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Ladungssicherung: Neue Zurrgurte haben oft gravierende Mängel

Auch GS-Zeichen ist keine Garantie für Qualität und Sicherheit

Neu gekaufte Zurrgurte sind nicht sicher - das hat ein Test vom Fachverband Seile und Anschlagmittel e.V. (FSA) ergeben. Fast 50 % der 36 nagelneu gekauften Zurrgurt-Systeme wies gravierende Mängel auf. Genauer: Sie haben die "physikalische Prüfung nach DIN EN 12195-2 mit erheblichen Mängeln nicht bestanden, ein weiteres Drittel der Produkte war zumindest mit einem Mangel behaftet." 35 Mitglieder zählt der FSA, die getesteten Zurrmittel waren alle von Nicht-Mitgliedern.

Zynisch kann man sagen, die getesteten und durchgefallenen Ladungssicherungs-Produkte hätten die Ablegereife bereits "vor" dem Verkauf erreicht. Laut FSA-Geschäftsführer Thomas Vierhaus dürften "die Zurrmittel gar nicht erst verkauft werden". Qualität ist bei der Ladungssicherung und den dabei verwendeten Produkten oberstes Gebot, denn: Ist die Ladungssicherung nicht ordnungsgemäß und es passiert ein Unfall, sind die Schäden oft enorm. Der FSA stellt ebenfalls klar, wer für den Verkauf solch mangelhafter Produkte verantwortlich ist: die Hersteller, die Einführer bzw. Importeure und am Ende auch der Händler. Geregelt ist das im Produktsicherheitsgesetz (ProdSG).

Getestet wurden zweiteilige Zurrgurtsysteme mit einer Zurrkraft (LC) von 2.500 daN, was in etwa 2.550 kg entspricht. Von den 36 getesteten Zurrgurt-Systemen, die alle der physikalischen Prüfung nach DIN EN 12195-2 unterzogen wurden, hätten 17 "niemals […] in den Verkauf gelangen dürfen".

Diese Mängel fanden die Prüfer am häufigsten:

  • 16x übermäßige Dehnung und unzureichende Bandbruchkraft
  • 9x wurde der Handhebeltest nicht bestanden (bspw. Handhebel verbogen, unzulässig hohe Halbwellendeformation oder Abscherung der Sperrschieber)
  • 9x wurde die auf dem Etikett angegebene Vorspannkraft des verwendungsfertigen Zurrgurtes nicht erreicht


Das GS-Zeichen ist kein Garant für gute Produkt-Qualität

Von außen nicht erkennbare Materialfehler fielen dem FSA am häufigsten auf. Um eben genau auf solch schlechte Qualitäten nicht hereinzufallen, empfiehlt die Bezirksregierung Köln in einem Faltblatt den Kauf von Zurrgurten mit dem GS-Zeichen, das für "Geprüfte Sicherheit" steht. Aber: 14 der 17 als mangelhaft getesteten Zurrgurte hatten das GS-Kennzeichen … "Wir waren schockiert", erklärt Vierhaus, "denn wir hatten niemals mit einem so verheerenden Ergebnis bei den mit dem GS-Siegel gekennzeichneten Produkten gerechnet."

Der FSA ruft die Behörden jetzt zum Handeln auf: Mit einem Vertreter der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr) und einem des zuständigen DIN-Normenausschusses suchten FSA-Mitglieder im Juli 2018 die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) in München auf. Diese ist für die Überprüfung der Konformitätsbewertungsstellen zuständig, die ein GS-Zeichen überhaupt vergeben dürfen. Außerdem koordiniert die ZLS die Aufgaben der Marktüberwachungsbehörden aller deutschen Bundesländer. "Hier besteht in der Tat dringender Handlungsbedarf für unsere Behörde sowie für die gesamte Marktüberwachung", zitiert der FSA Ministerialrat Hans-Georg Niedermeyer, den Leiter der ZLS. Jede Stelle, die das GS-Zeichen vergeben dürfe, habe die Herstellung der verwendungsfertigen Zurrgurte und die rechtmäßige Verwendung des GS-Zeichens mit geeigneten Maßnahmen zu überwachen – auch im Ausland.

Michael Garz von der BG Verkehr berichtete aus der Praxis: "Immer wieder werden uns Unfälle gemeldet, bei denen sich Lkw-Fahrer am Armgelenk verletzen oder von der Ladefläche des Fahrzeuges fallen, wenn der Handhebel verbiegt oder beim Spannvorgang plötzlich versagt. Die Unfallfolgekosten trägt dann der Unfallversicherungsträger, während die Hersteller solcher 'Gammelgurte' den Gewinn einstreichen."


