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Asbest: Biomarker ermöglichen erstmals Früherkennung von Mesotheliomen

Fürhzeitige Tumor-Diagnose soll Behandlunsgchancen verbessern

Immer noch sind die Zahlen der durch Asbest verursachten Berufskrankheiten hoch – obwohl der einstige Wunderbaustoff in Deutschland bereits 1993 verboten wurde. Gerade beim Bauen im Bestand sind Beschäftigte dem gefährlichen Material häufig ausgesetzt. Und die lange Latenzzeit sorgt dafür, dass auch heute noch viele asbestbedingte Berufskrankheiten gemeldet werden. Ein typischer asbestbedingter Tumor ist das maligne Mesotheliom: Es ist kaum frühzeitig zu diagnostizieren, bisher unheilbar und es führt meist nach kurzer Krankheit zum Tod. Auch die Behandlung ist nur eingeschränkt möglich, unter anderem auch weil die Krankheit meist erst so spät erkannt wird. Doch zumindest dieser Aspekt könnte sich nun wesentlich verbessern: Forscher am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA) haben ein Markerpanel entwickelt, mit dem Mesotheliome bis zu einem Jahr früher diagnostiziert werden können, als es bisher klinisch möglich war. In einer Blutanalyse werden die mesotheliom-spezifischen Biomarker Calretinin und Mesothelin gemessen.


Übrigens: Das Markerpanel soll eine Option bei der nachgehenden Vorsorge sein. Diese ist ein Angebot der gesetzlichen Unfallversicherung für die Sekundärprävention beruflich verursachter asbestbedingter Erkrankungen. Beschäftigte, die asbestexponiert gearbeitet haben, werden in regelmäßigen Zeitabständen beraten, untersucht und betreut.


"Biomarker sind Substanzen, die im Körper als Folge von bestimmten Erkrankungen oder sogar bereits schon im Vorfeld einer Erkrankung auftreten können", erklärt Dr. Johnen, Leiter des Kompetenz-Zentrums Molekulare Medizin am IPA. Dass die Marker besonders oft in leicht zugänglichen Körperflüssigkeiten zu finden sind, also in Blut oder im Urin, macht die Untersuchung leichter. Sonst sind invasive Eingriffe oder Strahlung nötig, um ein Mesotheliom zu erkennen. "Bei nur 2% falschpositiven Befunden können in bestimmten Hochrisikogruppen nahezu 50% der Versicherten, die ein Mesotheliom entwickeln, bis zu einem Jahr vor der klinischen Diagnose erkannt werden", erklärt Johnen die neue Möglichkeit in der Sekundärprävention weiter.


Bei der Mesotheliom-Therapie geht es voran

Auch was die Behandlung von Mesotheliomen angeht, macht die Wissenschaft Fortschritte: Die sogenannte Immuntherapie zeigt Erfolge. Hier ist die Früherkennung ebenfalls ein wichtiger Aspekt für einen möglichst großen Therapie-Erfolg.


Übrigens: Mehr als die Hälfte der Todesfälle wegen Berufskrankheiten gehen laut Statistik der gesetzlichen Unfallversicherung auf Asbest zurück.


Studie zur Krebsfrüherkennung macht Markerpanel erst möglich

Das Markerpanel wurde erst durch die Ergebnisse der Studie "Molekulare Marker zur Krebsfrüherkennung", kurz MoMar, vom IPA und verschiedenen Unfallversicherungsträgern möglich: Sie nahmen fast zehn Jahre lang etwa 2.800 versicherten Personen mit einer anerkannten Berufskrankheit (BK) 4103 "Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung der Pleura" jedes Jahr Blut ab und untersuchten es auf mögliche frühe Hinweise auf ein Mesotheliom. "Hiermit konnten wir eine große Anzahl von Proben aus dem Vorfeld der Erkrankung sammeln, was es so bisher noch nicht gegeben hat", erklärt Dr. Johnen.

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