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Was sich blinde und sehbehinderte Mitarbeiter wünschen

Umfrage-Ergebnisse zur 'Woche des Sehens'

Die schlecht beleuchtete Speisekarte in der Kantine, der Kaffeeautomat mit Touchscreen, Präsentationen ohne genauere Erläuterungen – viele Dinge im Arbeitsalltag stellen für blinde und sehbehinderte ein Menschen ein Problem dar. Angesichts der "Woche des Sehens" (08. bis 15. Oktober) hat die gleichnamige Initiative eine Befragung unter blinden und sehbehinderten Menschen durchgeführt. Was wünschen Sie sich von Ihren Chefs und Kollegen, damit Ihr Arbeitsalltag leichter wird? Dabei kam heraus, dass es nicht nur technische Barrieren sind, sondern auch Barrieren in Köpfen, die den Betroffenen das Leben schwermachen.

Mit diesen Top-10-Wünschen würde einiges besser:

  1. Barrierefreiheit als Selbstverständlichkeit: Schwer erkennbare Gegenstände, Displays oder Touchscreens sind nur einige der Hindernisse, die Betroffenen den Arbeitsalltag erschweren. Meistens können sie mit wenig Aufwand verbessert oder gar beseitigt werden.
  2. Keine Vorbehalte! "Blinde und sehbehinderte Arbeitnehmer werden häufig als ein Problem gesehen, das es zu lösen gilt", erklärt die Initiative "Woche des Sehens". Vorgesetzte und Kollegen sollten mehr Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer seheingeschränkten Kollegen oder Mitarbeiter haben.
  3. Weniger Bürokratie! Wenn ein Betroffener die ihm zustehende Ausstattung eines Arbeitsplatzes mit entsprechenden Hilfsmitteln und eine Arbeitsassistenz in Anspruch nehmen möchte, sollte das mit weniger bürokratischem Aufwand möglich sein. Die Realität sieht derzeit so aus: "Zuständigkeiten sind nicht geregelt, Anträge drehen unnötige Schleifen und unbedingt Notwendiges wird willkürlich abgelehnt, so dass zeitraubende Widerspruchsverfahren nötig sind."
  4. Ergonomische Hilfsmittel: Hilfsmittel, wie etwa Hardware oder Software für Blinde und Sehbehinderte, sollten ihren Zweck auch erfüllen – bei der Beschaffung ist also gute Planung nötig. Viele Betroffene wünschen sich auch Richtlinien für Softwarehersteller, was Kompatibilität und Schnittstellen angeht.
  5. Qualifizierungsmöglichkeiten, bitte! Weiterbildungen sollten auch ohne Auto erreichbar sein und nicht visuell aufbereitet sein, damit blinde und sehbehinderte Beschäftigte daran teilhaben können.
  6. Bessere Rahmenbedingungen! Viele Betroffene wünschen sich bessere Vorschriften zur Barrierefreiheit, eine Anhebung der Ausgleichsabgabe für Betriebe, die keine Schwerbehinderten beschäftigen, und bessere Hilfe im Behördendschungel.
  7. Assistenz wird benötigt! Zwar gibt es Assistenzen, aber: "... die Regelungen, was eine Assistenz darf oder nicht und für wie viele Stunden sie genehmigt wird, sind mit der realen Berufswelt beispielsweise eines blinden Firmeninhabers nicht vereinbar", so die "Woche des Sehens".
  8. Vorgesetzte, die mitdenken: Viele Betroffene wünschen sich von ihren Vorgesetzten und Arbeitgebern, dass sie das Handicap mitdenken und beispielsweise nonverbale Kommunikation "dolmetschen" und alltägliche Hindernisse beseitigen. Damit Führungskräfte wissen, wo der Schuh drückt, gibt es Sensibilisierungs-Workshops und Supervision.
  9. Freie Wege! Im Betrieb sind zugestellte Wege gefährliche Stolperfallen, nicht nur, aber besonders für blinde und sehbehinderte Menschen. Auch auf dem Arbeitsweg etwa mit der Bahn wünschen sich viele Betroffene bedarfsgerechte Information zum Beispiel bei Verspätungen.
  10. Mehr blindengerechte Arbeitsplätze! Gerade in großen Unternehmen sollte es mehr blindengerechte Arbeitsplätze geben. Zum Beispiel welche, für die kein Führerschein nötig ist.
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