Nachricht

BSG-Urteil zu Homeoffice: Sturz auf der Kellertreppe ist Arbeitsunfall

BSG hebt LSG-Urteil auf

Der Sturz auf einer Kellertreppe zu Hause kann ein Arbeitsunfall im Homeoffice sein – das hat das Bundessozialgericht (BSG) im November 2018 entschieden (B 2 U 28/17 R). Geklagt hatte eine "Sales and Key Account"-Managerin eines Unternehmens, das Gutscheine und Internetcodes vertreibt. Die komplette Wochenarbeitszeit verbrachte die Dame im Homeoffice. Das Büro befand sich im Keller ihrer Wohnung, zu dem die verhängnisvolle Kellertreppe führte.

Am Unfalltag, dem 21. Juli 2012, sollte die Klägerin um 16:30 Uhr von ihrem Telearbeitsplatz aus mit dem Geschäftsführer telefonieren. Als sie um 16.10 Uhr in den Keller gehen wollte, rutschte sie auf der Treppe aus und zog sich eine Wirbelsäulenverletzung zu.

Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) lehnte es ab, diesen Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen: Auf der Treppe zwischen privaten und geschäftlich genutzten Räumen bestehe kein Versicherungsschutz.

Vor dem Sozialgericht bekam die Klägerin Recht, das Landessozialgericht hob dieses Urteil allerdings auf und sah keinen Arbeitsunfall: Das Betreten der Kellertreppe zu Hause gehöre nicht unmittelbar zu den Hauptpflichten und sei bloß "Vorbereitungshandlung" gewesen. Auch einen Wegeunfall sah das LSG nicht, denn dafür hätte die Klägerin das Haus verlassen bzw. die Haustür durchschreiten müssen.

Falsch!, urteilte das Bundessozialgericht: Die Klägerin habe sehr wohl einen Arbeitsunfall gehabt: "Sie stieg nach den bindenden Feststellungen des LSG (§ 163 SGG) die Treppe mit der Handlungstendenz hinab, in ihrem Büro ('Home-Office'), das sich im Kellergeschoss befand, den mitgeführten Laptop anzuschließen und über diesen um 16.30 Uhr auf eine vorherige dienstliche Weisung hin mit dem Geschäftsführer der Unternehmerin zu telefonieren. Der Versicherungsschutz scheitert vorliegend nicht daran, dass der Unfall sich innerhalb der Wohnung der Klägerin ereignete." Die Außentür als Grenzziehung für Betriebswege gilt hier also nicht. Auch die "durch die objektiven Umstände des Einzelfalls bestätigte Handlungstendenz der Klägerin, eine dem Unternehmen dienende Tätigkeit ausüben zu wollen", sah das Gericht als Indiz für einen Arbeitsunfall an. "Das Telefonat mit dem Geschäftsführer gehörte zu den Aufgaben, die im Interesse des Unternehmens standen."

Übrigens: Ein BSG-Urteil vom Juli 2016 besagt: Wer im Home-Office auf dem Weg zur Nahrungsaufnahme ausrutscht, kann nicht damit rechnen, dass das als Arbeitsunfall gilt.

Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser.    weitere Infos OK