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2019: Neuer AGW für A-Staub gilt!

Keine Ausnahmen mehr bei Einhaltung des Grenzwerts

Der 01. Januar 2019 wird Veränderungen an allen Arbeitsplätzen mit sich bringen, an denen Stäube entstehen. Ab dann gilt der neue Arbeitsplatzgrenzwert für alveolengängige Stäube (A-Staub) von 1,25 mg/m3. Bedenkt man, dass bei der Arbeit mit Fräsen, Schleifern oder Bohrern schnell 100 mg/m3 entstehen können, wird das Ausmaß der Veränderung bewusst.

Bereits seit 2014 ist der neue allgemeine Staubgrenzwert (ASGW) gültig, der für unlösliche und schwerlösliche A-Stäube, die nicht anderweitig reguliert sind, als Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) gilt; Ausnahmeregelungen machten es jedoch möglich, dass es bisher reichte, den alten Grenzwert von 3 mg/m3 einzuhalten. Ab 1. Januar 2019 ist damit nun Schluss. Wir verraten Ihnen, wie Sie unterhalb des Grenzwerts bleiben und was Sie sonst noch darüber wissen müssen.


Übrigens: Unter A-Staub fallen alle Stäube, deren Teilchen im Durchmesser kleiner als 10 μm, also kleiner als 0,00001 Meter, sind. Neben der Größenklasse der A-Stäube gibt es noch die einatembare Fraktion, die sogenannten E-Stäube oder die E-Fraktion. Für diese bleibt der Grenzwert unverändert bei 10 mg/m3.


Krankheit durch Staub: beeinflussende Faktoren

Verschiedene Stäube können unterschiedliche Gesundheitsschäden verursachen. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  1. Wo sich der Staub in den Atemwegen ablagert: A-Stäube können im Gegensatz zu E-Stäuben beispielsweise bis in die Lungenbläschen, die Alveolen, gelangen. Deswegen ist A-Staub besonders gefährlich.
  2. Art des Staubes: Bei einer einzigen Arbeit können verschiedene Arten von Staub entstehen. Eichen- und Buchenholzstaub können Nasenschleimhautkrebs auslösen. Quarzstaub ist besonders gefährlich – er kann Silikose und Lungenkrebs verursachen. Für 2016 vermeldeten die gewerblichen Berufsgenossenschaften 1.479 Anzeigen auf Verdacht einer staubbedingten Berufskrankheit – Silikose, Siliko-Tuberkulose und Lungenkrebs aufgrund von Quarzstaub; 372 Personen starben daran. 2016 wurde für Quarzstaub in der A-Fraktion ein Beurteilungsmaßstab von 50 μg/m³ bekannt gegeben.
  3. Teilchengröße: Bei einer einzigen Arbeit können verschiedene Partikelgrößen entstehen. Kleine Partikel können nicht nur, wie oben erwähnt, tiefer in den Körper eindringen als größere Partikel. Sie sind auch wesentlich länger in der Atemluft vorhanden: Staubpartikel mit der Größe 1 µm zum Beispiel brauchen etwa 5 Stunden, um einen Meter zu sinken. Solange sie sich in der Luft befinden, können sie eingeatmet werden und Schäden verursachen.
  4. Expositionsmenge (Teilchenkonzentration) und Zeitdauer der Exposition: Hohe Staubmengen treten zum Beispiel bei Abbruch-, Umbau-, Stemm-, Schleif- oder Fräsarbeiten auf.


Übrigens: Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) hat Daten aus seiner Expositionsdatenbank MEGA ("Messdaten zur Exposition gegenüber Gefahrstoffen am Arbeitsplatz")  gesammelt, ausgewertet und in einer Vorabveröffentlichung zur Verfügung gestellt. Das Zahlenmaterial bietet einen Überblick zur Staubbelastung an unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Ein finaler Report zur Staubbelastung an Arbeitsplätzen soll folgen. 


