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Leiharbeit: Aktuelle Zahlen von der Bundesregierung

Für AÜG-Auswertung ist es zu früh

Was hat das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) gebracht, das im April 2017 in Kraft getreten ist? Wie viele Leiharbeiter gibt es derzeit in Deutschland? Wie viel verdienen diese? Wie war das im Vorjahr? Einige Abgeordnete und die Fraktion Die Linke haben eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, um die Wirkung des AÜG zu überprüfen.

Dass es dafür noch zu früh sei, betont die Bundesregierung in ihren Antworten. Da das Gesetz erst seit April 2017 gilt und die Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten demnach erst im Oktober 2018 das erste Mal erreicht wird, könne der Effekt des AÜG noch nicht bewertet werden. Eine Auswertung des AÜG sei für das Jahr 2020 vorgesehen. Dennoch sind die Zahlen zu Leiharbeit interessant. Hier im Überblick:

  • Im Dezember 2017 gab es 1,03 Millionen sozialversicherungspflichtig oder ausschließlich geringfügig beschäftigte Leiharbeitnehmer. Das waren 2,8 % aller Beschäftigten in Deutschland. Im Dezember 2013 lag die Quote bei 2,4 %. Damals waren es 853.000 Zeitarbeiter nach der eben genannten Definition.
  • 84 % der 961.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Leiharbeitnehmer im Dezember 2017 waren in Vollzeit tätig – 16 % in Teilzeit.
  • 1.868 Euro verdiente ein Leiharbeitnehmer im Dezember 2013 im Durchschnitt. Sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte verdienten dagegen 3.209 Euro. Laut Angaben der Bundesregierung müsse hier aber beachtet werden, dass Leiharbeitnehmer oft eine geringere Qualifikation und weniger Berufserfahrung mitbrächten als Vollzeitbeschäftigte und dass sie oft Helfertätigkeiten ausführten.
  • Zum Stichtag 31. Dezember erhielten 62,8 % einen Niedriglohn, also ein Gehalt unter der "bundeseinheitlichen Schwelle des unteren Entgeltbereichs in Höhe von 2.139 Euro". Bei den Vollzeitbeschäftigten waren es "nur" 19,8 % bzw. 4,2 Millionen, die im Niedriglohnbereich lagen.
  • 0,9 % aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten erhielten im Dezember 2017 Arbeitslosengeld II (ALG II) als Aufstockung zu ihrem Gehalt. Bei den Vollzeitbeschäftigten in der Branche "Arbeitnehmerüberlassung" lag die Quote bei 4,2 %. Eine Zahl dezidiert zu Leiharbeitnehmern gibt es hier nicht.
  • Die meisten Leiharbeitnehmer gab es im Dezember 2017 mit 256.000 in der Lagerwirtschaft. Den höchsten prozentualen Anteil von Leiharbeitnehmern gab es mit 14,9 % in der Metallbearbeitung.
  • 1.543 Euro verdienten Leiharbeiter im Dezember 2017 in der Lagerwirtschaft im Vergleich zu 2.355 Euro, die sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte bekamen. 88 % der Leiharbeiter und 40 % der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten lagen im Niedriglohnbereich.
  • Der durchschnittliche Leiharbeiter in der Metallbearbeitung verdiente 1.738 Euro, der Vollzeitarbeiter 3.116 Euro. Hier gingen 71 % der Leiharbeiter und 21 % der Beschäftigten in einem "normalen" Arbeitsverhältnis mit einem Gehalt im Niedriglohnbereich nach Hause.
  • Über die Gesamtwirtschaft hinweg liegt die Niedriglohnquote bei 19,8 %.
  • Andere Zahlen spuckt das IAB-Betriebspanel aus: Zum Stichtag 30. Juni 2017 gab es demnach 598.000 Leiharbeitskräfte. Den höchsten Anteil verzeichnete mit 35 % die Branche "Investitions- und Gebrauchsgüter".
  • Von den Leiharbeitskräften, deren Beschäftigungsverhältnis im zweiten Halbjahr 2017 endete, waren 90 Tage nach der Beendigung 308.000 Personen ohne Arbeit. Die restlichen 475.000 waren in Beschäftigung (davon 260.000 sozialversicherungspflichtig; 54.000 geringfügig, 160.000 als Leiharbeitnehmer).
  • Im zweiten Halbjahr 2017 hätten 56 % der Beschäftigungsverhältnisse  länger als 9 Monate gedauert, im ersten Halbjahr 24 %. Für diese gilt mit dem neuen AÜG eine "equal-pay-Regelung", die gleichen Lohn für gleiche Arbeit verspricht, was den Vergleich mit der Stammbelegschaft angeht. Ausnahmen sind hier je nach Tarifvertrag allerdings möglich.
  • Auch bei der Höchstüberlassungsdauer sind tarifvertraglich vereinbarte Ausnahmen möglich. Beschäftigte können also unter bestimmten Umständen länger als 18 Monate in einem Zeitarbeitsverhältnis sein. Wie viele Beschäftigte von solchen Ausnahmeregelungen betroffen sind, kann die Bundesregierung nicht sagen.
  • Wie viele Arbeitgeber schon auf die Einhaltung der equal-pay-Regelung überprüft wurden und wie viele Verstöße es gab, kann die Bundesregierung ebenfalls nicht sagen. Prüfungen würden im Zusammenhang mit den Prüfungen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz durchgeführt und nicht separat ausgewertet.
  • Am stärksten (nämlich um 2,3 Prozentpunkte) stieg die Zahl der Leiharbeitnehmer von 2014 bis heute in den Berufen der Bau- und Transportgeräteführung.

Sämtliche Antworten und Zahlen finden Sie in ausführlichen Tabellen am Ende des Dokuments. Folgen Sie einfach dem Link zur Antwort der Bundesregierung vom 04. September 2018!


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