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Studie: Schon eine Stunde mehr Wochenarbeitszeit schadet der Gesundheit

'Mehrarbeiter' fühlen sich schlechter und gehen öfter zum Arzt

Schon eine Stunde mehr Arbeit pro Woche als gewohnt schädigt die Gesundheit der Beschäftigten – so zumindest können die Ergebnisse einer Studie von Forschern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) interpretiert werden, die vor Kurzem im Journal "Labour Economics" veröffentlicht wurden. Zum ersten Mal wurden die Folgen untersucht, die eine steigende wöchentliche Arbeitszeit auf die Gesundheit der Mitarbeiter haben kann. Befragt wurden Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst und Beamte. Sie bewerteten ihre eigene Gesundheit um zwei Prozentpunkte schlechter und die Anzahl der Arztbesuche stieg um 13 %, schon wenn sie eine Stunde mehr pro Woche arbeiten mussten. Besonders betroffen von diesen negativen Effekten waren Frauen sowie Familien mit jungen Kindern. "Vermutlich sind die Effekte bei diesen Gruppen stärker, weil sie außerhalb ihrer Arbeitszeit mit sehr begrenzten Zeitbudgets ausgestattet sind. Steigt die Arbeitszeit, steigt somit auch der Zeitdruck außerhalb der Arbeit", so Prof. Dr. Christoph Wunder von der LMU.

Die Daten stammen aus den Sozio-oekonomischen Panels aus den Jahren 1985 bis 2014, der größten und am längsten laufenden Langzeitstudie, bei der seit mehr als 30 Jahren über 12.000 Privathaushalte in regelmäßigen Abständen zu ihren Lebensumständen befragt werden.

"In deskriptiven Analysen zeigt sich oft ein positiver Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitszeit, zum Beispiel, wenn gesündere Menschen auch länger arbeiten", erklärt Prof. Dr. Wunder. Bislang wisse man aber wenig darüber, welche kausalen Effekte eine steigende Arbeitszeit auf die Gesundheit der Menschen habe. Dr. Kamila Cygan-Rehm von der FAU sagt: "Das Nachweisen eines ursächlichen Einflusses einer längeren Arbeitszeit auf die Gesundheit ist empirisch sehr schwierig, da man unbeobachtete Faktoren – zum Beispiel die innere Motivation – ausschließen muss, die sowohl zu längeren Arbeitszeiten als auch zur besseren Gesundheit führen können und somit den direkten kausalen Effekt verzerren."

Wie allerdings die optimale Arbeitszeit aussieht, darauf haben die Forscher keine Antwort. Alleine die starke Reaktion auf die Veränderung der gewohnten Arbeitszeit konnten die Wissenschaftler festhalten.