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Gefährdungsbeurteilungen in Betrieben: Zahlen, Daten, Fakten

baua: Fokus 'Gefährdungsbeurteilungen in der betrieblichen Praxis'

Seit 1996 ist sie im Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben, die gute alte Gefährdungsbeurteilung. ABER: Mehr als 20 Jahre später erfüllen immer noch knapp die Hälfte der Betriebe in Deutschland diese gesetzliche Pflicht nicht. Im Jahr 2011 machten 45,8 % der Unternehmen keine GBU – 2015 waren es immer noch 44,8 %. Die Folge: Sie ignorieren einen Grundpfeiler des Arbeitsschutzes und setzen damit die Sicherheit ihrer Beschäftigten und unter Umständen auch das eigene Unternehmen aufs Spiel.

Um einen Überblick über den Stand der Dinge in Sachen GBU zu bekommen, hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Betriebsbefragungen 2011 und 2015 der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) ausgewertet. Die Ergebnisse finden Sie im neuen baua: Fokus "Gefährdungsbeurteilungen in der betrieblichen Praxis". Die interessanten Fakten haben wir für Sie zusammengefasst:

  • Während im Jahr 2011 50,9 % der Betriebe angaben, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen, waren es 2015 weiter nur 52,4 %.
  • Eine Abnahme gab es sogar bei der Regelmäßigkeit: Während 2011 noch 85,5 % derer, die GBU erstellen, diese regelmäßig durchführten, sank dieser Anteil auf 81,7 %. Bei einem Neueinsatz auf einem Arbeitsplatz halten nur noch 64,9 % eine GBU für nötig (2011: 67,2 %). Mehr Unternehmen führen ihre GBU scheinbar auf Bitten und Beschwerden der Beschäftigten durch: 2011 waren dies 58,5 %, 2015 dann 61,9 %. Besondere Vorkommnnisse wie zum Beispiel Unfälle waren im Jahr 2015 für 70,7 % der Betriebe Anlass, sich um eine Gefährdungsbeurteilung zu kümmern (2011: 69,5 %).
  • In größeren Betrieben ab 250 Beschäftigten werden eher regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt als in kleineren Betrieben (90,3 % vs. 81,6 %). Auch Veränderungen in der Arbeitsorganisation, Bitten und Beschwerden von Beschäftigten sowie Vorkomnisse lösen in größeren Firmen eher die Durchführung einer GBU aus als in kleineren. Nur beim Neueinsatz am Arbeitsplatz dreht sich dieses Bild um: Während dies nur in 46,4 % der 250-plus-Betriebe der Grund für die GBU ist, ist das in 65,2 % der kleineren Betriebe der Fall.
  • Nach wie vor sind es die klassischen Arbeitsschutz-Aspekte, die die Betriebe in ihren GBU vornehmlich betrachten, also schwere körperliche Belastungen, Umgang mit Maschinen und Arbeitsgeräten, Lärm usw. Die Betrachtungen der sozialen Beziehungen als Aspekt in der Gefährdungsbeurteilung sind über alle Unternehmen gesehen sogar von 44,4 % im Jahr 2011 auf 35,2 % in 2015 gesunken.
  • Grundsätzlich betrachten Dienstleistungsbetriebe die psychischen Belastungen in ihren GBU häufiger als Produktionsbetriebe.

Die GDA-Befragungen sind auch den Gründen dafür nachgegangen, warum Betriebe keine Gefährdungsbeurteilung machen. Diese sind

  • Es gibt keine nennenswerten Gefährdungen (2011: 84,8 %/2015: 81,0 %)
  • Mitarbeiter erkennen Sicherheitsdefizite selbst (83,0 % vs. 83,2 %)
  • Der Nutzen ist zu gering (47,0 % vs. 40,4 %)
  • Die Vorschriften sind nicht bekannt (26,6 % vs. 27,4 %)
  • Die gesetzlichen Anforderungen sind unklar (15,2 % vs. 14,7 %)
  • Hilfestellungen fehlen (14,6 % vs. 13,8 %)

Fazit der BAuA: Angesichts dessen, dass so viele Betriebe immer noch keine GBU durchführen, dass der Nutzen bezweifelt wird und dass Betriebe unrealistische Erwartungen an die Ergebnisse einer GBU haben, sei eine klare Kommunikation zu Sinn und Nutzen von Gefährdungsbeurteilungen in der betrieblichen Praxis immer noch wichtig und notwendig.

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