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Pendler: 10 % höhere Fehlzeiten wegen Psyche

TK-Report 'Mobilität in der Arbeitswelt' 2018

Pendler haben 10 % höhere Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen als Beschäftigte mit kurzem Arbeitsweg. Insgesamt sind sie aber weniger krankgeschrieben. Diese erstaunlichen Zahlen gehen aus dem aktuellen Report "Mobilität in der Arbeitswelt" von der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Die Daten stammen aus den TK-Gesundheitsreports 2011 bis 2017 und aus einer Metastudie.

In Deutschland pendeln 45 % der Beschäftigten zu ihrer Arbeit. Das heißt, ihr Arbeitsplatz liegt in einem anderen Kreis als ihr Zuhause. Im Jahr 2017 waren Berufspendler mit 13,7 Fehltagen insgesamt einen halben Tag weniger krankgeschrieben als Berufstätige mit kurzem Arbeitsweg und 14,2 Arbeitsunfähigkeits-Tagen. Während 52,3 % der Beschäftigten mit kurzem Arbeitsweg mindestens einmal krankgeschrieben waren, blieben Berufspendler nur zu 49,4 % mindestens einmal krankheitsbedingt der Arbeit fern. Albrecht Wehner von der TK begründet die mit dem sogenannten "Healthy-Worker-Effekt": Weitere Arbeitswege werden offenbar eher von Menschen mit guter Gesundheit in Kauf genommen.


Pendlen verursacht psychisch bedingte Fehlzeiten

Dafür scheinen diese weiten Arbeitswege die Nerven ziemlich anzugreifen: Die psychisch bedingten Fehltage lagen 2017 bei Pendlern fast 11 % höher als bei den Beschäftigten mit Nah-Berufsverkehr. Bei den Frauen betrug die Differenz sogar rund 15 %! Auf 100 Pendler entfielen im Jahr 2017 ganze 242 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. 219 Fehltage waren es bei den Beschäftigten mit kurzer Anreise zur Arbeit. Der TK-Experte erklärt weiter: "Weil die Berufe, die überdurchschnittlich mit Pendeln verbunden sind, sonst eher durch geringere psychische Belastungen gekennzeichnet sind, gehen wir davon aus, dass die höheren psychisch bedingten Fehlzeiten durch das Pendeln selbst entstehen."

Haupt-Stressor ist der Straßenverkehr, wie 2016 die Stress-Studie der TK gezeigt hat. Wehner erklärt: "Damit hat der Straßenverkehr als Stressfaktor denselben Stellenwert wie die ständige Erreichbarkeit durch Smartphone, Facebook und Co."

Weitere interessante Ergebnisse aus der aktuellen Pendler-Studie von der TK:

  • Die meisten Pendler gibt es in diesen Bereichen: Beschäftigte im Luftverkehr wie Piloten, Servicefachkräfte, Vertriebsmitarbeiter, ITler.
  • Die wenigsten Pendler gibt es hier: Agrar- und Ernährungsberufe, Angestellte in privaten Haushalten wie Hauswirtschafter und Reinigungskräfte, soziale und Dienstleistungsberufe.
  • Je spezialisierter der Beruf, desto wahrscheinlicher sind lange Pendlerwege.
  • Je höher der Ausbildungsabschluss der Beschäftigten, desto höher der Pendleranteil: Von Beschäftigten mit Promotion oder Hochschulabschluss pendeln fast 50 %. Beschäftigte ohne oder in Ausbildung pendeln nur zu 38 %.
  • 7,5 % der pendelnden Männer und 5,4 % der pendelnden Frauen legen pro Strecke 200 Kilometer oder mehr zurück.
  • Die Zahl der Pendler steigt kontinuierlich, die Pendelstrecken werden immer weiter und damit auch die Pendelzeiten immer länger.
  • Beim Autofahren sind die psychischen Belastungen höher als bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Belastungen und Fehltage nehmen mit steigender Entfernung und Fahrzeit zu.

Auch wenn Pendler insgesamt weniger krankgeschrieben waren, beobachtet Wehner: "Die Gesamtbetrachtung zeigt auch negative Einflüsse des Pendelns auf die physische und soziale Gesundheit auf, vor allem bei Frauen. Magen- und Verdauungsbeschwerden können zunehmen, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Beschwerden wie der Körperfettanteil und der BMI (Body-Mass-Index) steigen, auch der Schlaf sowie soziale Beziehungen und Partnerschaften leiden."

Das Fazit der TK: Unternehmen sollten mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) dagegen vorgehen, dass Pendeln die Mitarbeiter so belastet. Mobilitätsmanagement, intelligente Schichtpläne, eine gute Arbeitsorganisation und die Nutzung der Digitalisierung könnten Beschäftigten mit weiten Arbeitswegen das Leben leichtermachen. Auch die Verkehrspolitik habe enormen Einfluss auf die Gesundheit der Berufspendler. Und nicht zuletzt sollten die Vielfahrer selbst dafür sorgen, dass sie gesund bleiben: Studien zeigten, dass Pendler mehr Fastfood äßen, häufiger zu übermäßigem Medienkonsum neigten und besonders bei Männern sei ein erhöhter Alkoholmissbrauch zu erkennen. Gegensteuern könnten sie selbst unter anderem mit einer gesunden Ernährung, Bewegung und Sport als Ausgleich sowie der Nutzung von Fahrgemeinschaften.

In der Pflicht sieht die TK also die Betriebe, die Politik und nicht zuletzt die Pendler selbst. Wenn Sie dem Link folgen, finden Sie den Mobilitäts-Report 2018 von der TK!

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