Missbrauch von GS-Zeichen und die Folgen

Darin, dass Verstöße gegen Vorschriften konsequenter geahndet werden müssen, waren sich alle einig. Die Quelle der GS-Zeichen und die Verantwortlichen in der Lieferkette seien hier an erster Stelle zu überprüfen. Niedermeyer erklärte, Verstößen und Missbrauch "beharrlich" nachzugehen und nachgewiesene Tatbestände zu ahnden, zum Beispiel durch die Aussonderung betroffener Konformitätsbewertungsstellen oder durch den Entzug des GS-Zeichens. Wer das GS-Zeichen vorsätzlich missbraucht, muss außerdem mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe rechnen.

"Werden die gesetzlichen Vorschriften des Produktsicherheitsrechts nicht eingehalten, stehen den Marktaufsichtsbehörden weitreichende Eingriffsrechte bis hin zu Rückrufaktionen zu", so der Leiter der ZLS. Vierhaus ergänzte: "Die Missachtung gesetzlicher Vorschriften zur Produktsicherheit kann drastische Folgen haben. Bei schweren Verstößen sieht das ProdSG Bußgelder bis zu 100.000 Euro vor. Die haftungsrechtlichen Konsequenzen reichen bis zur strafrechtlichen Verfolgung."


Auch die Händler sind in der Pflicht

Der FSA betont außerdem die Pflichten der Händler: "Wer Produkte unter seinem Namen oder seiner Marke verkauft, egal woher sie stammen und ob er sie selbst gefertigt hat oder nicht, gilt als 'Hersteller' im Sinne der einschlägigen Gesetze und ihn trifft die volle Produktverantwortung." Diese Produktverantwortung umfasse vor allem die Herstellerpflichten zur Produktprüfung, Produktkontrolle, die Dokumentation und die anschließende Produktüberwachung. "Wir wissen, dass viele Importeure bzw. Einführer, die fremde Produkte unter eigenem Namen vertreiben, hier sehr blauäugig vorgehen, die Kosten einer Produktprüfung sowie der regelmäßigen Kontrolle einsparen und sich allein auf fremde Prüfzeugnisse berufen", lautet der Vorwurf von Vierhaus. "Der FSA hat in den vergangenen Jahren bereits einige 'Hersteller' erfolgreich abgemahnt, weil sie ihre Hausaufgaben einfach nicht gemacht haben und zum Beispiel Produkteigenschaften auslobten, die sie niemals selbst getestet hatten und die schlicht nicht vorhanden waren. Diesen Etikettenschwindel darf man getrost Betrug nennen, der eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung zur Folge hat. Der Ehrliche ist, wie so oft, auch in diesem Fall der Dumme: Er kann seine ordnungsgemäß überwachten und geprüften Produkte aufgrund des eventuell daraus resultierenden höheren Preises nicht verkaufen. Im Bereich der Zurrgurte sprechen wir hier vielfach über geringste Beträge, die den Ausschlag geben."

Der FSA sieht nur folgende Möglichkeiten, um solche schwarzen Schafe zu treffen: Das Inverkehrbringen und der weitere Vertrieb müssten untersagt werden. Denn, so Vierhaus: "Viele Anbieter werden vermutlich nur aus Schaden klug. Aufklärerische Maßnahmen verpuffen nach unserer Erfahrung vollkommen wirkungslos."

 

FSA fordert EU-Verordnung für Zurrmittel

Fazit des FSA: Die Herstellung und das Inverkehrbringen von Zurrmitteln (also Zurrgurten, Zurrketten und Zurrdrahtseilen) müsste genauso rechtlich geregelt werden, wie es zum Beispiel bei Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) durch eine EU-Verordnung der Fall ist. Dadurch, dass Zurrmittel Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) seien, sei nur die Pflicht zur wiederkehrenden Prüfung geregelt, nicht aber Herstellung und Inverkehrbringen.

"Auch Zurrmittel dürften ohne technische Prüfungen und eine ständige Produktionsüberwachung nicht in den Verkehr gebracht werden", fordert der FSA-Geschäftsführer und führt aus: "Für PSA zum Schutz vor tödlichen Gefahren oder irreversiblen Gesundheitsschäden ist beispielsweise eine EG-Baumusterprüfung gefordert, das heißt die Prüfung und Zertifizierung durch eine notifizierte Stelle. Eine unabhängige Stelle muss darüber hinaus in unregelmäßigen Abständen wiederkehrende Produktprüfungen oder die Überwachung des Qualitätssicherungssystems durchführen. Ferner ist eine interne Fertigungskontrolle des Herstellers gefordert, mit der sichergestellt wird, dass die hergestellte PSA dem geprüften Baumuster entspricht. PSA, die das Konformitätsbewertungsverfahren bestanden haben, werden mit der CE-Kennzeichnung versehen, die um die Kennnummer der überwachenden Stelle ergänzt wird."

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