Arbeitsschutz-Maßnahmen bei Staub: Das können Sie tun

Maßnahmen für staubarmes Arbeiten sind an vielen Arbeitsplätzen in vielen Branchen und Gewerken nötig. Wegen des neuen Grenzwertes für A-Stäube sind die jeweiligen Arbeitsschutz-Maßnahmen zu überprüfen, wenn dies nicht schon in der Übergangsphase geschehen ist. Passende Arbeitsschutz-Maßnahmen bei Staub-Exposition sind:

  • die Verwendung staubarmer Produkte und Materialien 
  • staubarme Arbeitsverfahren (zum Beispiel beim Bearbeiten, Abfüllen …)
  • technische Absaugung direkt an der Entstehungsstelle: An handgeführten Maschinen wie Fräsen, Schleifern oder Bohrgeräten ist der direkte Anschluss einer Absaugung vorgeschrieben
  • maschinelle/technische Lüftung mittels raumlufttechnischer Anlagen (RLT-Anlagen)
  • Staub mit Wasser niederschlagen
  • gute Reinigung der Arbeitsplätze mittels Industriestaubsaugern oder Kehrsaugmaschinen
  • Wartung und Instandhaltung der staubarmen Geräte, Maschinen und Absaugungen: Erfüllen sie ihre Funktion noch? Saugen sie noch ab?
  •  Staub und Schutt möglichst schnell entsorgen, um zu verhindern, dass Staub aufgewirbelt wird und sich verbreitet
  • Arbeitskleidung sauber halten: Wechseln und reinigen Sie Ihre Arbeitskleidung regelmäßig und bewahren Sie sie getrennt von Ihrer Privatkleidung auf. Übrigens: Das Waschen solcher verstaubter Arbeitskleidung in der privaten Waschmaschine sollte vermieden werden. "Für den Betrieb ist ein Vertrag mit einer Wäscherei eine sachgerechte Lösung." 
  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen: Atemschutz, mindestens Partikelfilter P2 oder partikelfiltrierende Halbmasken


Übrigens: Sowohl das trockene Kehren als auch das Abblasen von Staub mittels Druckluft ist laut der Gefahrstoffverordnung verboten, wenn einatembare Stäube an einem Arbeitsplatz vorhanden sind.


Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge wählen

Arbeitsschutz-Maßnahmen für Staubarbeitsplätze gibt es also einige. Wie immer im Arbeitsschutz gilt das STOP-Prinzip – setzen Sie Arbeitsschutz-Maßnahmen in der folgenden Reihenfolge um:

  1. Substitution: Ersetzen Sie gefährliche Stoffe und Produkte durch weniger gefährliche. Nutzen Sie beispielsweise Fertigbeton, statt staubiges Pulver anzurühren.
  2. Technische Maßnahmen sollten Sie ergreifen, wenn eine Substitution nicht möglich ist. Dazu zählen technische Lüftung, Absaugung, Reinigung von Räumen und Arbeitsplätzen, Entstauber, Nassbearbeitung ...
  3. Organisatorische Maßnahmen müssen Sie einsetzen, wenn Substitution und technische Maßnahmen nicht greifen oder nicht ausreichen. Beispielsweise sollten sich in stark staubbelasteten Bereichen nur Personen aufhalten, die dort auch arbeiten; Räume mit starker Staubbelastung sollten gekennzeichnet werden und von anderen Räumen abgetrennt sein.
  4. PSA: Die Arbeitsschutz-Option, die Sie als Letztes wählen sollten, ist das Tragen von Persönlicher Schutzausrüstung.

Für einige Arbeitsschutz-Maßnahmen bei staubbelasteten Arbeitsplätzen gibt es Arbeitsschutzprämien von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU): Sie fördert zum Beispiel die Anschaffung von Bau-Entstaubern und Luftreinigern.

Für alle Arbeiten mit Staubbelastung gilt jetzt: Prüfen Sie, dass der neue Grenzwert für A-Stäube eingehalten wird. Ist dies nicht der Fall, passen Sie Ihre Arbeitsschutz-Maßnahmen an!

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