Nachricht

Arbeits-Routine erhöht Absturzgefahr

BGHW hat Absturzunfälle von Dächern und Leitern analysiert

Zwischen 2012 und 2017 starben 22 Personen im Handel bei einem Absturz. Und das meist nicht bei klassischen Bauarbeiten, sondern bei Arbeiten auf der Leiter oder auf Dächern. Die schlimmste und beste Nachricht zugleich: Fast jeder dieser Unfälle wäre mit den richtigen Sicherheitsmaßnahmen vermeidbar gewesen! 22 Personen sind also ums Leben gekommen – aus diesen Fehlern können und sollten Beschäftigte etwas lernen! Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) hat für die Präventionskampagne  GIB MIR NULL! die tödlichen Abstürze von Dächern und Leitern analysiert und ausgewertet.

Solche Abstürze ereignen sich überall – in Baustoffunternehmen genauso wie bei der Arbeit im Hafen oder in der Buchhandlung. Wer zum Beispiel Dachrinnen vom Laub befreit, eine Dachabdichtung repariert oder mit der Leiter in der oberen Regalreihe ein Buch verstauen will, für den wird ein unachtsamer Moment, etwa der Tritt auf ein Lichtband oder das Abrutschen von einer Leitersprosse, schnell zum tödlichen Fehler.


Routine und Erfahrung können tödlich sein

Maan Wouhbé ist Bauingenieur und Aufsichtsperson bei der BGHW und nennt eine Unfallursache: Routine. "Die Arbeit soll schnell gehen und quasi nebenbei erledigt werden." Die Verunglückten seien häufig "alte Hasen" gewesen, nämlich Angestellte oder Unternehmer, die schon lange im Betrieb arbeiteten und die Abläufe sehr gut kannten. 73 % der verunfallten Personen waren 50 Jahre oder älter. "Diese Altersgruppe überschätzt nicht selten ihr Können und unterschätzt die Gefahren, die mit Arbeiten in der Höhe verbunden sind", so die BGHW. Und auch Wouhbé erklärt: "Die Erfahrung und Routine, die sie mitbringen, kann gefährlich sein."

"Den 'alten Hasen', der alles kann, gibt es häufig in Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern", so die BGHW weiter. Schließlich ereigneten sich rund 60 % der analysierten Unfälle dort. Diese Personen hätten meist mehrere Aufgaben im Unternehmen und seien schon jahrelang "Mädchen für alles". Oft beauftragten sie  nicht Fachleute wie den Dachdecker mit Reparatur- oder Reinigungsarbeiten, sondern erledigten das selbst. Das Problem, wenn ein Laie beispielsweise Dacharbeiten selbst übernimmt: Es fehlt zum Beispiel das Wissen, dass manche Dachflächen nicht zum Begehen geeignet sind oder ein Lichtband nicht tragfähig ist.


Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen sind ein Muss!

Menschliches Fehlverhalten und mangelnde Arbeitsvorbereitung seien bei den meisten der untersuchten Abstürze der Auslöser gewesen. Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen waren bei vielen der Fälle nicht vorhanden. Bei Schutzmaßnahmen auf Dächern habe die kollektive Absturzsicherung, etwa mit Geländern oder Abdeckungen, Priorität, sodass der Absturzunfall erst gar nicht passieren kann. Danach folgen Auffangeinrichtungen wie Netze, Gitter oder Auffanggerüste. Erst wenn diese kollektiven Arbeitsschutz-Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen, ist Persönliche Schutzausrüstung (PSA) einzusetzen. Jedoch nur dann, wenn Anschlageinrichtungen vorhanden sind und entsprechende Schulungen und Rettungsmaßnahmen für den Notfall organisiert wurden.


Abstürze von Leitern verhindern ...

40 % der Absturzunfälle waren Abstürze von Leitern. Hier ist Zeitdruck ein Hauptfaktor für Unfälle: Es soll schnell gehen und viele unterschätzen die Gefahren, die schon ein Sturz aus einer geringen Höhe birgt – auch dieser kann tödlich enden! Die BGHW empfiehlt hier, auf diese Aspekte besonders zu achten:

  • Prüfung, ob es eine sicherere Alternative für die Leiternutzung gibt
  • die Auswahl der richtigen Leiter
  • den sicheren Stand auf ebenem, tragfähigem Grund und Anlehnung an sichere Flächen
  • immer eine Hand am Holm zu lassen, also nie freihändig auf einer Leiter zu arbeiten
  • regelmäßige Prüfung der Leitern

Jeder Unternehmer sollte sich mit dem Thema Arbeiten auf Dächern sowie auf Leitern beschäftigen, auch wenn es nur um sporadisch anfallende Reparaturarbeiten geht. Eine arbeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung, konkrete Absturzsicherungsmaßnahmen und regelmäßige Unterweisung können Leben retten.

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser.    weitere Infos OK