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BKK-Gesundheitsreport 2018: Generation 50plus in der Arbeitswelt

Arbeitsmarkt-Potenzial statt 'altes Eisen'

  • Die Fehltage der Beschäftigten in Deutschland sind 2017 gegenüber dem Jahr 2016 um 2,2 % gesunken: 17,7 Tage war jeder im Durchschnitt arbeitsunfähig krank.
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen waren 2017 die  häufigste Ursache für AU-Tage, gefolgt von psychischen Störungen und Atemwegserkrankungen auf dem dritten Platz.
  • MSE waren oft in Branchen zu finden, in denen die Beschäftigten starken körperlichen Belastungen ausgesetzt sind (Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung, Verkehr, Lagerei, Bau …). Psychische Störungen gab es am ehesten in den Branchen, wo besonders viel bzw. intensive Arbeit "mit und am Menschen" stattfindet (Gesundheits- und Sozialwesen, Sozialversicherung, öffentliche Verwaltung).
  • Beschäftigte der Generation 50+ sind nicht mehr nur das "alte Eisen", sondern werden immer mehr zu einem wertvollen Potenzial in der Arbeitswelt.


Das sind die wichtigsten Ergebnisse aus dem BKK-Gesundheitsreport 2018 "Arbeit und Gesundheit Generation 50+". Wie der Titel schon sagt, liegt der Schwerpunkt des Gesundheitsberichts des BKK-Dachverbandes e.V. darauf, die Situation der über 50-Jährigen in der heutigen Arbeitswelt zu analysieren. Während das im Jahr 2007 nämlich nur ein Fünftel der  Beschäftigten waren, sind es heute schon ein Drittel (33,9 %). Tendenz: steigend! Die Zahl der 50+-Beschäftigten schwankt außerdem je nach Branche: In der Energie- und Wasserversorgung sowie der Abwasser- und Abfallentsorgung liegt deren Anteil sogar über 43%, im Gastgewerbe bei 25%.

"Das sind markante Veränderungen in der Arbeitswelt. Diesen angehenden Rentnern folgt eine geringere Zahl an Berufseinsteigern. Hier entsteht eine Erwerbstätigenlücke, der die Unternehmen heute nur damit begegnen können, indem junge Leute rekrutiert werden und gleichzeitig ältere Arbeitnehmer länger in der Arbeit gehalten werden müssen. Mit der Generation 'Babyboomer' steht eine Arbeitskraftreserve zur Verfügung, die einen hohen Erfahrungsschatz besitzt und die in volatilen Zeiten flexibel einsetzbar sind", sagt Prof. Dr. Holger Pfaff von der Universität Köln.


Nicht das Alter, sondern die Arbeitsbelastung macht krank

Die älteren Beschäftigten sind nicht häufiger krank als ihre jüngeren Kollegen, dafür sind sie länger krank: Mit steigendem Alter steigt demnach auch die Zahl der durchschnittlichen AU-Tage.

Es ist aber nicht das Alter, das maßgeblichen Einfluss auf Gesundheit und Krankheit hat, sondern die Arbeitsbelastungen. Beschäftigte im Gastgewerbe sind durchschnittlich etwa einen Tag mehr arbeitsunfähig pro Jahr als die in der Energieversorgung (16,4 vs. 15,5 AU-Tage je Beschäftigten), obwohl die in der Energieversorgung Tätigen im Schnitt etwa fünf Jahre älter sind. Die Wirtschaftsgruppen, in denen die Beschäftigten 50+ die meisten AU-Tage haben, sind auch die Wirtschaftsgruppen, in denen die jüngeren Beschäftigten überdurchschnittlich oft krank sind. Genauso ist es bei den Branchen mit den wenigsten Fehltagen: Auch hier sind meist alle Altersgruppen unterdurchschnittlich oft krank.

Internationale Studien zeigen außerdem: Die Arbeitsleistung von Beschäftigten nimmt mit dem Alter nicht ab. "Ältere Beschäftigte können nämlich auf der anderen Seite mit Erfahrung, sozialen Kompetenzen, und Gewissenhaftigkeit und einigem mehr punkten", betont Prof. Dr. Jürgen Wegge von der TU Dresden. Die Varianz (Unterschiedlichkeit) bei der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern 50+ nimmt allerdings zu. Wegge betont:"Eine individualisierte Arbeitsplanung und altersgerechte Führung ist hier also nötig!" Dies werde in einigen Unternehmen bereits beherzigt, was ebenfalls erklären könne, warum die berufliche Leistung bei 50+ nicht einfach abnehme.

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, betont, dass es keinen Sinn macht, das Renteneintrittsalter einfach auf 70 Jahre anzuheben, um das Potenzial, das ältere Beschäftigte bieten, zu nutzen. "Vielmehr muss Arbeit altersgerecht gestaltet und größerer Wert auf Prävention und die betriebliche Gesundheitsförderung gelegt werden." Auch wenn manche Unternehmen dies schon umsetzen, gibt es noch viel zu tun. Knieps fordert, dass besonders kleinere und mittlere Unternehmen durch die Sozialpartner besondere Unterstützung bei der Ausgestaltung alter(n)sgerechter Arbeit erhalten. "Darüber hinaus sollte auch auf politischer Ebene die Zielgruppe 50+ in den Blickpunkt rücken: Die seit 2015 eingerichtete Nationale Präventionskonferenz sollte hierzu explizit ein Gesundheitsziel formulieren und dem entsprechende Maßnahmen in den Nationalen Präventionsplan aufgenommen werden", so Knieps.

Weitere spannende Zahlen zur Arbeitsunfähigkeit, zur ambulanten und stationären Versorgung, zu Arzneimittelverordnungen und zur Generation 50+ in der Arbeitswelt finden Sie im BKK-Gesundheitsreport 2018.

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