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Arbeitsschutz Aktuell 2018 – Erlebnis-Bericht von der Arbeitsschutz-Messe

Der Faktor Mensch im Mittelpunkt

Klein und fein präsentierte sich die 24. Arbeitsschutz Aktuell vom 23. bis 25. Oktober 2018 in der Halle 1 der Stuttgarter Messe. Die Arbeitsschutz-Interessierten, die dorthin pilgerten, konnten neben den 280 Messe-Ausstellern aus 19 Ländern, den interessanten Vorträgen im Regionalforum und dem vielseitigen Programm des Arbeitsschutz-Aktuell-Kongresses einiges entdecken. Die Arbeitsschutz-Portal-Redaktion war vor Ort.


Arbeitsschutz wird aktiv, kommunikativ und "verspielt"

Beim Schlendern über die Messefläche fiel schnell auf: Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit scheinen immer mehr zum Erlebnis zu werden und Kommunikation wird groß geschrieben. Im klassischen Arbeitsschutz scheinen Betriebe gut aufgestellt – jetzt wird der "Faktor Mensch" offenbar immer wichtiger. Sprich: Die Messe-Besucher konnten zahlreiche Möglichkeiten erleben und ausprobieren, die sicheres Verhalten am Arbeitsplatz fördern, Beschäftigte dafür sensibilisieren und die Gesundheit der Mitarbeiter erhalten.

Arbeitsschutz-Sprechstunde zu Maschinenmanipulation von der DGUV, Quelle: Arbeitsschutz-PortalSo war der Pkw-Fahrsimulator von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) ständig besetzt und die Experten-Sprechstunden von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) waren gut besucht: Dort stellte zum Beispiel Edith Münch von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) die Handlungsfelder und den Kulturcheck der Präventionskampagne "kommmitmensch" vor. Dass Gesprächsbedarf besteht, zeigte die Arbeitsschutz-Sprechstunde mit Dr. Björn Ostermann zum Thema "Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen". Sind immer noch durchschnittlich ein Drittel aller Maschinen manipuliert, wie vor ein paar Jahren eine Umfrage ergeben hat? Was sollte eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) tun, wenn sie Manipulation entdeckt? Die Erfahrungen der Teilnehmer der Sprechstunde waren sehr unterschiedlich, der Gesprächsbedarf war bei allen groß.

Business-Qigong mit Awai Cheung, Quelle: Arbeitsschutz-PortalEin weiteres zentrales Thema: Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Was hält Mitarbeiter gesund, was können Betriebe dafür tun? Eine spannende Möglichkeit, die Awai Cheung von der Akademie für asiatische Bewegungskunst im Forum jobfit.aktuell vorstellte, ist Business-Qigong. Es besteht aus Übungen aus dem chinesischen Qigong, die für den beruflichen Alltag angepasst wurden. "Achtsamkeit" ist hier das Stichwort ... Stopp, hören Sie nicht auf zu lesen, weil Sie dieses Wort nicht mehr hören können! Fließende, bewusste Bewegungen, ein freundliches Lächeln für Ihr Gegenüber, bewusste und tiefe Atmung – setzen Sie das ein? Es könnte sich lohnen, mal drauf zu achten!


VR-Unterweisung – ein Blick in die Zukunft?

Arbeitsschutz-Portal-Redakteurin Eva Ebenhoch probiert die VR-Unterweisung sicheres Krankenhaus aus, Quelle: Arbeitsschutz-PortalEin guter Schritt in die Arbeitswelt 4.0 könnte die virtuelle Unterweisung sein: Arbeitsschutz-Aktuell-Besucher konnten das Arbeiten im virtuellen "sicheren Krankenhaus" ausprobieren. Als Webanwendung gibt es das sichere Krankenhaus schon, die "erlebte" Unterweisung in einem virtuellen Krankenhaus ist eine absolute Neuheit, die die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) gemeinsam mit dem Unternehmen showpixelVR entwickelt. Seit etwa drei Jahren arbeiten sie an der Umsetzung. Dr. Frank Laurich von showpixelVR berichtete: "Unsere Entwicklung ist bisher neu im Bereich Arbeitsschutz und Prävention. Die Leute sind hier total konzentriert. Die virtuelle Unterweisung hat eine andere Intensität." Mit der Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf tauchten viele Messe-Besucher in die virtuelle Krankenhaus-Welt ein. Bisher gibt es im sicheren Krankenhaus Unterweisungs-Module für sicheres Verhalten bei einem Brand und den Umgang mit Chemikalien; vorstellbar sind unzählige weitere Bereiche. Bis Ende 2018 soll es am Standort Bochum ein Schulungszentrum geben, in dem die VR-Unterweisung absolviert werden kann. Die Zukunfts-Vision ist eine Roadshow, um die Anwendung deutschlandweit zu etablieren.

Auf den Spieltrieb des Menschen setzt auch "Simkult" – das Spiel ist noch in der Entwicklung. Zielgruppe sind alle Mitarbeiter in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Spieler bauen ihren eigenen Betrieb mit Angestellten auf und merken schnell, dass ihr Handeln direkte Auswirkungen auf die Zufriedenheit und die Gesundheit der Beschäftigten und damit auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens hat. "'Simkult' ist ein Multiplayer für 5 bis 20 Personen. Jeder ist hier Führungskraft", erklärt Dr. Felix Kapp von der TU Dresden, die mit der DGUV das Spiel entwickelt. Im Februar 2019 geht Simkult in die Erprobungsphase. Wie genau es in Betrieben Fuß fassen soll und kann, ist noch nicht klar.

Blick von oben auf die Arbeitsschutz Aktuell 2018, Quelle: Arbeitsschutz-PortalEbenfalls am Faktor Mensch setzte die Stresskammer von der DGUV an. Wie stressresistent sind Sie bei der Arbeit? Wer sich für die Coolness in Person hielt, wurde schnell eines Besseren belehrt. Schon kleine Faktoren, wie mangelnde Handlungsfreiheit und ein schlechtes Betriebsklima, verursachen Stress. Psychologiestudenten betreuten die Stresskammer und zeigten geschickt: Es lohnt sich für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter (gesund) halten wollen, sich mit den 6 Handlungsfeldern der Präventionskampagne "kommmitmensch" zu befassen und diese positiv zu beeinflussen. Die Stresskammer ist ein interessantes Instrument, um die Auswirkungen psychischer Fehlbelastung aufzuzeigen. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich mal hineinbegeben.

Dass der klassische Arbeitsschutz auf dem Weg in die Arbeitswelt 4.0 noch so einige Hürden zu nehmen hat, erklärte Dr. Michael Thierbach am Stand der Kommission für Arbeitsschutz und Normung (KAN): Derzeit ist eine Norm für intelligente persönliche Schutzausrüstung (PSA) für Hitze und Flammen in Arbeit. Der Eindruck des KAN-Experten: Erst wenn die Norm steht, werden die Hersteller sich an dieses Thema wagen. Bisher gebe es kaum intelligente PSA. Hersteller stünden vor dem Problem, dass sie diese nicht auf Herz und Nieren und entsprechend festgeschriebener Vorgaben prüfen könnten. Die Norm, deren Veröffentlichung er in zwei bis drei Jahren erwartet, wird es den PSA-Herstellern nach Thierbachs Einschätzung leichter machen, Prüf-Kriterien und -Standards zu definieren.

Es bleibt also spannend zu sehen, wo die Entwicklung im Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz hingeht – die Arbeitsschutz Aktuell 2018 bot einen guten Einblick in den Stand der Dinge. Wer weiß, was wir auf der Arbeitsschutz Aktuell 2020 dann schon zu sehen bekommen …


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