professor Volker Nürnberg, Mitglied des BGM-Beirats der DAK-Gesundheit, Experte für Gesundheitsmanagement und Partner bei der Wirtschaftsprüfergesellschaft BDO. "Es ist für die Unternehmen ein massives Problem, aber ein Tabuthema."

Betroffene Mitarbeiter hätten mehr Fehlzeiten und Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration. Eine Spielsucht beeinträchtigt das Arbeitsleben genauso wie das Privatleben. Aber wie soll ausgerechnet eine App hier helfen? Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, erklärt das Prinzip der Paradoxen Intervention, das sich beispielsweise in der Psychotherapie bewährt. "Mit Verboten und erhobenem Zeigefinger erreicht man wenig. Wir leisten Prävention auf Augenhöhe und holen junge Menschen im Umfeld ihrer Ausbildung wirklich ab."

Das Präventions-Computerspiel heißt "Die Retter der Zukunft" und gehört zu den sogenannten "Serious Games", die ernste Inhalte attraktiv verpacken. Es bietet storyorientierte Point-and-Click-Elemente mit vielseitigen Mini-Spielen und popkulturellen Anspielungen. Das Game transportiert Erziehungsbotschaften subtil über Spielhandlung, Dialoge und Spielentscheidungen. Die Nutzer erspielen sich außerdem kurze Infotexte, die am Ende eine digitale Broschüre für mehr Medienkompetenz ergeben.

Die DAK erklärt, dass das "Therapie-Computerspiel" von Medien- und Suchtexperten geprüft und für gut befunden wurde, suchtfördernde Elemente seien nicht vorhanden. Das Spiel ist mit einem dazugehörigen Seminarprogramm gekoppelt, das Firmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) für Auszubildende einsetzen können.

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden