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Gefahrstoffe und AGW: Messverfahren dringend gesucht!

Ergebnisse und Vorträge des 5. Symposiums 'Gefahrstoffe am Arbeitsplatz'

In Deutschland gibt es rund 500 chemische Stoffe mit einem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) – aber für fast 200 davon gibt es kein geeignetes Messverfahren. Das berichtet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Deswegen rufen die Arbeitsgruppe Luftanalysen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und die Arbeitsgruppe Analytik der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) Praktiker dringend dazu auf, neue Messverfahren aus ihrem Arbeitsalltag zu melden. Schließlich lassen sich nur über korrekte Arbeitsplatzmessungen mit einer geeigneten Messstrategie die wirksamen und nötigen Arbeitsschutz-Maßnahmen ableiten. Dazu riefen sie auf dem 5. Symposium "Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Probenahme – Analytik – Beurteilung" im September 2018 in Dortmund auf.

Grenzwerte werden gesundheitsbasiert festgesetzt, unabhängig davon, ob es ein Messverfahren gibt oder nicht. Deswegen ist es für viele Arbeitsbereiche also schlicht und ergreifend gar nicht möglich, Grenzwerte zu messen. Ein Beispiel dafür ist die Ableitung von Beurteilungsmaßstäben für krebserzeugende Stoffe. "Das entsprechende Risikokonzept führte zu Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen, die deutlich unterhalb der früheren Technischen Richtkonzentrationen liegen", berichtet die BAuA. Würden die Akzeptanzkonzentrationen Ende 2018 um den Faktor 10 abgesenkt werden (so war es geplant, die Umsetzung wurde aber wegen der Überarbeitung des Risikokonzepts verschoben), würden sie bei einem Risiko von 4:100.000 für eine berufsbedingte Krebserkrankung liegen. In Vorträgen auf dem 5. Symposium "Gefahrstoffe am Arbeitsplatz" wiesen Experten auf die Probleme und Grenzen der Messtechnik hin und riefen dazu auf, Praxislösungen einzureichen.

Auch wenn das ein großer Punkt auf dem Symposium war, so gab es noch weitere. Die Vorträge, unter anderem zu den Themen

  • neue Verfahren in der Messtechnik
  • Vereinfachung von Messmethoden
  • neue Grenzwerte
  • gegenseitige Ergänzung von Bio- und Luftmonitoring
  • erste Erkenntnisse aus Arbeitsplatzmessungen bei additiven Fertigungsanlagen (3D-Druck)
  • Gerüche in Innenräumen

stehen Ihnen ab sofort zum Herunterladen bereit.


Übrigens: Die Experten bemängelten in ihren Vorträgen die grundsätzliche Arbeitshygiene in manchen Betrieben. Die Sicherheit am Arbeitsplatz könne nicht ausschließlich durch die Einhaltung von Grenzwerten gewährleistet werden; Arbeitshygiene sei ebenso ein wichtiger Teil der Arbeitssicherheit.


Zum ersten Mal wurde auf der Veranstaltung außerdem der "arbe.ana"-Preis verliehen. Prof. Dr. Dr. Antonius Kettrup, Prof. Dr. Wolfgang Riepe und Dr. Jürgen Keller wurden dafür ausgezeichnet, dass sie einen wesentlichen Anteil daran hatten und haben, die Grundlagen für die Messung von Gefahrstoffen an Arbeitsplätzen zu etablieren.

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