Nachricht

Teure Hörgeräte: Volle Kostenübernahme hängt vom Beruf ab

Gesetzliche Krankenversicherung ist in der Zahlpflicht

Ein Projektleiter, der für die Bauüberwachung auf Großbaustellen verantwortlich ist, hat Anspruch auf ein teures Hörgerät, das sich automatisch wechselnden Geräuschkulissen anpasst – so urteilte das Hessische Landessozialgericht im September 2018 (AZ L 1 KR 229/17).

Geklagt hatte ein ebensolcher Projektleiter, nachdem die Deutsche Rentenversicherung (DRV) seinen Antrag auf ein teures Hörgerätesystem an die Krankenversicherung weitergeleitet und diese das Ersuchen abgelehnt hatte. Die Krankenkasse wollte dem 55-jährigen Mann ein eigenanteilfreies Hörgerät für 1.614 Euro zur Verfügung stellen, denn sie sah keine berufliche Notwendigkeit für ein höherwertiges Hörgeräte. Die von dem Kläger benötigte Hörhilfe kostet aber 4.300 Euro.

Die Begründung des Bau-Projektleiters, der für die Bauleitung und die Bauüberwachung in den Bereichen Mess-, Steuer- und Regelungstechnik zuständig ist: Bei seiner Arbeit auf Baustellen sei er wegen der ständig wechselnden Geräuschkulisse und Besprechungen mit bis zu 20 Personen gleichzeitig auf eine bessere Hörhilfe angewiesen.

Die DRV hatte dem Versicherten sechs Jahre zuvor schon Hörgeräte als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben gewährt. Die Schwerhörigkeit hatte sich aber weiter verschlechtert. Nun leitete die Rentenversicherung den Antrag an die gesetzliche Krankenkasse weiter, die aus ihrer Sicht zuständig sei. Die Krankenkasse hielt ein eigenanteilsfreies Hörgerätesystem für ausreichend und zahlte den Festbetrag in Höhe von 1.614 €. Eine berufsbedingte Notwendigkeit für eine höherwertige Hörgeräteversorgung sah sie nicht.

Die Richter gaben dem Kläger recht: Die Krankenkasse muss ihm das höherwertige Hörgerät bezahlen, damit seine Teilhabe am Arbeitsleben erhalten bleibt.


Anspruch geht von DRV auf Krankenkasse über

Kleiner Nebeneffekt: Eigentlich sei die Deutsche Rentenversicherung für die Mehrkosten für eine höherwertige Versorgung verantwortlich. Behinderte Menschen hätten einen Anspruch auf medizinische Rehabilitation, um Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit zu vermeiden, zu überwinden oder zu mindern. Dies umfasse auch Hilfsmittel wie Hörgeräte, wenn der Versicherte wegen der typischen Anforderungen seiner Berufstätigkeit darauf angewiesen sei.

Da die DRV den Antrag aber fristgerecht an die Krankenversicherung weitergeleitet hatte und diese sich der Sache annahm, sei die Zuständigkeit komplett auf die Krankenkasse übergegangen.

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser.    weitere Infos OK